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Schlachtbranche und Corona-Folgen

Fleischwirtschaft: West-Crown verzichtet auf Werkverträge

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am Freitag, 19.06.2020 - 11:48 (Jetzt kommentieren)

Die Westfleisch-Tochter West-Crown verzichtet künftig auf Werkverträge. Die Branche hat jedoch vor Arbeitskräfte-Mangel gewarnt.

Der Zerlegebetrieb West-Crown, eine 50-Prozent Beteiligung von Westfleisch, wird künftig auf die Vergabe von Werkverträgen verzichten. „Den entsprechenden Prozess haben wir nun eingeleitet“, erklärt West-Crown-Geschäftsführer Mario Kohlwes. „Wir gehen hierbei in enger Abstimmung mit unseren langjährigen Partnern Schritt für Schritt vor.“ In diesem Zuge wird WestCrown rund 230 Werkvertragsarbeiterübernehmen.

Während die eine Hälfte von ihnen bereits heute in selbst gemieteten Wohnungen lebt, wird sich West-Crown künftig für die andere Hälfte auch um deren Unterbringung und die Fahrt von und zur Arbeitsstätte kümmern. Insgesamt sind am Dissener Standort rund 300 Menschen beschäftigt. In den vergangenen Jahren holte die Muttergesellschaft Westfleisch eine Vielzahl an Mitarbeitern in die eigenen Konzernstrukturen zurück.

Seit 2014 hat sich die Zahl der Westfleischeigenen Mitarbeiter von 1.900 auf künftig rund 4.350 mehr als verdoppelt. Im Gegenzug baute das Unternehmen die Zahl der externen Beschäftigten sukzessive ab. Als Reaktion auf die Corona-Infektionen in Schlachtbetrieben hatte das Bundeskabinett vor einigen Tagen das Aus für Werkverträge ab dem Jahr 2021 beschlossen.

Nicht genug heimische Arbeitskräfte

Schlachter

Ende Mai musste West-Crown wegen Corona-Infektionen zeitweise dicht machen und hat dann im Notbetrieb gearbeitet. Die Arbeit in dem Zerlegebetrieb war eingestellt worden, weil bei einer Reihenuntersuchung bei 92 von 278 getesteten Beschäftigten Infektionen mit dem Coronavirus festgestellt wurden. Einige Zeit später hat die Westfleisch bereits 350 Werkvertragsarbeiter fest eingestellt.

Dazu sagte das Vorstandsmitglied Johannes Steinhoff, dass angesichts des Arbeitskräftemangels das „Drei-Säulen-Prinzip“ aus „eigenen Mitarbeitern, Werkvertragsarbeitern sowie Beschäftigten in Arbeitnehmerüberlassung“ nicht verzichtbar sei.

Auch das jetzt mit massiven Corona-Infektionen konfrontierte Schlachtunternehmen Tönnies arbeitet nach eigenen Angaben konzernweit mit 20 Werkvertragsfirmen zusammen. Das betreffe außer Schlachtung und Zerlegung noch andere Bereiche. Es gebe für einige Arbeiten, die im Schlachthof verlangt werden, nicht genug heimische Arbeitskräfte, heißt es. Außerdem seien die ausländischen Werkvertragsarbeiter oft gar nicht bereit, in ein festes Arbeitsverhältnis einzutreten. Tönnies hat deutlich gemacht, dass man für einen „fairen Werkvertrag“ eintrete, in dem für die Saisonbeschäftigten aus dem Ausland deutsches Arbeits- und Sozialrecht gelten müsse.

Bundesregierung mit strengeren Auflagen

Schlachter

Für die Fleischindustrie sollen künftig strengere Regeln gelten, die umstrittenen Werkverträge, mit den ein Großteil der Arbeiter in den Betrieben bis dato beschäftigt ist, sollen vom nächsten Jahr an verboten sein. Das hat das Bundeskabinett beschlossen. Schlachten und Verarbeitung von Fleisch soll dann nur noch von Arbeitnehmern des eigenen Betriebes zulässig sein. Das gilt dem Beschluss zufolge allerdings nur für Großbetriebe, deren Kerngeschäft das Schlachten und die Fleischverarbeitung sind. Das Fleischerhandwerk mit seinen vielen kleinen Betrieben soll von der Neuregelung ausgeschlossen bleiben.

Die Bußgelder bei Arbeitszeitverstößen sollen verdoppelt werden - von heute maximal 15.000 auf bis zu 30.000 Euro. Außerdem soll die digitale Arbeitszeiterfassung in den Betrieben Pflicht werden. Auch mehr Kontrollen von Fleischbetrieben sind geplant. Arbeitgeber, die eine Unterkunft für Beschäftigte stellen, müssen zudem die Behörden über Einsatz und Wohnort ihrer ausländischen Arbeitskräfte informieren.

Fleischunternehmer Clemens Tönnies, hatte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) gesagt: "Ein generelles Verbot von Werkverträgen in der Fleischwirtschaft hat massive, strukturell-negative Veränderungen für die Agrarwirtschaft zur Folge." Tierhaltung, Schlachtung und Veredelung würden "durch die europäischen Wettbewerber substituiert", so Tönnies. Er schlägt stattdessen einen Branchenmindestlohn von 12 Euro pro Stunde vor. Außerdem sollten die Auftraggeber der Subunternehmer "für eine menschenwürdige und wirtschaftlich faire Unterbringung aller Beschäftigten" haften, so Tönnies weiter.

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