Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Agrar- und Rohstoffhandel

Corona-Virus: Epidemie bedroht Handel und Agrarmärkte

Cornavirus
am Montag, 27.01.2020 - 11:49 (Jetzt kommentieren)

Die globalen Aktien- und Rohstoffmärkte regierten heftig auf den Ausbruch und die rasante Verbreitung des Corona-Virus in China und weltweit.

Trotz drastischer Schutzmaßnahmen nach dem Ausbruch der neuen Lungenkrankheit in China gibt es immer mehr Todesfälle. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg inzwischen auf 80, wie die Nationale Gesundheitskommission am Sonntag bekanntgab. Die Bewohner der Provinz Hubei, aus der die Krankheit kommt, durften nicht nach Hongkong einreisen, um die rasche Ausbreitung des Ausbruchs zu verhindern.

Insgesamt haben sich bisher knapp 3.000 Menschen in China mit dem Coronavirus infiziert, der eine neuartige Lungenkrankheit auslöst. Weltweit kommen rund 30 bestätigte Infektionsfälle hinzu – darunter drei europäische Fälle in Frankreich. Nachdem in den vergangenen Tagen weitere Infektionen in den Vereinigten Staaten, Australien, Japan, Südkorea, Thailand, Vietnam, Singapur und Taiwan bestätigt wurden, planen mehrere Staaten, ihre Bürger aus der Stadt Wuhan zu holen.

China kündigte an, sein einwöchiges Neujahrsfest um weitere drei Tage zu verlängern, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Die chinesiche Regierung stoppte zudem Auslandsreisen, und in Wuhan sowie einigen anderen Städte wurde der öffentliche Nahverkehr unterbrochen. Viele Millionen Menschen waren gezwungen, dort zu bleiben, wo sie sich gerade aufhielten.

Agrarmärkte rutschen in die roten Zahlen

Coronavirus

Chicago-Weizen fiel im vorbörslichen Handel in der Nacht zu Montag um fast 2 % auf den schwächsten Wert seit mehr als einer Woche, während US-Mais vorbörslich um 1% nachgab. Sojabohnen fielen auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Wochen. An den Agrarmärkten hat die wachsende Besorgnis über die Ausbreitung des Corona-Virus in China und dessen mögliche wirtschaftliche Folgen eine Verkaufswelle und einen Preisrutsch auf breiter Basis ausgelöst.

"Der Ausbruch ist ziemlich schwerwiegend, er drückt die Aktien- und Rohstoffmärkte, einschließlich der Agrarprodukte, nach unten", sagte Ole Houe, Analyst bei IKON Commodities. "Das Virus kann sich viel schneller verbreiten, als irgendjemand denkt, da gerade Chinesisches Neujahr ist und sehr viele Menschen auf Reisen sind." Es wird auch erwartet, dass das Virus die möglichen Exporte von US-Agrarprodukten nach China, dem weltweit größten Importeur von Sojabohnen und anderen landwirtschaftlichen Produkten, bremst. 

Erst vor kurzem hatten China und die USA den Abbau der Handelsspannungen vereinbart. Händler und Farmer warteten bisher jedoch vergebens auf Anzeichen für einen verstärkten chinesischen Kauf von US-Agrarprodukten, nachdem sich Peking verpflichtet hatte, die Importe erheblich zu steigern. Das Abkommen soll die Spannungen nach fast zweijährigem Kampf um faire Handelsbedingungen abbauen.

Diese Entwicklung wird durch den Ausbruch der Lungenkrankheit in China nun in Frage gestellt und das könnte den Druck auf die Agrarpreise kräftig erhöhen. Zumal in Brasilien derzeit eine sehr große Soja- und Maisernte heranwächst und den Markt zusätzlich belasten könnte.

Wirtschaft und Börsen unter Schock

Coronavirus

Das Virus kann Lungenentzündung und andere schwere Symptome der Atemwege verursachen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich bisher zurückgehalten, die Situation als globalen Notfall zu deklarieren. Das würde zwar mehr Geld und Ressourcen zur Bekämpfung bringen, könnte aber gleichzeitig wirtschaftlich schädliche Handels- und Reisebeschränkungen auslösen. Abgesehen von den möglichen Auswirkungen auf den Tourismus, "könnte der wirtschaftliche Schock für Chinas Industrie- und Agrarmärkte durch die zunehmenden Handels- und Finanzverflechtungen im Zusammenhang mit der Globalisierung schnell auf andere Länder auswirken", befürchten Analysten.

Die große Verunsicherung über die Folgen der Epidemie lösten so einen Kursrutsch an allen Aktien und Rohstoffmärkte aus. Viele asiatische Märkte, einschließlich Chinas, sind wegen der Neujahrsfeiertage derzeit geschlossen. Australien war wegen Australia Day geschlossen. Tokios Nikkei 225 Index sank am Montag um 2 %. Indiens Sensex verlor 0,4 %, während die Benchmark in Thailand 2,9 % verlor. Der indonesische Aktienindex war um 1,4% niedriger. Bereits Freitag hatte der S & P 500 Index den schlechtesten Tag seit Anfang Oktober und fiel um 0,9 %.

Der Ausverkauf in den USA folgte der Nachricht, dass eine Frau aus Chicago die zweite US-Bürgerin war, bei der das neue Virus aus China diagnostiziert wurde. Das US-Rohöl WTI gab im elektronischen Handel in New York nochmals um 1,13 USD auf 53,06 USD pro Barrel nach. Brent-Rohöl ging über Nacht um 1,23 USD auf 58,66 USD pro Barrel zurück.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...