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Chinas blockierter Hafen stürzt Welthandel ins Chaos

container-schiff.
am Dienstag, 29.06.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Der blockierte Riesen-Hafen im südchinesische Yantian führt zu Chaos und Turbulenzen im Welthandel.

Conatiner-Hafen.

Betroffen sind fast sämtliche Güter und Vorprodukte, auch aus dem Agrarbereich. Analysten berichteten gegenüber dem Fernsehsender CNN, dass der Abbau des Hafenstaus in China wahrscheinlich noch Monate dauern wird.

Die massive Überlastung des Hafens Yantian griff auch schon auf andere Containerhäfen wie Shekou, Chiwan und Nansha über, die sich alle in Shenzhen oder Guagzhou befinden. CNN hält es jedoch für möglich, dass sich die Verladung in Yantian in den nächsten Wochen auf 70 Prozent des normalen Niveaus erholen könnte.

Gleichzeitig teilte der weltgrößte Containerhändler Maersk mit, dass sich die Schifftransporte nach derzeitiger Lage um mindestens 16 Tage verspäten werden. Das Ausmaß des Problems im Hafen von Yantian bringt jedenfalls den gesamten globalen Containerhandel in große Schwierigkeiten. Die Sperrung des Suezkanals dauerte dagegen nur sechs Tage, während die Situation in Yantian bereits mehrere Wochen hinzieht und kein Ende in Sicht ist.

Der Hafen Yantian verarbeitet etwa 13,5 Mio. TEU pro Jahr (TEU = Zwanzig-Fuß-​Standardcontainer) oder etwa 36.400 TEU pro Tag. Im Vergleich dazu hat die Blockade des Suezkanals einen täglichen Fluss von rund 55.000 TEU gestört, haben Analysten ausgerechnet. Das entspricht etwa 330.000 TEU während des gesamten sechstägigen Ausfalls.

Logistikprobleme treiben die Kosten nach oben

Container-Hafen.

Der Logistik-Branchendienst The Loadstar, berichtete vorige Woche, dass viele europäische Reedereien und ihre Logistikunternehmen auch über die überlasteten europäischen Häfen klagen und versuchen ihre Frachten auf andere Häfen umzuleiten. Besonders betroffen sind offenbar Hamburg und Antwerpen.

Die Verlader werden zudem aufgefordert, die Mehrkosten für den Binnentransport oder die Weiterleitung zum planmäßigen Einlaufhafen zu übernehmen. Wegen der verstopfen Häfen und den übrigen Transportunterbrechungen steigen die Kosten für den Containerversand jedoch immer weiter an.

CNN hatte berichtet, dass Hapag-Lloyd, MSC andere große Transportunternehmen, die Frachtraten zwischen Asien und Nordamerika sowie von Asien nach Europa erneut kräftig erhöht haben. Aktuelle Daten zeigten, dass die Transportkosten von Shanghai nach Rotterdam auf mehr als 11.000 USD pro 40-Fuß-Container gestiegen sind, ein Anstieg von über 500 Prozent gegenüber dem Vorjahr, schreiben Analysten.

Auch die Containerkosten von China nach Nordamerika befinden sich auf einem Allzeithoch. Der Höhepunkt der Kostenexplosion steht aber wohl in der zweiten Jahreshälfte erst noch bevor, sind die meisten Beobachter überzeugt. Analysten berichten zudem, dass der extreme Mangel an verfügbaren Kapazitäten dazu führt, dass Transportunternehmen und Spediteure die Verladung landwirtschaftlicher Güter und Vorprodukten (Agrarchemie) verweigern, um höher bezahlte Fracht zu verschiffen.

Massive Störungen des Welthandels

Conainer-schiff.

In einem ausgereizten globalen Transport-System schränken massive Störungen, wie die Blockade des Suezkanals und die Hafenblockade in Südchina, die Fähigkeit der Transporteure ein, ihre Lieferverpflichtungen einzuhalten. In der Mitteilung eines großen globalen Seefrachtspediteurs heißt es, dass aufgrund von Störungen in verschiedenen Häfen weltweit derzeit „über 300 Containerschiffe warten müssen“.

Jeden Tag wächst der Berg an Frachtrückständen weiter. Das Problem ist: Sobald die Häfen wieder für den Normalbetrieb geöffnet werden können, ist mit einem gewaltigem Schub bei der Verladung zu rechnen – zumindest in dem Maße, in dem Schiffe dafür zur Verfügung stehen. Dies wiederum wird zu weiteren Staus am Zielort mit einer Verzögerung von etwa zwei bis fünf Wochen führen, erwarten Transport-Analysten.  

Just-in-Time-Lieferketten funktionieren in der derzeit gestörten Seefrachtumgebung überhaupt nicht mehr. Wo es geht,versuchen Importeure deshalb ihre Lagerbestände zu erhöhen. Aber das verursacht neue Probleme. Im den letzten Jahrzehnten waren Transportunterbrechungen oder Störungen schlimm für die unmittelbar Betroffenen, aber sie hatten keine systemischen Auswirkungen, da die Container einfach auf das nächste halbleere Schiff verladen werden konnten, sagt ein Transport-Analyst. Diese Zeit ist wohl erst einmal vorbei.

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