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China/USA: Handelskrieg sorgt für Markt-Chaos

Getreidehafen
am
07.08.2019
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Die Eskalation des Handelskriegs zwischen den USA und China sorgt für Turbulenzen an den globalen Agrarmärkten.

Indirekt sind nicht nur die USA und China von den neuerlichen Auseinandersetzungen betroffen, sondern auch andere große Exporteure und Importeure. Zum einen veränderten sich in bestimmten Bereichen die Handelsströme massiv und möglicherweise auch längerfristig. Zum anderen schlagen die wegbrechenden US-Exporte bei Agrarprodukten über die Terminmärkte auf die  Agrarpreise durch.

Insbesondere bei Sojabohnen, Mais und anderem Getreide, aber auch bei Fleisch und Milchprodukten kommt es zu Marktverwerfungen. Ein Grund dafür ist, dass sich in den USA bei den wichtigsten Exportprodukten immer größere Bestände aufbauen, denn: Die eigentlich für den Export bestimmte Ware fließt nicht mehr ab.

China kauft seine Sojabohnen und seinen Mais hingegen verstärkt in Südamerika, wo große Ernten ohnehin auf die Preise drücken. Allerdings ist auch der chinesische Import-Bedarf an Futtermitteln zuletzt stark geschrumpft. Ursache ist: Die Schweinebestände wurden im Reich der Mitte durch die Afrikanische Schweinpest (ASP) dramatisch dezimiert. Aus diesem Grund dürften die Importe von Fleisch nach China kräftig zunehmen.

Neue Zölle und Abwertung des Yuan

Getreide verladen

Präsident Trump hatte vorige Woche ankündigt, dass er ab dem 1. September 10 Prozent Zoll für weitere chinesische Importgüter im Gesamtwert von etwa 300 Mrd. USD einführen werde. Gleichzeitig versprach er, den amerikanischen Farmern angesichts der chinesischen Vergeltungsmaßnahmen zur Seite zu stehen.

China hat daraufhin die Käufe von US-Agrarprodukten gestoppt und die Einführung zusätzlicher Zölle auf US-Agrarerzeugnisse angekündigt. Das US-Finanzministerium hat den Druck auf China verschärft und am Montag zum ersten Mal seit 1994 festgestellt, dass Peking seine Währung manipuliert. Der Schritt folgte der Entscheidung Chinas, den Yuan zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt unter das wichtige Sieben-Dollar-Niveau fallen zu lassen.

Dieser Schritt hat die Finanzmärkte versunsichert und die Hoffnungen auf ein rasches Ende des Handelskrieges eingetrübt. US-Präsident Donald Trump wies am Dienstag hingegen die Besorgnis über einen langwierigen Handelskrieg mit China zurück. James Bullard, Präsident der Federal Reserve Bank von St. Louis, sagte dagegen. "Ich erwarte nicht, dass sich diese Unsicherheit in den kommenden Quartalen und Jahren auflöst." 

Kein Kauf von US-Agrarprodukten mehr

Getreide verladen

Die chinesische Regierung hat ihre staatlichen Unternehmen aufgefordert, den Kauf von US-Agrarprodukten einzustellen. Auch privat geführte chinesische Importeure, die  zwischenzeitlich Zollbefreiungen für amerikanische Sojabohnen erhalten hatten, haben den Kauf der Ware aufgrund der Unsicherheit über die Handelsbeziehungen gestoppt.

Das Handelsministerium teilte außerdem mit, amerikanische Agrargüter zusätzlich zu besteuern, die nach dem 3. August gehandelt wurden. Das Ministerium bestätigte auch, dass chinesische Firmen den Kauf amerikanischer Agrargüter komplett eingestellt haben. Chinas Importe von US-amerikanischen Sojabohnen fielen im laufenden Jahr auf den niedrigsten Stand seit mindestens 2004.

Chinas Sojabohnenimporte von Oktober bis Juni beliefen sich auf  insgesamt 56,6 Millionen Tonnen. Im vorigen Jahr waren es zum gleichen Termin 69,9 Millionen Tonnen. Die US-Sojabohnenlieferungen nach China für das Wirtschaftsjahr 2018/19 werden bisher auf 12,3 Millionen Tonnen geschätzt.

US-Agrar-Export im freien Fall

Getreide hafen

Das chinesische Handelsministerium teilte außerdem mit, dass 2 Millionen Tonnen US-amerikanische Sojabohnen in diesem Monat nach China importiert werden sollten bzw. als Einkäufe in den Büchern standen. Präsident Trumps Behauptung, China habe keine US-amerikanischen Bohnen gekauft, stimme demnach nicht.

Bereits im Jahr 2018 sind die US-Agrarexporte nach China auf 9,1 Milliarden US-Dollar eingebrochen, nachdem die Ausfuhren im Jahr zuvor noch bei 19,5 Milliarden US-Dollar lagen. Im ersten Halbjahr 2019 schrumpften die Exporte nach China auf nur noch 1,3 Mrd. USD.

Zur Unterstützung der Farmer hat das Weiße Haus hat in diesem Jahr bereits 28 Milliarden US-Dollar bereitgestellt. Präsident Trump schlug am Dienstag vor, weitere Hilfe zu gewähren. Amerikanische Farmer, die bereits unter den Auswirkungen von extremer Witterung und niedrigeren Rohstoffpreisen zu leiden haben, müssen nun einen weiteren Rückschlag hinnehmen, wenn China in einem eskalierenden Handelskrieg mit den USA alle Neueinkäufe von US-Agrarexporten einstellt.

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