Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

DBV fordert Deutschland-Bonus für heimische Lebensmittel

Obst und Gemüse in einem Supermarkt
am Mittwoch, 09.12.2020 - 13:05 (1 Kommentar)

Der Deutsche Bauernverband (DBV) und seine Landesverbände haben Eckpunkte für die künftige Zusammenarbeit mit dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) formuliert. Kern ist ein Bonus für die heimische Landwirtschaft und höhere Nachhaltigkeitsstandards.

Joachim Rukwied, DBV-Präsident

Das Forderungspapier richtet sich an die vier großen Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (Aldi, Lidl, Rewe, Edeka). Ziel ist eine grundlegende, dauerhafte Verbesserung der Beziehungen zwischen Handel und der deutschen Landwirtschaft. Dafür waren die Landwirte in den vergangenen Wochen immer wieder auf die Straße gegangen und haben Zentrallager des Handels vorübergehend friedlich blockiert.

„Die mangelnde Wertschätzung der Arbeit der deutschen Bauern seitens des LEH muss endlich ein Ende haben“, sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied anlässlich der Veröffentlichung des Forderungspapiers. “Wir brauchen einen Deutschland-Bonus für Lebensmittel, die aus unserer heimischen Landwirtschaft kommen und in der Regel mit deutlich höheren Standards erzeugt wurden als Produkte aus dem Ausland", so Rukwied weiter.

Handel soll Dauerniedrigpreiskultur aufgeben

Das sind die Eckpunkte des Forderungspapiers:

  • Der Lebensmitteleinzelhandel soll die heimische Landwirtschaft in der Einkaufspolitik fördern. Das soll über einen Deutschland-Bonus erfolgen, der vollständig an die Landwirte gehen soll.
  • Der Handels soll sich verpflichten, seine „Dauerniedrigpreiskultur“ aufzugeben. Dabei soll ein gemeinsamer Verhaltenskodex helfen.
  • Höhere Qualitäts- und Erzeugungsstandards sollen verlässlich und voll bezahlt werden. Als Beispiele nennt der DBV höhere Tierwohl- und Nachhaltigkeitsanforderungen oder besondere Anforderungen an den Pflanzenschutz.
  • Die Marktpartner sollen langfristige und verlässliche Liefer- und Vertragsbeziehungen aufbauen.

Der Bauernverband betonte, Landwirte seien bereit, in höhere Standards und Anforderungen ihrer Abnehmer zu investieren. Voraussetzung sei eine volle Honorierung höherer Erzeugungskosten.

DBV: Aktive Zerschlagung von Nachfragemacht in Betracht ziehen

Der Bauernverband erhebt auch eine Reihe von Forderungen an die Politik. Sie soll die gesetzlichen Rahmenbedingungen neu justieren.

  • Das Kartellrecht muss nach Auffassung des DBV stärker auf den Schutz von Erzeugern und Zulieferern ausgerichtet werden. Auch aktive Maßnahmen zur Dekonzentration von Nachfragemacht müssten in Betracht gezogen werden.
  • Die Möglichkeiten für Landwirte, sich in Verarbeitungs- und Vermarktungsorganisationen zusammenzuschließen, sollen erweitert werden. Das Kartell- und Wettbewerbsrecht dürfe nicht länger Landwirte und deren Vermarkter daran hindern, Gegengewichte zum Handel zu bilden.
  • Durch eine flächendeckende Herkunftskennzeichnung soll am Lebensmittelmarkt Transparenz hergestellt werden.
  • Die „graue Liste“ der EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP) müsse grundsätzlich als unzulässige Handelspraxis eingeordnet werden. Der Schutz vor unlauteren Handelspraktiken soll unabhängig von der Größe der jeweiligen Akteure gelten. Derzeit sieht die Richtlinie eine Anwendung nur bei Lieferanten mit weniger als 350 Mio. Euro Jahresumsatz vor.
  • Neue Pflichten und Auflagen für landwirtschaftliche Unternehmen sollen einer Folgenabschätzung unterzogen werden.

Am kommenden Freitag wollen Vertreter der Landwirtschaft mit Repräsentanten der vier großen Lebensmitteleinzelhandelskonzerne über die Lieferbeziehungen und Preispolitik sprechen.

Kommentar

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...