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Milchindustrie

Fonterra in Geldnot kürzt Milchpreis rückwirkend

Fonterra-Werk in Neuseeland
am Freitag, 10.08.2018 - 12:12 (Jetzt kommentieren)

Die neuseeländische Molkerei Fonterra kürzt ihren Landwirten das Milchgeld für 2017/18 rückwirkend. Die Bilanz steht unter Druck. Die Führung wechselt.

Für das Geschäftsjahr 2017/18, das am 31. Juli endete, senkt die Genossenschaft den vorläufigen Milchpreis von bisher 6,75 NZD um 3,7 % auf 6,70 NZD pro kg Milchfeststoff. Umgerechnet entspricht das einer Auszahlung von 0,28 Euro/kg Milch mit 4 % Fett und 3,3 % Eiweiß.

Die Spanne der voraussichtlichen Gewinnbeteiligung je Anteil beließ Fonterra unverändert auf 0,25 bis 0,30 NZD je Anteilsschein. Die Didividende wird jedoch voraussichtlich nur 0,10 NZD betragen. Dieser ursprünglich als Vorauszahlung auf die Dividende gedachte Betrag wurde bereits im April überwiesen. Normalweise erfolgt zum Abschluss des Geschäftsjahres noch eine Abschlusszahlung in der gleichen Höhe wie die Vorauszahlung. Diese wird jedoch wahrscheinlich ausfallen.

Hohe außergewöhnliche Aufwendungen

Der neuseeländische Molkereiriese ist in schwierigem Fahrwasser. Der Anstieg der Milchpreise hat das Unternehmen überrascht. Die Gewinne sind im laufenden Kalenderjahr durch die höheren Rohstoffkosten geschmolzen.

Die Bilanz ist durch außerordentliche Belastungen unter Druck. So musste die Genossenschaft 105 Mio. Euro an Danone zahlen als Entschädigung für eine ungerechtfertigte Rückrufaktion. Rund 232 Mio. Euro mussten auf die Investition in das chinesische Unternehmen Beingmate abgeschrieben werden.

Fonterra muss restrukturieren

Die Aktien des Unternehmens fielen nach Bekanntgabe der Milchpreiskürzung auf ein Dreijahrestief. Am Tag zuvor hatte Fonterra um eine Aussetzung des Börsenhandels gebeten. Daher waren schlechte Nachrichten erwartet worden.

Nach Berechnungen des neusseländischen Portals Stuff bedeutet die rückwirkende Milchpreiskürzung für eine durchschnittlichen Milchviehbetrieb einen Einkommensverlust von umgerechnet 4.600 Euro.

Analysten gehen davon aus, dass der Molkereiriese, der Neuseelands größtes Unternehmen ist, grundlegend restrukturiert werden muss. Ein neuer Aufsichtsratsvorsitzender wurde in diesem Jahr berufen. Der niederländische Vorstandschef Theo Spierings hat seinen Rückzug zum Jahresende angekündigt. Die Suche nach einem Nachfolger läuft.

Das erste Halbjahr des Geschäftsjahres schloss Fonterra am 31. Januar 2018 mit einem Nettoverlust nach Steuern in Höhe von umgerechnet rund 200 Mio. Euro ab. Das endgültige Jahresresultat legt das Unternehmen am 13. September vor.

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