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Afrikanische Schweinepest

China: Schweinefleisch extrem knapp – Preise gehen durch die Decke

Schweine
am Mittwoch, 11.12.2019 - 07:36 (Jetzt kommentieren)

In China gehen die Preise für Schweinefleisch durch die Decke. Im Großhandel kostet das "Grundnahrungsmittel" bereits 168 Prozent mehr als 2018.

Auch in den Restaurants explodieren die Preise – obwohl die Kosten nicht in vollem Umfang an die Kunden weitergereicht werden können. Analysten gehen davon aus, dass die  Schweinefleischpreise auch 2020 sehr hoch werden, da das Angebot knapp ist.

Schweinefleisch ist das mit Abstand beliebteste Fleisch in China. Die immer schneller steigende Preise trieben auch die Lebensmittelinflation auf den höchsten Stand seit fast acht Jahren. Dieser starke Preisauftrieb überrascht offenbar sowohl Ökonomen als auch Händler und Gastronomen – und bringt eine Menge Probleme.

"Im vorigen Jahr haben wir und der übrige Markt das Tempo der Schweinepreisinflation unterschätzt", schrieb Analyst Lu Ting von der japanischen Bank Nomura in einem Bericht zur Lage am chinesischen Schweinefleischmarkt. Dort mussten sie ihre Prognose für die Inflation im nächsten Jahr nach oben revidieren.

Die stark steigenden Schweinefleischpreise treiben jedoch auch die übrigen Fleischpreise nach oben. So sind auch die Geflügelpreise im Großhandel um ein Drittel gestiegen, was auf die Substitution von teurem Schweinefleisch durch billigeres Geflügel zurückzuführen ist.

Dies bedeutet, dass in China auch beliebte Fast-Food-Ketten die explodierenden Preise zu spüren bekommen.

Kaum noch staatliche Reserven

Schweine China

Die vielen Millionen kleinen Akteure in Chinas riesigem Catering- und Außer-Haus-Essen-Sektor, haben jedoch wenig Möglichkeiten, mit den explodierenden Kosten und dem schrumpfenden Angebot fertig zu werden. Obwohl die Importe in diesem Jahr bei allen Fleischarten kräftig angestiegen sind, können die erwarteten 3 Millionen Tonnen Schweinefleisch aus dem Ausland die Lücke beim Inlandsbedarf bei weitem nicht stopfen.

Hinzu kommt: Peking verfügt nur noch über geringe Mengen an gefrorenem Schweinefleisch in den staatlichen Reserven. "Die Auswirkungen auf uns sind enorm. Wir verkaufen nur noch Rippen, das ist alles. Für uns gibt es keinen Raum mehr für Abwechslung", sagte Cao, Inhaber eines Restaurants, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Cao erhöhte seine Preise um etwa 10 Prozent und schaffte es bisher, die meisten Kunden zu halten. "Die Leute kommen immer noch - auch weil sie wenig Alternativen haben. Wenn sie auf den Markt gehen, um Schweinefleisch zu kaufen, werden sie feststellen, dass es dort noch viel teurer ist", sagte er.

Fast-Food-Ketten drücken Preise der Lieferanten

Der US-amerikanische Marktführer bei Geflügel KFC hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters den Kostenanstieg gebremst, indem er die Zulieferer gezwungen hat, einen Großteil der Kosten zu tragen. Somit konnte die Teuerung unter 10 Prozent gehalten werden, hieß es. Um den Rest des Preisanstiegs auszugleichen, wurde die Anzahl der Nicht-Hühnchen-Produkte auf der Speisekarte erhöht.

Ente ist Chinas billigstes Fleisch. KFC verwendet zudem auch billigere Hühnerteile, ersetzt Flügel durch "Streifen" oder andere kleine Teilstücke. Obwohl am Ende des Hühnerflügels nicht viel mehr als Haut, Knochen und Knorpel vorhanden waren, erwiesen sich die gebratenen Flügelspitzen als beliebt, sagte Geschäftsführer Joey What.

Das Unternehmen warnte jedoch davor, dass 2020 "ein weiteres herausforderndes Jahr für die Rohstoffinflation" sein wird, sagte jedoch, es werde "umsichtig" sein, was den Anteil der an die Kunden weitergegebenen Kosten betrifft.

Fleischalternativen sollen helfen

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Andere Anbieter sind bemüht, ihre Kunden zu halten und trotzdem die Preise zu erhöhen. Xishaoye, eine in Peking ansässige Kette, die auf traditionelle chinesische Schweinebrötchen spezialisiert ist, hat nach einer kräftigen Preiserhöhung nun wieder niedrigere Preise, sagte ein Manager der Kette.

"Es ist ein hart umkämpfter Markt, sie können ihren Preis nur im niedrigen einstelligen Bereich erhöhen", erklärt Lina Yan, Analystin bei der Großbank HSBC. Sonst laufen ihnen die Kunden davon. Xishaoye hat damit begonnen, Gemüsevarianten des Schweinebrötchens zu verkaufen sowie ein Menü mit schweinefleischfreien Beilagen anzubieten, um die Kunden zu halten und die Preise nicht zu stark erhöhen zu müssen.

Das hat dazu beigetragen, den Schweinefleischkonsum in den betriebenen Restaurants zu halbieren. Doch das Unternehmen macht in diesem Jahr trotzdem hohe Verluste, sagte der Geschäftsführer Meng Bing gegenüber Reuters.

Fleischpreise explodieren weiter

Die Zutaten machen normalerweise etwa 30 bis 40 Prozent der Kosten aus. Wenn die Kosten für Zutaten also um 20 bis 30 Prozent steigen, wird das Unternehmen höchstwahrscheinlich viel Geld verlieren", sagte Manager Meng.

Chinas Vizepremier Hu Chunhua hat die Bauern aufgefordert, leere Farmen schnell wieder aufzufüllen, und die Provinzbehörden aufgerufen, alles zu tun, um die Versorgung mit Schweinefleisch zu gewährleisten, insbesondere vor den wichtigen Neujahrsfeiertagen im nächsten Monat.

Das chinesische Landwirtschaftsministerium geht davon aus, dass die Schweineproduktion bis Ende 2020 wieder auf etwa 80 Prozent des normalen Niveaus zurückkehren könnte. Die meisten Analysten sind jedoch überzeugt, dass diese Prognosen viel zu optimistisch sind, zumal sich die Afrikanische Schweinepest immer noch ausbreitet.

Fleisch wird immer knapper

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Das zeigt sich am Markt: Nach dem Rückgang im vorigen Monat steigen die Schweinepreise nun wieder und auch größere Unternehmen der Lebensmittelbranche könnten stärker unter Druck geraten, wenn die Inflation nicht bald nachlässt.

Ein leitender Angestellter eines der größten chinesischen Großküchenunternehmen sagte, gegenüber Reuters er sehe sich gezwungen, die Preise weiter zu erhöhen. Er sagt: "Eine weitere Preiserhöhung ist das letzte Mittel, da unsere Verbraucher sehr preissensibel sind. Wenn die Schweinefleischpreise im Jahr 2020 aber so hoch bleiben, haben wir keine andere Wahl".

Das Problem ist jedoch: Nicht nur, dass sich die Rohstoffkosten im letzten Jahr aufgrund der steigenden Schweinefleischpreise verdoppelt haben, es wird auch immer schwieriger das benötigte Fleisch überhaupt noch zu bekommen.  Eine Besserung ist bislang nicht in Sicht und das chinesische Neujahrsfest im Januar könnte die Probleme verschärfen und die Preise auf allen Handelsstufen weiter nach oben treiben. 

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