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Milchindustrie

Fonterra enttäuscht Milchfarmer erstmals mit Millionenverlust

Milchtanker von Fonterra
am
13.09.2018

Der neuseeländische Molkereiriese Fonterra hat erstmals in der Firmengeschichte ein Geschäftsjahr mit Verlust abgeschlossen. Die Milcherzeuger reagierten enttäuscht. Der neue Vorstand kündigte Sofortmaßnahmen an.

Fonterra-CEO Miles Hurrell

Am Ende des Geschäftsjahres 2018 stand bei Fonterra ein Nettoverlust nach Steuern in Höhe von 196 Mio. NZD (112,6 Mio. Euro) in den Büchern. Das ist das erste Mal seit der Gründung der Genossenschaft vor 18 Jahren, dass Neuseelands größtes Unternehmen rote Zahlen ausweist. Trotz einer Umsatzsteigerung um 6 % auf 20,4 Mrd. NZD (11,5 Mrd. Euro) gab das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 22 % nach auf umgerechnet 507,5 Mio. Euro.

Der neue Vorstandschef Miles Hurrell betonte, die Genossenschaft müsse ihre wirtschaftliche Leistung verbessern. Es gebe nichts daran zu deuten, dieses Ergebnis erfüllte nicht die berechtigten Erwartungen. "Im Geschäftsjahr 2018 haben wir unser Versprechen gegenüber den Landwirte und Anteilinhabern nicht erfüllt", räumte Hurrell ein.

Farmer sind sehr enttäuscht

Chris Lewis, der Milchpräsident des Bauernverbandes Federated Farmers, sprach von einem sehr enttäuschenden Ergebnis. Der Gewinn sei sehr tief abgestürzt und Fonterra müsse einfach besser werden.

Zugleich zeigte sich Lewis zuversichtlich, dass "sie die Dinge umdrehen werden". Der neue Vorstands- und der neue Aufsichtsratschef würden bei Fonterra hoffentlich mit "einem neuen Besen kehren".

Ursachen der Misere

Neben der Schadenersatzleistung an Danone in Höhe von umgerechnet 130,5 Mio. Euro und einer Sonderabschreibung auf die China-Beteiligung Beingmate über 247 Mio. Euro haben vier Faktoren laut Hurrell zu dem schlechten Ergebnis beigetragen:

  1. Die Prognosen waren zu optimistisch.
  2. Der Butterpreis wurde falsch eingeschätzt.
  3. Der vorausgezahlte Milchpreis war zu hoch.
  4. Die Kosten sind teilweise gestiegen.

Als Lichtblick verwies der Vorstand darauf, dass es gelungen sei, den Anteil der Milch zu steigern, die über Produkte mit höherer Wertschöpfung abgesetzt wurde. Auch erreichte die Sparte Konsumerprodukte in China die Gewinnzone zwei Jahre früher als erwartet. Die Fonterra-Marke Anchor ist laut Unternehmensangaben Marktführer bei H-Milch in China sowohl im stationären als auch im Online-Handel.

Vorauszahlung bleibt unverändert

Hurrell kündigte drei Sofortmaßnahmen zur Verbesserung des Ergebnisses an:

  1. Fonterra wird alle Investitionen, Beteiligungen und wesentliche Vermögensbestandteile kritisch überprüfen und neu bewerten. An erster Stelle steht dabei die Beteiligung an der chinesischen Gesellschaft Beingmate.
  2. Die Finanzdisziplin soll verschärft werden, um Schulden abzubauen und die Kapitalrendite zu verbessern.
  3. Die Prognosen sollen realistischer werden.

Für 2018/19 hält die Molkerei an dem Ende August reduzierten Auszahlungsniveau von 6,75 NZD pro kg Milchfeststoff fest.

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