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Corona-Krise in der Fleischindustrie

Clemens Tönnies: Fleisch wird wesentlich teurer

Clemens Tönnies
am Donnerstag, 30.07.2020 - 16:45 (1 Kommentar)

In einem Interview spricht Clemens Tönnies über deutlich höhere Fleischpreise und Diskussionsbedarf bei Werkverträgen. Von der Zukunft seines Unternehmens ist er überzeugt.

Durch das Verbot von Werkverträgen in der Fleischindustrie und neue Anforderungen an das Tierwohl wird Fleisch wesentlich teurer werden. Davon ist Clemens Tönnies, der Inhaber des größten deutschen Schlachtkonzerns, überzeugt.

In einem Interview mit der „Lebensmittelzeitung“ (LZ) äußert sich der Firmenchef heute (30.07.) über die Folgen der vorübergehenden Schließung des Werks Rheda-Wiedenbrück und die anschließende mediale Treibjagd auf seine Person.

Notwendige Preiserhöhung ist in Deutschland durchsetzbar

Greenpeace-Banner am Tönnies-Fleischwerk Rheda-Wiedenbrück

Tönnies geht davon aus, dass die neuen Auflagen für den Arbeitsschutz und das Tierwohl die Veredlung um 80 Cent bis 1,30 Euro pro kg Fleisch teurer machen werden. „Wenn Minister glauben, das wäre nur marginal, irren sie sich gewaltig“, stellt Tönnies fest. Die notwendige Preiserhöhung hält er in Deutschland für durchsetzbar. Im Export werde die Verteuerung aber nicht zu erzielen sein.

Mit Bezug auf das gestern von der Bundesregierung beschlossene Verbot der Werkverträge und Leiharbeit in der Fleischindustrie kündigt der Unternehmenschef in der LZ an, bis Ende des Jahres alle Werkvertragsarbeiter in den Kernbereichen fest anzustellen. „Diskussionsbedarf“ sieht er allerdings beim geplanten Verbot von Untergesellschaften. Dadurch würde es unmöglich, auf Marktereignisse reagieren zu können.

Kritik an der Gründung von 15 Tochtergesellschaften

Das Unternehmen Tönnies war in den vergangenen Tagen massiv in die öffentliche Kritik geraten, weil der Schlachtkonzern Mitte Juli insgesamt 15 Tochtergesellschaften in das Handelsregister eintragen ließ. Kritiker befürchten, der Konzern wolle damit die geplanten neuen Auflagen für die Beschäftigung von Arbeitnehmern in der Fleischindustrie umgehen.

Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Elisabeth Fresen, sagte dazu: „Dieses Vorgehen zeigt abermals, dass es sich bei der Ankündigung von Clemens Tönnies, die Fleischbranche grundlegend umzugestalten, um ein reines Lippenbekenntnis handelt.“

Im Interview mit der LZ begründet der Firmeninhaber die Gründung der Tochtergesellschaften mit der Notwendigkeit, das geplante Engagement im Wohnungsbau und bei Personalgesellschaften strukturell abzubilden. Von einer Zerschlagung der Strukturen in der Fleischindustrie hält er nichts, weil das unter anderem zulasten der Landwirtschaft und des ländlichen Raums gehen würde. Nur hocheffiziente Betriebe wie Tönnies und andere könnten Strukturnachteile in der Primärproduktion im Wettbewerb ausgleichen.

„Wir wollen weiter einen guten Job machen“

Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück

Für den massenhaften Corona-Ausbruch unter den Beschäftigten in Rheda-Wiedenbrück weist Clemens Tönnies die Verantwortung von sich. Er kenne keinen Rechtsverstoß, der für den Ausbruch ursächlich gewesen wäre, so der Firmenchef. „Wir konnten beweisen, dass das Geschehen bei uns mit dem Werkvertragssystem überhaupt nichts zu tun hat“, sagte Tönnies der LZ. Die Ursache sei ein Phänomen in der Lüftung, das bisher niemand gekannt habe.

Bezogen auf die Kritik an seiner Person räumte Tönnies gegenüber der Lebensmittelzeitung ein, dass der Corona-Stress ihm „schon weh getan“ habe. Er habe viele Briefe bekommen, Zustimmung wie auch Negatives, bis hin zu Drohungen. Mit Blick auf das Jubiläumsjahr 2021 gab er sich jedoch kämpferisch und sagte: „Wir wollen weiter einen guten Job machen“.

Lesen Sie in unserem Top-Thema, wie Corona die Schlachtbranche unter Druck setzt.

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