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Milchindustrie

FrieslandCampina meldet Gewinneinbruch und kürzt die Ausschüttung

FrieslandCampina: Ein Tankwagen pumpt Milch ab
am Donnerstag, 23.07.2020 - 10:12 (Jetzt kommentieren)

Bei der Molkerei FrieslandCampina hat die Corona-Krise einen massiven Gewinneinbruch ausgelöst. Die Genossenschaft kürzt die Ausschüttung und kündigt weitere Sparmaßnahmen an. Auch der Milchpreis leidet.

CEO FrieslandCampina Hein Schumacher

Nach einem guten Start in das Jahr 2020 hat die Corona-Pandemie der Molkereigenossenschaft FrieslandCampina das Ergebnis im ersten Halbjahr kräftig verhagelt. Wie das Unternehmen heute bekannt gab, blieb der Umsatz mit 5,6 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar stabil. Der Gewinn ging auf vergleichbarer Grundlage jedoch um 37,2 Prozent zurück.

Laut Hein Schumacher, CEO der Royal FrieslandCampina, hat die Corona-Pandemie „zu noch nie dagewesenen Marktbedingungen geführt“. Die Preise für Basismolkereiprodukte sanken erheblich, während bestimmte Kosten, beispielsweise für Transport und Seecontainer, stiegen.

Schumacher hob hervor, dass die Genossenschaft in dieser Ausnahmesituation dennoch weiter stets die Milch von den Mitgliedsbetrieben abholt habe. Das waren mit 5,14 Mrd. kg Milch immerhin 1,1 Prozent als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Allerdings kürzte FrieslandCampina den Milchpreis um 3,5 Prozent auf 36,50 Cent/kg. Hauptgrund waren die niedrigeren Preise für Molkereibasisprodukte.

Werksschließung und niedrigere Ausschüttung

Der niedrigere Milchpreis wird nicht die einzige Maßnahme bleiben, um die Erträge zu stabilisieren. Zum 1. Oktober wird FrieslandCampina das Werk in Rijkevoort, Niederlande, schließen. Dort wird unter anderem Folienkäse hergestellt.

Zudem sinkt die vorläufige Ausschüttung für die Mitglieder der Molkereigenossenschaft von 0,65 Euro auf 0,22 Euro je 100 kg Milch. Die vorläufige Ausschüttung wird spätestens zum 1. September ausgezahlt. Sie entspricht 75 Prozent des Pro-forma-Leistungszuschlags für das erste Halbjahr.

Schumacher kündigte weitere Sparmaßnahmen an, ohne Einzelheiten zu nennen. „Wir müssen stärker in unsere Kostenstruktur eingreifen und Maßnahmen zur strukturellen Erhöhung unserer Produktivität ergreifen“, sagte der Molkereichef.

Rentable Geschäftsbereiche lagen vorübergehend fast still

Wie andere Molkereien auch, wurde FrieslandCampina von der plötzlichen Konsumverschiebung getroffen: Die Gastronomie und andere Großverbraucher mussten wegen Corona schließen. Die Verbraucher kauften zugleich mehr Lebensmittel im Einzelhandel. Das führte für FrieslandCampina dazu, dass der Umsatz über den rentablen Außer-Haus-Kanal größtenteils ausfiel. Auch das lukrative Geschäft mit Kindernahrung in Hongkong war rückläufig, weil die Grenze zu China geschlossen wurde.

Positiv wertete Schumacher, dass sich das Unternehmen sehr schnell der neuen Situation angepasst habe. Die Digitalisierung und der E-Commerce hätten „enorme Fortschritte“ gemacht. Angesichts der zu erwartenden weltweiten Rezession müsse FrieslandCampina jedoch die Kosten senken und die Produktivität steigern.

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