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Genossenschaftsverband Bayern

Wie gelingt die faire Partnerschaft zwischen Handel und Landwirten?

GVB-Agrarimpulse-2020_smb
am Mittwoch, 19.02.2020 - 22:46 (Jetzt kommentieren)

Bei der Tagung „Agrarimpulse 2020“ des Genossenschaftsverbandes Bayern (GVB) sprachen LEH, Politik, Landwirte und Lebensmittelhersteller über Wege zur Stärkung der Erzeuger in der Wertschöpfungskette.

Etwas stimmt nicht in der Beziehung zwischen Erzeugern und Lebensmitteleinzelhandel (LEH). GVB-Vorstand Dr. Alexander Büchel benannte ein Problem, das viele Landwirte kennen. Die Marktmacht des LEH ist so groß, dass die einzelnen Erzeuger sich immer stärker als austauschbare Teile einer Wertschöpfungskette fühlen, die immer anspruchsvollere Wünsche der Verbraucher erfüllen muss - etwa nach preisgünstigen Lebensmitteln die gleichzeitig Tierwohl, Regionalität und Klimaschutz liefern - ohne dafür durch wesentlich steigende Erzeugerpreise belohnt zu werden. BayWa-Chef Prof. Klaus Josef Lutz forderte ein ernsthaftes Nachdenken darüber, was die Gesellschaft bereit sei, für hochwertige und sichere Lebensmittel zu bezahlen.

Weitere Lösungsansätze diskutierten im Rahmen einer Podiumsdiskussion Ulrike Müller, Europaabgeordnete für die Freien Wähler, Matthias Zwingel, Vizepräsident des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels, Bernhard Pointner, Geschäftsführender Vorstand der Milchwerke Berchtesgadener Land und Florian Wolz, Geschäftsführer der Franken-Gemüse Knoblauchsland. Moderiert wurde die Runde von Simon Michel-Berger, Chefredakteur von agrarheute.

Acht Punkte berücksichtigen

Die Schlussfolgerungen der Podiumsdiskussion waren:

1.

Der Handel kann ein Partner der Landwirte sein, aber auch ein Gegner. In jedem Fall bleiben die Machtverhältnisse ungleich.

2.

Innovation und Produktdifferenzierung – insbesondere bei der Nachhaltigkeit - können Erzeugern helfen, sich am Markt abzusetzen und besser Preise zu erzielen. Sie reichen aber an sich nicht aus.

3.

Mitunter ist es auch der Wettbewerb zwischen anderen Landwirten bzw. Zwischenhändlern, welcher die Erzeugerpreise drückt.

4.

Austausch und Dialog zwischen den Erzeugern ist daher wichtig. Genossenschaften kommt hier eine zentrale Rolle zu, die sie unbedingt ausfüllen müssen.

5.

Verbraucherbildung ist eine wichtige Herausforderung. Am effektivsten ist sie, wenn sie anhand von bäuerlichen Marken geschieht, zu denen Verbrauchern eine Beziehung aufbauen können.

6.

Die Politik hat eine Rolle zu spielen, insbesondere mit der Umsetzung der Richtlinie gegen unfaire Handelspraktiken. Allerdings brauchen politische Prozesse ihre Zeit und nur darauf zu warten, bis die Politik Probleme regelt, reicht nicht.

7.

Auch stärker auf Bio zu setzen wird die Marktposition der Erzeuger nicht pauschal verbessern. Es braucht nicht nur Umstellung, sondern gute Netzwerke bei den Lieferbeziehungen. Diese entstehen nicht über Nacht.

8.

Letztlich ist es die Aufgabe der ganzen Lebensmittelkette, zu überlegen, wie die Beziehung zwischen LEH und Erzeugern wieder mehr auf Augenhöhe gehoben werden kann. So wie jetzt, geht es jedenfalls nicht weiter.

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