Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

+++ Aktualisiert: 10:30 Uhr +++

Erneut blockieren Landwirte mehrere Zentrallager von Discountern

Landwirte blockieren in einer Protestaktion die Zufahrt zum Aldi-Zentrallager.
am Dienstag, 08.12.2020 - 08:38 (Jetzt kommentieren)

Hunderte Landwirte haben mit ihren Traktoren in der Nacht zum Dienstag in mehreren Bundesländern die Zentrallager von Discountern blockiert. Der Verband des Lebensmitteleinzelhandels will jetzt mit LSV Deutschland sprechen.

In Niedersachsen meldete die Polizei in den frühen Morgenstunden an mindestens acht Standorten über das Bundesland verteilt Blockadeaktionen mit teils bis zu 200 Treckern. Zeitweise waren Zu- und Ausfahrten für den Lieferverkehr nicht mehr passierbar.

Auch im nordrhein-westfälischen Greven standen etwa 50 Traktoren vor einem Zentrallager.

In Montabaur in Rheinland-Pfalz wurde eine Blockade mit über einem Dutzend Traktoren bekannt.

LSV Deutschland fordert Lebensmitteleinzelhandel zum Dialog auf

In den sozialen Medien verbreiten sich unterschiedliche Angaben, wer die Aktionen organisiert hat. Die Initiative Land schafft Verbindung Deutschland (LSV Deutschland) will die Blockaden nach eigenen Angaben nicht zentral koordiniert haben. Es handele sich um regionale Gruppen von Landwirten, die unterschiedlich organisiert seien, heißt es bei LSV Deutschland.

Gestern hatte die Initiative den Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH)  in einem Schreiben an BVLH-Geschäftsführer Franz-Martin Rausch zu einer Gesprächsrunde mit neutraler Moderation aufgefordert. Der LSV ruft den Handel zu einer sofortigen Anpassung der Preise auf. „Am Ende der Preiskalkulation müssen 30 % Mehrerlös der Erzeugerpreise bei den produzierenden landwirtschaftlichen Betrieben ankommen“, heißt es in dem Schreiben, das agrarheute vorliegt.

Darüber will LSV Deutschland mit dem Handel sprechen

Die Gesprächsrunde soll sich im Wesentlichen mit diesen Themen befassen:

  • den Vertragsstrukturen der Herkunftskennzeichnung bzw. der Rückverfolgbarkeit der Produkte,
  • Bezahlung und Anerkennung von hohen Produktionsbedingungen,
  • den Beziehungen zwischen Bauern und Verarbeitung sowie
  • der Preisabsicherung.

Ziel muss aus Sicht von LSV Deutschland eine nachhaltige Verbesserung der Erlöse für landwirtschaftliche Produkte sein, „damit die deutsche regionale Landwirtschaft auch mit Perspektive in der Zukunft ausgeübt werden kann“.

Der BVLH ist nach eigenen Angaben zu einem Gespräch mit Land schafft Verbindung Deutschland bereit. Wie ein Sprecher des Verbandes heute gegenüber agrarheute auf Anfrage mitteilte, soll es kurzfristig einen Dialog geben. Ein entsprechendes Schreiben sei an den Vorstand der Bauerninitiative versandt worden.

Aldi bietet in dieser Woche Gespräche an

Laut einem anderen Schreiben, das die "Basis+Bauern-Bewegung" auf Facebook gepostet hat, wollen Aldi Nord und Aldi Süd noch Ende dieser Woche mit Vertretern von LSV und einer Gruppe von Landwirten um Burckhardt Berg aus Padeborn/Dellbrück Gespräche führen. Der Brief trägt das Datum von heute (8.12.2020) und ist von Markus Dicker unterzeichnet, dem Bevollmächtigten des Aldi-Verwaltungsrates.

Mit Material von dpa
Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe Januar 2021
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
cover_agrarheute_magazin.jpg

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...