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Ekosem Agrar bestätigt Gespräche mit Investoren

Ekosem Agrar Milchviehanlage in Woronesch
am Donnerstag, 29.07.2021 - 12:45 (3 Kommentare)

Stefan Dürr sucht für seine Ekosem Agrar-Gruppe nach neuen Investoren mit frischem Eigenkapital. Das hat das Unternehmen bestätigt. Zugleich hofft der Gründer auf eine Einigung im Streit mit der russischen Rosselkhozbank.

Ekosem Agrar Stefan Duerr

Die Ekosem Agrar-Gruppe befindet sich „seit geraumer Zeit in Gesprächen mit möglichen Eigenkapitalinvestoren“. Das hat eine Sprecherin der Holding gegenüber agrarheute bestätigt.

Dabei ist Stefan Dürr, der Gründer von Russlands größtem Milchviehbetrieb, offenbar auch bereit, die Mehrheit an dem von ihm aufgebauten Unternehmen aus der Hand zu geben. Das primäre Interesse liege darin, die Gruppe in der jetzigen Struktur weiterzuführen und allen Verpflichtungen nachzukommen, teilte die Agrarholding mit. Die Gesellschafter, zu denen neben Stefan Dürr auch Mitglieder des Aufsichtsrats und enge, langjährige Mitarbeiter zählen, seien „bestrebt“, die Mehrheit am Unternehmen zu behalten, teilte eine Sprecherin mit. Die Formulierung lässt offen, ob es wirklich so kommen wird.

Angaben zur Identität der potenziellen Investoren machte das Unternehmen nicht. Die Gespräche seien vertraulich, hieß es.

Geteilte Ansichten über die Finanzlage der Ekosem-Gruppe

Anfang dieser Woche hatte die Ekosem Agrar AG bekannt gegeben, mit der russischen Landwirtschaftsbank Rosselkhozbank (RSHB) in Gesprächen über eine Mehrheitsbeteiligung zu stehen. Anlass seien „unterschiedliche Ansichten hinsichtlich der optimalen Finanzierungsstruktur“.

An die Bank will Dürr aber offensichtlich nicht verkaufen. Gerichtlich hat er zumindest vorläufig verhindern können, dass die RSHB ihre Call-Optionen auf Unternehmensanteile ausüben kann. Die Call-Optionen sind unter anderem an die Gesamtverschuldung der Gruppe und die Relation der Schulden zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) gebunden. Durch den vorläufigen Rechtschutz will der aus Baden-Württemberg stammende Landwirt Zeit gewinnen, um mit der Rosselkhozbank eine Einigung zu erzielen.

Anleihe muss kommende Woche verzinst werden

Zwei Anleihen der Agrarholding waren nach Bekanntgabe der Bankengespräche zu Wochenbeginn deutlich abgestürzt auf ein Tief von 72 Prozent des Nennwertes. Heute notieren die Anleihen bei 86 Prozent beziehungsweise rund 89 Prozent. Anfang August ist auf eine der beiden Anleihen (ISIN: DE000A2YNR08) ein Zinskupon fällig.

Auf Anfrage unterstrich eine Unternehmenssprecherin, die Ekosem Agrar AG sei bisher immer ihren Zahlungsverpflichtungen aus der Anleihe nachgekommen und „wir gehen derzeit davon aus, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird.“

Mehr als 2.000 Mitarbeiter entlassen

Seit dem vergangenen Sommer arbeitet die riesige Agrarholding mit über 110.000 Milchkühen und 630.000 Hektar Agrarfläche an einem Kostensenkungsprogramm. Nach umfangreichen Investitionen in den Jahren 2017 bis 2020 liege der Fokus derzeit auf einer weiteren Effizienzsteigerung, teilte das Unternehmen mit.

Vor allem im Baubereich wird daher Personal abgebaut. Dort werden durch die verlangsamte Expansion weniger Mitarbeiter für den Bau neuer Milchviehanlagen benötigt. Seit einem Höchststand von rund 14.050 Mitarbeitern im Juni 2020 wurden etwa 2.020 Mitarbeiter entlassen.

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