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Agrarchemie und Energiepreise

Energiekrise: Agrarchemie und Düngerindustrie schlagen Alarm

chemiefabrik.
am Montag, 04.10.2021 - 12:11 (1 Kommentar)

In der Agrarchemie und der Düngerindustrie drohen massive Produktionsausfälle und Werksschließungen.

BASF.

Ursache sind die explodierenden Energiepreise, die den Unternehmen keine kostendeckende Produktion mehr ermöglichen. So hatte der Chemieriese BASF in der vorigen Woche die Düngerproduktion in seinen Werken in Ludwigshafen und Antwerpen runtergefahren. Nun denkt offenbar auch der Düngemittelhersteller SKW Piesteritz über die Kürzung der Produktion nach. „Die Gasversorgung der Bürger und der Industrie Europas muss wieder auf ein stabiles, bezahlbares Fundament gestellt werden“, sagte SKW-Geschäftsführer Petr Cingr. Andernfalls drohe ein Produktionsstopp.

Der energiepolitische Sprecher des Verbands der Chemischen Industrie e.V., Landesverband Nordost Dr. Christof Günther, sagte zu den dramatischen Entwicklungen an den Energiemärkten: „Die Preisexplosion an den Energiemärkten nimmt dramatische Ausmaße an. Insbesondere das mittlerweile erreichte Niveau der Erdgaspreise droht für unsere Betriebe zur Existenzfrage zu werden. In unserem Verbandsgebiet stehen Unternehmen bereits kurz davor, die Notbremse zu ziehen und Anlagen herunterzufahren.

"Diese Entwicklung muss ein Weckruf an die Politik sein. Wenn sich die Energiepreise vervielfachen, dann ist das kein Betriebsrisiko, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Deutschland ist trauriger Spitzenreiter in der EU, was die zusätzliche Belastung der Energiekosten durch Steuern und Abgaben angeht", sagt Günter. Hier muss nach Auffassung des Verbandes politisch angesetzt und für die dringend nötige Entlastung gesorgt werden.

Ammoniak- und Düngerproduktion nicht mehr „sinnvoll“

Chemiewerk.

„Der Transformationsprozess hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft wird hohe Investitionskosten verursachen“, sagt Günter außerdem. Wenn die Strompreise weiter aus dem Ruder laufen, sind diese Investitionen in Gefahr. Gleichzeitig droht aus den hohen Strompreisen eine Rückbesinnung zur Kohle zu werden. Eine solche Rolle rückwärts ist für das Klima nicht wünschenswert. „Die Politik ist aufgefordert, sich schnell zu sortieren und sich in der Geopolitik nicht weiter wegzuducken“, heißt es in der Erklärung des Verbandes.

Eine betriebswirtschaftlich vernünftige Erzeugung von Ammoniak  - als Grundstoff für die Düngerherstellung - sei derzeit kaum noch möglich, teilte auch der Industrieverband Agrar am vorigen Freitag mit. Bei der Herstellung von Ammoniak und Stickstoffdüngemitteln ist Erdgas sowohl als Rohstoff wie als Energiequelle von entscheidender Bedeutung, heißt es dort. Und die rekordhohen Erdgaspreise stellen die Düngemittel-Industrie vor große Herausforderungen.

Dazu gehören auch die stark gestiegenen Preisen für CO2-Zertifikate bzw. so genannten Verschmutzungsrechten im Emissionshandel. Diese sind wegen des schrumpfenden Angebots an fossilen Energieträgern und der gleichzeitig steigenden Nachfrage im Jahresverlauf von zunächst 23 auf jetzt 63 Euro je Tonne fast verdreifacht. Eine betriebswirtschaftlich vernünftige Erzeugung von Ammoniak und Stickstoff-Dünger ist derzeit kaum noch möglich.

Die hohen Kostensteigerungen lassen sich im Grund nicht an die Endkunden (also die Landwirte) weitergegeben werden, stellt der IVA fest. Die Folge ist: Immer mehr  Produktionskürzungen und Werkschließungen bei Ammoniak  und der Düngeherstellung im In- und Ausland. Die im Industrieverband Agrar e. V. (IVA) und Fertilizers Europe organisierte Düngemittel-Industrie appelliert an die Bundesregierung und die EU-Kommission, eine ausreichende Versorgung mit bezahlbarem Erdgas mit hoher Priorität sicherzustellen.

Bundesrechnungshof hat Krise kommen sehen

Dünger.

Der Bundesrechnungshof hatte bereits Ende April in einem Gutachten die Ergebnisse der Energiewende der Bundesregierung scharf kritisiert: Zu teuer und außerdem ist die Versorgungsicherheit ist gefährdet. Bereits 2016 und 2018 hatte sich der Bundesrechnungshof mit ebenfalls dem Thema befasst: Damals kamen man zu dem Ergebnis, dass „die Energiewende unzureichend koordiniert und mangelhaft gesteuert wird. Und dass der enorme Aufwand und die großen Belastungen für Bürger und Wirtschaft in einem Missverhältnis zu dem bis dahin dürftigen Ertrag standen“.

Deshalb hatte sich der Bundesrechnungshof nach drei Jahren erneut mit der Umsetzung der Energiewende befasst. Doch das Ergebnis war nicht viel besser: „Ein hoher Aufwand verbunden mit erheblichen Ausgaben und Kosten ist weiterhin ein Kernelement der Energiewende.“

Das Ergebnis der Untersuchung ist „ernüchternd“ stellt der Bundesrechnungshof in seinem Monitoring-Bericht vor wenigen Monaten fest. Kernpunkt der Kritik ist, das „eine zuverlässige und preisgünstige Versorgung von privaten Haushalten und Wirtschaft mit Strom ist zunehmend fraglich“ ist.

Hinzu kommt: Die sichere Versorgung unterliegt Risiken, die die Bundesregierung nicht vollständig im Blick hat. Denn: Bei der Versorgungssicherheit ist das Monitoring lückenhaft; und „die Bezahlbarkeit“ ist noch immer nicht messbar bestimmt. Das Resultat ist: Das gefährdet die an sich notwendige Energiewende, ihre Akzeptanz und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

Düngerpreise doppelt so hoch wie im Vorjahr

düngerpreise.

Die Düngerpreise befinden sich derzeit wegen der explodierenden Kosten und wegen des knappen Angebots jedenfalls derzeit auf einem Allzeithoch. Anfang Oktober kostet der wichtigste Stickstoffdünger für die deutschen Landwirte, nämlich Kalkammonsalpeter an den deutschen Importhäfen 400 Euro je Tonne, das sind mehr als doppelt so hohe Preise wie einem Jahr.

Der Flüssigdünger Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung (AHL) wird für 320 Euro verladen. Auch bei AHL ist das gegenüber dem Vorjahr eine Verdoppelung. Für Harnstoff werden Preise an den Importhäfen von den Abnehmern Anfang Oktober 600 Euro je Tonne verlangt. Das ist ebenfalls mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr.

Auch für die anderen wichtigen Mineraldünger schießend die Preise durch die Decke. So kostet Diammoniumphosphat (DAP) die Einkäufer diese Woche rund 630 Euro je Tonne und für Kornkali muss man knapp 315 Euro je Tonne auf den Tisch blättern.

Kommentar

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