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Corona-Krise und Fleischmarkt

Corona-Ausbruch: Fleisch-Verarbeiter in MV komplett geschlossen

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am Freitag, 30.10.2020 - 14:57 (Jetzt kommentieren)

In Vorpommern wurde heute der Fleischverarbeiter Blömer Fleisch geschlossen. Der Grund: Die Hälfte der Mitarbeiter hatte Corona.

Allerding gab es bis zu den Tests keine auffälligen Symptome, sagte der Geschäftsführer Christian Blömer. Nun wird der Betrieb zwei Wochen dicht gemacht. Das Hygienekonzept habe seit Beginn der Pandemie im März problemlos gegriffen, sagte Geschäftsführer Christian Blömer am Freitag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Wir können uns das nicht erklären.“

Nachdem ein Mitarbeiter am vergangenen Wochenende nach dem Auftreten von Symptomen positiv getestet wurde, sei die Produktion gedrosselt worden. Auffällige Beschäftigte oder solche mit direktem Kontakt seien nach Hause geschickt worden.

Am Mittwoch wurden dann alle 118 Mitarbeiter in der Produktion getestet. 57 Mitarbeitern waren infiziert. Nach Aussagen von Blömer habe keiner der Infizierten schwere Krankheitssymptome.

Ein Teil der Mitarbeiter kommt aus Osteuropa

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Nach Angaben des Landkreises war der zuerst betroffene Mitarbeiter nicht verreist und deshalb nicht durch das betriebseigene Screening getestet worden. Der Betrieb teste regulär alle Mitarbeiter nach Unterbrechungen der Arbeit durch Urlaub oder Reisen und isoliere diese bis zum Vorliegen eines negativen Testergebnisses vollständig vom Betrieb und den anderen Mitarbeitern, hieß es.

Wie viele Personen um Umfeld der positiv getesteten Beschäftigten leben, sei derzeit nicht abzuschätzen, sagte Blömer. Das Gesundheitsamt hatte für alle Haushaltsangehörigen der Kontaktpersonen Quarantäne ausgesprochen. Die Kinder und Jugendlichen dürften nicht mehr in die Schulen und Kitas.

Ein Teil der Mitarbeiter stamme aus osteuropäischen Ländern wie Polen oder Rumänien. Sie lebten in der Umgebung des Betriebes in Wohnungen und nicht in Wohnheimen oder Massenunterkünften, betonte Blömer. Sie seien teilweise schon seit Jahren im Unternehmen beschäftigt.

Größte Corona-Ausbruch in Mecklenburg-Vorpommern

Es ist der bisher größte Corona-Ausbruch in Mecklenburg-Vorpommern – und hat für einen gesamten Landkreis weitreichende Folgen. Doch wie es dazu kommen konnte, kann selbst der Chef des betroffenen Zerlegebetriebs nicht sagen: „Wir sind trotz aller Hygienemaßnahmen von dem Virus überrollt worden“, sagt Christian Blömer.

Erst Anfang Oktober hatten unabhängige Gutachter den Betrieb bei Grimmen getestet: „Wir haben die Prüfungen der DQS-Gruppe auf höchstem Niveau bestanden“, sagt Blömer, „Unser Betrieb ist einer der modernsten in ganz Deutschland, erfüllt allerhöchste Hygienestandards.“ Umso unerklärlicher sei für ihn, wie sich das Virus so schnell verbreiten konnte.

„Alle Mitarbeiter müssen täglich zum Fiebermessen“, sagt. Regelmäßig muss die Belegschaft zum Corona-Test. Blömer arbeitet dafür mit dem Rostocker Unternehmen Bioserv zusammen. Nach freien Tagen oder Urlauben beispielsweise wird jeder Beschäftigte getestet – und darf erst arbeiten oder Kontakt zu Kollegen haben, wenn das negative Ergebnis vorliegt

Weitreichende Folgen im gesamten Landkreis

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Der Landkreis Vorpommern-Rügen bescheinigt dem Betrieb, alle Vorgaben eingehalten zu haben. Das jedenfalls sagte Sprecherin Stefanie Skock. Eine Schließung des Betriebes hat das Landratsamt nicht verfügt – aber Firmenchef Blömer selbst: „Wir stellen die Produktion für zwei Wochen ein. Die Gesundheit der Mitarbeiter und auch der Menschen in der Region hat oberste Priorität.“

Der Ausbruch hat weitreichende Folgen für den gesamten Landkreis: „Wir gehen davon aus, dass wir durch diese vielen neuen Fälle auch die Inzidenz von 50 erreichen und zum Risikogebiet werden“, sagt Kreissprecherin Skock. Der Krisenstab berate noch am Freitag, welche Maßnahmen dann ergriffen werden. Als sicher gilt aber, dass dann auch im gesamten Kreisgebiet schon am Wochenende eine Sperrstunde in der Gastronomie gilt. Zudem wird eine erweiterte Maskenpflicht eingeführt – zum Beispiel auf Wochenmärkten.

Für alle Kontaktpersonen der Infizierten aus dem Fleischwerk hat der Landkreis eine Quarantäne angeordnet. Die Kinder durften schon am Freitag nicht mehr in die Schule oder die Kita. Zudem sind weitere Tests geplant: „Ich gehe davon aus, dass wir auf dem Betriebsgelände ein mobiles Testzentrum einrichten werden“, so Stefanie Skock.

Mit Material von ostseezeitung, ostseewelle

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