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Kunstfleisch und Ersatzprodukte

Darum mögen Chinesen kein Veggie-Fleisch aus den USA

Kunstfeisch
am Montag, 23.12.2019 - 10:26 (Jetzt kommentieren)

Viele Chinesen sind skeptisch gegenüber pflanzlichem Nachahmungsfleisch nach amerikanischer Art.

Dagegen erobern Beyond Meat und Impossible in in den USA und in Europa den Markt. Beide Unternehmen würden gerne auch in China expandieren.

Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP)  hat die Preise für Schweinefleisch und die Nachfrage nach Alternativen in China in die Höhe getrieben.

Wenn die amerikanischen Unternehmen auch nur einen kleinen Teil der 1,4 Milliarden Einwohner des Landes für sich gewinnen können, wären die Chancen enorm. Doch es fällt ihnen offenbar schwerer als gedacht.

 

Verkauf kommt nur schwer in Gang

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Sowohl für Beyond als auch für Impossible sind die Hindernisse am chinesischen Markt mindestens so bedeutend wie die Chancen. Die Chinesen essen nämlich schon viel pflanzliches Eiweiß. In den Restaurants werden sehr viel Tofu, Seitan und „Mock Meats“ angeboten, und lokale Startups kommen mit neuen Kreationen auf den Markt.

Hinzu kommt: Chinesische Verbraucher die weniger Fleisch essen wollen, suchen häufig nach natürlicheren Produkten. Und wie bei allen anderen Lebensmitteln in China spielen auch Fragen der Sicherheit eine große Rolle. Obwohl Beyond eine Partnerschaft mit einem taiwanesischen Online-Einzelhändler angekündigt hat, befindet sich die Expansion in Asien noch in einer sehr frühen Phase.

Wie Beyond wirbt auch Impossible mit seiner Präsenz auf anderen asiatischen Märkten. Aber während die amerikanischen Restaurants die Fleischersatzprodukte aufgrund ihrer rasanten Nachfrage nicht immer auf Lager haben, sind die asiatischen Verbraucher bislang weniger begeistert.

Mehrere Restaurants in Hongkong verkauften den Impossible Burger für kurze Werbezwecke und beschlossen dann, ihn nicht dauerhaft in das Angebot zu übernehmen, nachdem der Verkauf nur mangelhaft war. Ein Abnehmer sagte sogar, das Produkt sei im Kühlschrank verdorben.

Sorou: Vegetarisches Scheinfleisch gibt es schon

"Der Markt wird entscheiden, ob das Unternehmen erfolgreich ist", sagte Impossible gegenüber Bloomberg. "Daher respektieren wir die Entscheidungen von Kunden und Verbrauchern."  Tierfreie Lebensmittel sind in der chinesischen Küche seit langem ein fester Bestandteil. „Scheinfleisch“ stammt bereits aus der Zeit der chinesischen Buddhisten der Tang-Dynastie (618-907), und Tofu ist nur geringfügig jünger.

Heutzutage wird vegetarisches Scheinfleisch, Surou genannt, in der Regel aus Weizen, Bohnen und Pilzen hergestellt und nicht nur für streng vegetarische Menüs verwendet. Fast drei von vier Chinesen gaben in einer Umfrage von 2018 an, mehr als jedes andere Land bereit zu sein, Fleisch gegen einen pflanzlichen Ersatz zu tauschen.

Die Produkte aus den USA basieren jedoch auf Hackfleischersatz und Bestandteilen, die in der chinesischen Küche nicht typisch sind. Wenn die amerikanischen Unternehmen nicht "schnell und effektiv auf den asiatischen Bedarf umstellen", könnten sie gegenüber den chinesischen Herstellern den Kürzeren ziehen, glauben Analysten.

Chinesen haben eigene Fleisch-Ersatzprodukte

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Einige chinesische Unternehmen machen bereits Fortschritte mit ihren eigenen neuen Fleischalternativen. Beispielsweise nutzte Zhenmeat die sozialen Medien, um vegane Meat Mooncakes auf den Markt zu bringen, die schnell ausverkauft waren. Green Monday aus Hongkong hat auch Omnipork vorgestellt, eine Schweinefleischimitation aus Pilzen, Erbsen, Soja und Reis.

Durch Partnerschaften mit einer Reihe von amerikanischen Unternehmen vertreibt Green Monday auf seiner Website auch andere pflanzliche Produkte, darunter Beyond Meat, in ganz Asien. Offenbar ist es aber nicht einfach, den lokalen Geschmack zu treffen.

Viele US-Unternehmen mussten auf dem chinesischen Markt bereist Lehrgeld zahlen. So haben auch die kalorienreichen, süßen Doughnuts von Dunkin' die chinesischen Kunden nicht angesprochen, und ihr Kaffee hat in einer Teetrinkkulturebenfalls keinen Anklang gefunden. Dunkin eröffnet jetzt Cafés in Peking und Shanghai und hat versucht, Schweinefleisch und Algen-Donuts zu verkaufen, um die Speisekarte zu lokalisieren.

Chinesen wollen lieber frische Produkte

China Essen

Der weltweite Anstieg der Nachfrage nach „pflanzlichem Fleisch“ ist eng mit der allgemeinen Sorge um Ernährung und Gesundheit verbunden. Aber ein fleischloser Burger ist in China nicht gesünder als in den USA, und die Lebensmittelchemie, die die fleischähnliche Textur und den fleischähnlichen Geschmack erzeugt, erfordert eben viel Verarbeitung.

Während einige amerikanische und europäische Verbraucher offenbar bereit sind, über höhere Preise Produkte zu kaufen, die ihrer Meinung nach für ihre Gesundheit, für Tiere und die Umwelt besser sind, setzten die chinesischen Verbraucher offenbar andere Prioritäten. So wollen die Chinesen offenbar „hochverarbeiteten“ Produkte essen.

Es wird also nicht einfach sein, ein Gleichgewicht zwischen frischen und verarbeiteten Pflanzen und Inhaltsstoffen und Innovationen zu finden.  All diesen Vorlieben liegt zudem eine Sorge der chinesischen Verbraucher zugrunde: Sie möchten, dass ihre Lebensmittel sicher sind. Eine Reihe von Kontaminationsskandalen hat die Käufer besonders vorsichtig gemacht.

Weitere Probleme: GVO und der Preis

Auch die öffentliche Debatte über GVO ist in China noch nicht zu Ende geführt, und die chinesischen Verbraucher stehen der Technologie weiterhin skeptisch gegenüber, berichten Analysten. Noch 2018 äußerten sich nur 12 Prozent der Chinesen positiv zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln.

Und die letzte Hürde in China und anderswo: Der Preis. Beyond Meat and Impossible kosten in den USA und in Europa immer noch deutlich mehr als Rindfleisch, aber die Lücke schließt sich allmählich. 

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