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Sofortprogramm von Tönnies

Corona-Maßnahmen: Tönnies fertigt Tierwohldebatte gleich mit ab

Schweinehälften
am Dienstag, 21.07.2020 - 14:59 (Jetzt kommentieren)

Zur Bekämpfung des Coronavirus in ihren Schlachtbetrieben hat die Unternehmensgruppe Tönnies ein Sofortprogramm veröffentlicht. Darin geht es nicht nur um die Vorbeugung weiterer Corona-Infektionen unter den Beschäftigten – auch Tönnies‘ Einfluss auf die Tierhaltung wurde in das Programm aufgenommen.

Neben der „erweiterten Pandemieprävention“ umfasst der Titel des Sofortprogramms auch die „Veränderung der Bereiche Arbeit, Wohnen und Tierhaltung“. Insgesamt besteht das Sofortprogramm von Tönnies aus 25 Punkten, die sich in den Bereichen Pandemieprävention, Lüftungstechnik, Arbeit, Wohnen und Tierhaltung wiederfinden.

Mehr Tierwohl nur auf dem Bauern-, nicht auf dem Schlachthof

Im Kapitel zur Tierhaltung schildert das Unternehmen seine bereits geltenden Tierschutzmaßnahmen für Schweine- und Rinderschlachtungen. Dort heißt es beispielsweise, dass die Schweine „zu 80 % aus einem Umkreis von 100 km vom Schlachthof“ stammen, die Schlachtabläufe über Videosysteme überwacht werden und die Schweineschlachtbetriebe mit modernen CO2-Betäubungsanlagen arbeiten.

Eine Verbesserung des Tierwohls sieht das Sofortprogramm hauptsächlich für die Haltung der Tiere in den landwirtschaftlichen Betrieben vor. So spricht sich Tönnies für die Vorschläge der Borchert-Kommission und eine Tierwohlabgabe aus, um „eine zukunftsfähige Nutztierhaltung aufzubauen“.

Darüber hinaus verkündet das Unternehmen im Programm sein Ziel, das Grundsortiment an Schweinefleisch im deutschen Lebensmittelhandel auf die Haltungsform 2 („Stallhaltung plus“) anzuheben.

Ställe: Freilauf, Offenfront und Außenklima

Weiterhin beteilige sich Tönnies an einem Modellprojekt zur freien Gruppenhaltung von Sauen, heißt es im Programm. Das Projekt untersuche eine Sauenhaltung mit Freilauf und Gruppensäugen.

Unterstützt werde auch der Bau von Offenfrontställen. In diesem Zusammenhang kündigt Tönnies an, sein Angebot für Schweinefleisch von Tieren aus Haltungsform 3 („Außenklima“) auf 3.000 Tiere pro Woche auszuweiten.

Die einzige für die Schlachtbetriebe vorgesehene Maßnahme ist ein automatisches Feststellen der Wahrnehmungslosigkeit nach dem Entbluten. Bis Ende 2022 soll es laut Sofortprogramm für Schweine eine angepasste CO2-Betäubung und für Rinder eine automatische Lokalisation für den Bolzenschuss geben.

Übernahme in direktes Beschäftigungsverhältnis

1.000 Werkarbeiter werden im Rahmen eines Pilotprojektes zum 30. September 2020 fest in der Zentrale in Rheda-Wiedenbrück eingestellt. Danach plant das Sofortprogramm die Übernahme aller Mitarbeiter aus den Bereichen Schlachtung und Zerlegung an allen Standorten in den nächsten sechs Monaten.

Wohnraum und moderne Lüftungstechnik für Tönnies-Mitarbeiter

Für die Unterbringung ihrer Beschäftigten will Tönnies eine Wohnraumbewirtschaftungsgesellschaft gründen. Diese soll mit Werkarbeitern, die in Gemeinschaftsunterkünften wohnen, Mietverträge abschließen. Im von der Gesellschaft verwalteten Wohnraum soll eine wöchentliche Grundreinigung vorgenommen werden, teilt Tönnies im Sofortprogramm mit.
Zusätzlich sollen in den Gemeinschaftsunterkünften Wohnraumkontrollen durchgeführt werden, um die Hygienevorschriften sicherzustellen.

Außerdem plant das Unternehmen, zunächst am Standort in Rheda-Wiedenbrück bis zum 1. September 400 Wohnplätze für seine Mitarbeiter anzumieten. Hinzu kommen 1.500 Wohneinheiten, die in schon vorhandenen und noch zu errichtenden Gebäuden dem Personal zur Verfügung gestellt werden sollen.

Der erhöhten Ansteckungsgefahr in der zirkulierenden Luft des Zerlegungsbereichs soll durch sogenannte HEPA-Filtrationsgeräte vorgebeugt werden. Im Programm wird erläutert, dass die Geräte über ein spezielles Filter- und Reinigungssystem verfügen und die klimatischen Anforderungen in den Produktionsräumen und Kantinen erfüllen.

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