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Agribusiness

EU-Kommission hat Bedenken gegen Bayer-Monsanto-Deal

Logos von Bayer und Monsanto
Norbert Lehmann, agrarmanager
am
23.08.2017

Die EU-Kommission hat wettbewerbsrechtliche Bedenken gegen die geplante Übernahme von Monsanto durch Bayer. Darum leitete sie jetzt eine weitergehende Prüfung nach der EU-Fusionskontrollverordnung ein.

Die Kommission äußerte heute ihre Besorgnis, dass der Zusammenschluss der Konzerne Monsanto und Bayer den Wettbewerb auf den Märkten für Pflanzenschutzmittel, Saatgut und Gentechnik-Konstrukte beeinträchtigen könnte.

Die geplante Übernahme von Monsanto durch Bayer würde das weltweit größte integrierte Pflanzenschutz- und Saatgut-Unternehmen schaffen. Dadurch kämen zwei Wettbewerber mit führenden Portfolios bei Totalherbiziden, Saatgut und agronomischen Merkmalen sowie in der digitalen Landwirtschaft zusammen.

Bedenken der Kommission zur Monsantoübernahme

Die Kommission hat vorläufige Bedenken dahingehend, dass die geplante Übernahme den Wettbewerb auf einer Reihe unterschiedlicher Märkte einschränken könnte, was zu höheren Preisen, einer geringeren Qualität, weniger Auswahl und geringerer Innovation führen würde.

Eine erste Marktuntersuchung führte zu vorläufigen Bedenken in folgenden drei Bereichen:

  1. Pflanzenschutz: Das von Monsanto vertriebene Glyphosat ist das in Europa am meisten verkaufte Totalherbizid. Bayer stellt Glufosinatammonium her, ebenfalls ein Totalherbizid und eine der wenigen Alternativen zu Glyphosat. Darüber hinaus wird die Kommission sowohl die Tätigkeiten von Monsanto im Bereich biologischer Pestizide prüfen, die in Konkurrenz zu den Bayer-Produkten auf dem Gebiet chemischer Pestizide stehen würden. Auch wird sie die überschneidenden Tätigkeiten der beiden Unternehmen bei Produkten zur Bekämpfung der Varroamilbe weiter analysieren. 
  2. Saatgut: Sowohl Bayer als auch Monsanto entwickeln Gemüsesaatgut. Die erste Untersuchung der Kommission hat ergeben, dass die beteiligten Unternehmen gemeinsam über hohe Marktanteile bei einer Reihe von Gemüsesaatgut verfügen und einige ihrer Produkte in direktem Wettbewerb miteinander stehen. Bayer und Monsanto sind ebenfalls auf dem Gebiet der Pflanzenzucht und der Zulassung von Saatgut für mehrere Feldkulturen tätig. Monsanto ist bei Rapssamen in Europa führend. Bayer hat weltweit den höchsten Marktanteil bei Rapssamen und ist damit einer der wenigen Marktteilnehmer, die auf diesem Markt einen intensiven Wettbewerb führen können. Darüber hinaus sind beide Unternehmen wichtige Lizenzgeber für Baumwollsaat für ihre Wettbewerber in Europa. Beide investieren in Forschungs- und Innovationsprogramme für Weizen.
  3. Agronomische Merkmale: Gemeint sind Pflanzenmerkmale, die mit Hilfe der Gentechnik erkannt, isoliert und züchterisch verwendet werden. Nach der vorläufigen Untersuchung der Kommission hat Monsanto auf mehreren Märkten für diese Merkmale weltweit eine vorherrschende Stellung. Bayer ist einer der wenigen Wettbewerber von Monsanto auf bestimmten Märkten für agronomische Merkmale und hat insbesondere alternative Herbizid-Resistenz-Merkmale zu den Monsanto-Produkten entwickelt. Die Kommission wird vor allem prüfen, ob der Zusammenschluss zu einer Einschränkung des Wettbewerbs auf diesen Märkten führen könnte, und dabei die bestehenden Verbindungen zwischen den wenigen weltweit tätigen Wettbewerbern über den Austausch von Lizenzen und die Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung unter die Lupe nehmen.

"Landwirte brauchen Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen"

Die Kommission wird ferner untersuchen, ob der Zugang der Wettbewerber zu Verteilern und Landwirten erschwert würde, sollten Bayer und Monsanto ihre Verkäufe von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut insbesondere im Hinblick auf die digitale Landwirtschaft bündeln oder zusammenlegen.

Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager erklärte: „Saatgut und Pestizide sind für Landwirte und letztlich auch für die Verbraucher von entscheidender Bedeutung. Wir müssen auf diesen Märkten einen wirksamen Wettbewerb sicherstellen, sodass Landwirte Zugang zu innovativen Produkten und einer besseren Qualität haben und Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen kaufen. Gleichzeitig müssen wir ein Umfeld wahren, in dem Unternehmen innovativ tätig sind und in verbesserte Produkte investieren.“

Kommission entscheidet bis Januar 2018

Der Zusammenschluss der beiden Konzerne war bei der Kommission am 30. Juni 2017 angemeldet worden. Die Behörde hat nun 90 Arbeitstage, das heißt bis zum 8. Januar 2018, um einen Beschluss zu erlassen. Sie betonte, die Einleitung einer eingehenden Prüfung lasse keine Schlüsse auf das Ergebnis zu.

Bayer und Monsanto hatten der EU-Kommission am 31. Juli 2017 Verpflichtungsangebote vorgelegt, um vorläufige wettbewerbsrechtliche Bedenken auszuräumen. Die Angebote reichten der Brüsseler Behörde aber nicht, um ihre ernsthaften Zweifel an der Vereinbarkeit des Zusammenschlusses mit der EU-Fusionskontrollverordnung zu zerstreuen.

Die Bayer AG erklärte heute als Reaktion auf die Bekanntgabe der intensiven Prüfung, aufgrund der Größe und des Umfangs der geplanten Übernahme eine nähere Untersuchung erwartet zu haben. Der geplante Zusammenschluss sei für Landwirte und Kunden vorteilhaft, so Bayer. Das Unternehmen will die EU-Kommission bei der Untersuchung "wie bisher eng und konstruktiv unterstützen" und hofft, die Genehmigung der Wettbewerbsbehörde bis Ende 2017 zu erhalten.

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