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Milchindustrie

FrieslandCampina: Milchbauern müssen für Anlieferung zahlen

FrieslandCampina: Ein Tankwagen pumpt Milch ab
am Donnerstag, 17.06.2021 - 12:03 (1 Kommentar)

Die Molkerei FrieslandCampina hat ein neues Modell zur Finanzierung durch ihre genossenschaftlichen Milchbauern beschlossen. Die Landwirte müssen künftig Lieferzertifikate kaufen. Der Mitgliederrat wird zudem verkleinert.

Anfang April hatte das Unternehmen das neue Finanzierungsmodell seinen Landwirten erstmals vorgestellt. Gestern (16.6.) hat nun der Mitgliederrat der Genossenschaft das Konzept gebilligt – aber mit Änderungen gegenüber dem ursprünglichen Entwurf. Im Kern bleibt es dabei, dass die Milchanlieferung enger mit der Kapitaleinlage verknüpft wird.

Ab dem 1. Januar 2022 müssen Milchbauern je 100 kg angelieferter Milch ein Anlieferzertifikat im Wert von 8 Euro besitzen. Entscheidend ist dabei die Liefermenge zwischen dem 1. Oktober 2020 und dem 30. September 2021.

Für einen Milchviehbetrieb mit 150 Kühen und einer durchschnittlichen Leistung von 10.000 kg Milch entspricht das einem einmaligen Kapitalaufwand von 120.000 Euro. Für betriebliches Wachstum müssen entsprechende Lieferzertifikate nachgekauft werden.

Längere Finanzierung vereinbart

Milchkühe auf dem Weg zum Stall

Die Anlieferzertifikate können durch den Umtausch von Mitgliederobligationen erworben werden. Wer nicht genügend Obligationen eintauschen kann, muss die Lieferzertifikate in Raten kaufen.

Die Laufzeit der zinslosen Finanzierung wurde im Vergleich zum ursprünglichen Entwurf von zehn auf zwölf Jahre verlängert. Die Tilgung ist dabei in den ersten acht Jahren an die Barnachzahlung des Unternehmens gebunden. Wenn FrieslandCampina also eine hohe Barnachzahlung ausschüttet, verläuft die Tilgung schneller als bei einem schlechten Unternehmensergebnis.

Für Mitglieder, die im Zuge der Hofnachfolge einen Betrieb übernehmen und nicht über genügend Kapital für den Kauf der Anlieferzertifikate verfügen, soll es eine Sonderregelung geben.

Umtauschprämie soll Umstieg beschleunigen

Um die Umstellung der Finanzierung zu beschleunigen, erhalten Landwirte eine Prämie, die noch in diesem Jahr an den Handelstagen im Juni, August oder Oktober freie Mitgliederobligationen kaufen und die Zunahme zur Finanzierung von Anlieferzertifikaten im Januar 2022 verwenden.

Festgelegt wurde auch eine Regelung zum gemeinschaftlichen Ankauf freier Mitgliederobligationen. Wenn sich ab dem kommenden Jahr zu einem Handelstag ein Angebotssaldo von mindestens 30 Mio. Euro abzeichnet, kaufen die Mitglieder der Genossenschaft gemeinsam das Überangebot zum Nominalwert von 25 Mio. Euro. Dieser Nachschuss ist begrenzt auf drei Ankäufe innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Jahren.

Höhere Barnachzahlung und kleinerer Mitgliederrat

Keine Änderung im Vergleich zum Vorschlag des Vorstandes gab es bei der neuen Gewinnverteilung. Nach der jetzigen Rücklagenpolitik werden 35 Prozent des Jahresüberschusses von FrieslandCampina über eine Barnachzahlung an die Mitglieder ausgegeben und weitere 10 Prozent über Mitgliederobligationen, während 55 Prozent in die Gewinnrücklage des Unternehmens fließen. Künftig werden 40 Prozent des Jahresüberschusses als Barnachzahlung an die Milchbauern weitergegeben und 60 Prozent verbleiben als Rücklage im Unternehmen.

Darüber hinaus wurde entschieden, die Zahl der Vertreter im Mitgliederrat von 210 auf 140 zu verringern. Zugleich wird die Zahl der Distrikte von 21 auf 14 gesenkt.

Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats

Erwin Wunnekink, Aufsichtratsvorsitzender der Molkerei FrieslandCampina

Bei der Versammlung des Mitgliederrates gab der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Frans Keurentjes, seinen Posten an Erwin Wunnekink ab. Wunnekink dankte Keurentjes für dessen „beträchtlichen Beitrag zur Stärkung der Genossenschaft und des Unternehmens“.

Der Vorstand von FrieslandCampina rechnet in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 mit besseren Geschäftsaussichten, weil die Gastronomie in vielen europäischen Ländern allmählich wieder öffnet. Allerdings muss das Unternehmen starke Preiserhöhungen für einige Rohstoffe verkraften. Den Markt für Pflanzendrinks will das Management genau im Auge behalten, weil dieses Segment nach Einschätzung des Vorstands jetzt von einer Nische zum Mainstream werde.

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