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Agrarchemie

EU-Kommission: Bayer darf Monsanto übernehmen - unter Auflagen

Logos von Bayer und Monsanto
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
21.03.2018

Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme von Monsanto durch Bayer am Mittwoch unter Auflagen freigegeben.

Die Auflagen der Europäischen Kommission umfassen nach Angaben von Bayer insbesondere den Verkauf verschiedener Geschäfte der Leverkusener, darunter

  • das weltweite Saatgutgeschäft mit Feldkulturen wie Raps, Baumwolle und Soja (mit minimalen, auf den asiatischen Raum beschränkten Ausnahmen),
  • die Forschungsplattform für Weizen-Hybride,
  • das weltweite Gemüsesaatgutgeschäft,
  • das weltweite Geschäft mit Glufosinat-Ammonium
  • sowie bestimmte Glyphosat-basierte Herbizide in Europa, die im Wesentlichen im industriellen Bereich eingesetzt werden.

Zudem ist das weltweite Geschäft von Monsanto mit dem neuartigen Nematizid "NemaStrike" abzugeben. Hinzu kommen die Übertragung dreier Forschungsvorhaben von Bayer im Bereich der Totalherbizide sowie die Einräumung einer Lizenz über das Digital-Farming-Portfolio von Bayer. Als Erwerber dieser Vermögenswerte ist BASF vorgesehen.

Vestager sieht den Wettbewerb gesichert

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, die die Entscheidung heute in Brüssel bekannt gab, beziffert den Wert der Verkaufszusagen auf rund 6 Mrd. Euro. Dadurch werde gewährleistet, dass auf den Märkten für Saatgut, Pflanzenschutzmittel und digitale Landwirtschaft auch nach dem Zusammenschluss wirksamer Produkt- und Innovationswettbewerb herrsche, sagte Vestager.

Insbesondere werde sich die Zahl der weltweit tätigen Unternehmen, die auf diesen Märkten miteinander im Wettbewerb stünden, infolge des Zusammenschlusses nicht verringern. Nur reger Wettbewerb könne dafür sorgen, dass die Landwirte zu erschwinglichen Preisen verschiedene Saatgutsorten und Pflanzenschutzmittel kaufen könnten.

Ohne die Zusage, bedeutende Geschäftsteile abzustoßen, hätte der Zusammenschluss nach Einschätzung der EU-Kommission zu einer erheblichen Beschränkung des Preis- und Innovationswettbewerbs auf verschiedenen europäischen und weltweiten Märkten geführt.

Bayer-Chef Baumann spricht von großem Erfolg

"Die Genehmigung der Europäischen Kommission ist ein großer Erfolg und ein bedeutender Meilenstein", erklärte der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann.

Insgesamt liegt mittlerweile deutlich mehr als die Hälfte von rund 30 behördlichen Freigaben für die Transaktion vor, unter anderem auch aus Brasilien und China.

Übernahme soll im zweiten Quartal stehen

Die Transaktion unterliegt weiterhin üblichen Vollzugsbedingungen, einschließlich weiterer notwendiger behördlicher Freigaben.

Bayer und Monsanto arbeiten eng mit den Behörden - darunter auch dem US-Justizministerium - zusammen. Das Ministerium in Washington hatte laut Medienberichten erst kürzlich Bedenken gegen die Übernahme geäußert und weitere Teilverkäufe gefordert.

Bayer hält dennoch am Ziel fest, die Transaktion im 2. Quartal 2018 abzuschließen.

Bayer wird die neue Nummer Eins

Der Leverkusener Konzern will den US-Konkurrenten Monsanto für etwa 62,5 Milliarden US-Dollar (etwa 51 Milliarden Euro) übernehmen. Bayer würde damit zum größten Saatgut- und Pflanzenschutzkonzern der Welt aufsteigen.

Bayer macht gut ein Viertel seines Umsatzes in seiner Agrarchemie-Sparte, 2017 kam der Konzern hier auf Erlöse von 9,6 Milliarden Euro, dies vor allem mit Pflanzenschutzmitteln. Das Geschäft schwächelte zuletzt, die Nachfrage im wichtigen brasilianischen Markt brach ein.

Der US-Konzern Monsanto aus Saint Louis im Bundesstaat Missouri kam mit seinen 20 000
Mitarbeitern zuletzt auf einen Jahresumsatz von 14,6 Milliarden Dollar (11,8 Milliarden Euro) - hauptsächlich mit Saatgut.

Mit Material von dpa

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Bayer und Monsanto
Dow Chemical und Dupont
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