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Genossenschaften und Lieferrecht

FrieslandCampina bittet die Milchbauern zur Kasse

Milchlaster FrieslandCampina
am Donnerstag, 08.04.2021 - 15:14 (Jetzt kommentieren)

Die Molkerei FrieslandCampina will die Beteiligung ihrer genossenschaftlichen Milchbauern neu strukturieren. Wer mit Milch wachsen will, soll künftig Lieferzertifikate kaufen müssen.

Geplant ist, die Milchanlieferung stärker mit der Kapitalbeteiligung der genossenschaftlichen Mitglieder zu verknüpfen. Auch die Gewinnverwendung soll neu geregelt werden: Es soll mehr Geld im Unternehmen bleiben.

Der Vorstand von FrieslandCampina schlägt vor, sogenannte Anlieferzertifikate an die genossenschaftlichen Mitglieder auszugeben. Der Wert eines Zertifikates soll 8 Euro pro 100 kg angelieferte Milch betragen. Ausschlaggebend für die Menge der benötigten Zertifikate soll die Milchanlieferung zwischen dem 1. Oktober 2020 und dem 30. September 2021 sein.

Die Milcherzeuger können die Anlieferzertifikate erwerben, indem sie vorhandene Mitgliederobligationen eintauschen und ein Defizit gegebenenfalls bar ausgleichen. Alternativ bietet FrieslandCampina gesonderte Darlehen mit zehn Jahren Laufzeit an, mit denen die benötigten Anlieferzertifikate erworben werden können.

Begrenzung der Milchmenge wird aufgehoben

Drei Argumente nennt FrieslandCampina für die Umstellung der Mitgliederfinanzierung:

  • Sie sei erforderlich für die künftige Handelbarkeit der freien Mitgliederobligationen.
  • Das Missverhältnis zwischen aktiven und nicht-aktiven Milcherzeugern an der Kapitaleinlage werde verringert.
  • Die Qualität des Eigenkapitals werde verbessert, weil die neuen Anlieferzertifikate zum Widerstandsvermögen des Unternehmens zählten.

Mit Umstellung der Mitgliederfinanzierung zum 1. Januar 2022 soll die bisher geltende Regelung zur Begrenzung des einzelbetrieblichen Milchmengenwachstums aufgehoben werden. Diese Funktion sollen künftig die Anlieferungszertifikate übernehmen.

Höhere Barnachzahlung - aber auch mehr Geld für die Rücklage

Der Vorstand will in einem Zug auch die Rücklagenpolitik ändern. Bisher wird der Jahresüberschuss von FrieslandCampina zu 55 Prozent in die Kapitalrücklage des Unternehmens überführt. Weitere 35 Prozent werden als Barnachzahlung an die Mitglieder ausgeschüttet und 10 Prozent werden in Form von Mitgliederobligationen ausgegeben.

Künftig sollen 60 Prozent des Jahresüberschusses in die Kapitalrücklage fließen. Die restlichen 40 Prozent würden die Mitglieder als Barnachzahlung erhalten.

Die Milchbauern beraten ab kommender Woche über den Vorschlag

Der Vorstandsvorsitzende der Molkereigenossenschaft, Frans Keurentjes, erläuterte: „In den letzten anderthalb Jahren haben wir mit unseren Mitgliedern und dem Mitgliederrat ausführlich über die Erneuerung der Mitgliederfinanzierung gesprochen.“ Nun lege der Vorstand seinen Vorschlag für eine neue zukunftsfähige Mitgliederfinanzierung vor. Der Plan werde der Diversität der Mitglieder gerecht und investiere in die Zukunft und Kontinuität des Unternehmens.

Ab dem kommenden Montag (12.4.) beginnt FrieslandCampina den sogenannten Mitgliederdialog: Dann können die Milcherzeuger ihre Fragen zu den Plänen des Vorstands stellen und darüber diskutieren. Die Entscheidung über das Finanzierungskonzept soll am 16. Juni 2021 im Mitgliederrat fallen.

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