Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Warenbörse

Getreidebörse: Polen gründen eigene MATIF

Getreidelager
am Mittwoch, 11.03.2020 - 10:44 (Jetzt kommentieren)

Polen will eine eigene Warenterminbörse für Agrarprodukte aufbauen. Vorbilder sind die MATIF in Paris und CBOT in Chicago.

Das sagte der polnische Landwirtschaftsminister Jan Krzysztof Ardanowski bei einer Auftaktveranstaltung zur Gründung der Börse in Warschau. Das Agrarministerium verspricht sich von der neuen Börse mehr Markttransparenz und eine bessere Position der Bauern beim Vermarkten ihrer Produkte.

"Wir beginnen allerdings bescheidener, aber gut organisiert und nur von den Marktbedürfnissen abhängig", sagte Ardanowski.  Die Börse mit dem Namen "Sellfood Food Plattform" soll das polnische Äquivalent der MATIF sein, sagte Jan Krzysztof Ardanowski.

Die Börse startet bereits im März. Das Ministerium möchte die Landwirte damit ermutigen, ihre Marktposition zu organisieren und zu stärken, indem größer Mengen eines standardisierten Produkts angeboten werden, heißt es. Die Anlaufphase für den Börsenhandel werde bis zur Ernte 2020 dauern - fügte der Minister hinzu.

Indikator für den Kassamarkt

Agrarbörse

Nach den Erwartungen des des polnischen Agrarministeriums, soll die Höhe der an der Lebensmittelplattform gehandelten Preise auch ein Indikator für die sein, die Getreide nicht nur an der Börse, sondern auch vor Ort handeln.

Auf diese Weise kann festgestellt werden, welche Preise zu einer bestimmten Jahreszeit akzeptabel sind, um die Landwirte vor Dieben, Betrügern oder Händlern zu schützen, die von der Unwissenheit und mangelnder Marktkenntnis der Landwirte profitieren - sagte Ardanowski.

Zunächst wird die Sellfood-Plattform das sogenannte Kassageschäfte auf Weizen abdecken und längerfristig auch Termingeschäfte. Das Angebot an gelisteten Produkten soll ebenfalls erweitert werden. Die Börse soll ein modernes Werkzeug sein, das in Polen und in diesem Teil Europas bisher fehlte, sagte der Minister.

Begonnen wird mit physischem Handel

Getreide verladen

Die Plattform soll nach Einschätzung des Ministers auch eine informative Funktion haben und den Markt organisieren. Begonnen wird mit Spot-Transaktionen, geplant ist aber auch der Handel mit Futures sowie den Eintritt in neue Märkte für standardisierte landwirtschaftliche Produkte. Dazu gehören neben Weizen auch Raps, Mais, Zucker, Milchpulver und Apfelkonzentrat.

Die Plattform wurde entwickelt, um vielen Produkten zu handeln und dabei Skaleneffekte zu erzielen, heißt es seitens des polnischen Landwirtschaftsministeriums. Dies ist ein wünschenswertes Projekt, nicht nur für Landwirte, sondern auch für den gesamten Markt - fügte Ardanowski hinzu. Außerdem soll die Börse „Platforma Żywnościowa“ auch eine Reaktion auf Unregelmäßigkeiten und Betrug am Markt sein.

Die Börse sieht das Ministerium als eine effektive Antwort auf diese Probleme, denn sie soll die Höhe der in Polen gezahlten Preise anzeigen. Ardanowski betont: „Diese Informationen sind für alle wichtig, auch für diejenigen, die nur kleinere Mengen haben. Durch die Beobachtung der Preise wissen sie jedoch dann, wie viel lokale Empfänger oder Futtermischanlagen zahlen.

Warschauer Börse ist Standort

Börse

Marek Dietl, der Präsident der Warschauer Börse, sagte, dass der Start der Lebensmittelplattform auch ein historischer Moment für die Warschauer Börse (WSE) selbst sei. Im Jahr 1817 wurde die erste Warschauer Börse gegründet. Es war ein Handelsmarkt, auf dem landwirtschaftliche Produkte eine wichtige Rolle spielten.

In den letzten Jahren war zu beobachten, wie schnell sich die polnische Agrar- und Lebensmittelindustrie entwickelt, fügt Dietl hinzu.  Daher sei eine fortgeschrittenere Form des Handels erforderlich, heißt es weiter. Dietl gab an, dass die polnische Energiebörse (TGE) technisch für die Sellfood Food Platform verantwortlich sein wird.

"Die Tätigkeit der Börse basiert auch auf der Zusammenarbeit mit Maklerhäusern und zugelassenen Lagern. Es lägen bereits Anträge von Maklern und aus Lagern vor. Eine qualitativ hochwertige Lagerung ist wichtig. Wir denken ständig daran, das Lagernetz zu erweitern und eine angemessene Logistik sicherzustellen",  erläutert Dietl.

Die Bauern unterstützten – Start mit Weizen

Agrarflächen

Der Präsident der WSE wies außerdem darauf hin, dass im März der Weizenhandel in drei Qualitätsklassen auf der Plattform beginnen wird. Die Transaktionen werden sofort abgewickelt. Die Aufgabe der Lager wird die Qualitätskontrolle sein. Die Beseitigung des Abwicklungsrisikos, der Sicherheit und der Sicherheit von Transaktionen ist die Grundlage dafür.

Dietl ist überzeugt: Dadurch wird sich die nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Produktion verbessern. Es wird auch einen Impuls für Landwirte und landwirtschaftliche Genossenschaften geben, auf dieser Plattform zu operieren. Die Mindestproduktionsgrenze für die Plattform beträgt 50 Tonnen - sagte Dietl.

Jan Krzysztof Ardanowski versicherte, dass die Börse die nächste Etappe beim Aufbau des  funktionierenden Agrarmarktes in Polen sei. Der Minister betonte auch, dass die Bauern eine Garantie haben müssen, dass sie einen Preis erzielen, der sich aus dem normalen Spiel von Angebot und Nachfrage ergibt, sowie eine Garantie für die Transaktionssicherheit.

Faire Preise für Landwirte

Ardanowski wies außerdem darauf hin, dass die nächste Phase die Einführung von zwei staatlichen Getreideterminals in Häfen sein wird. Der Staat will somit die Abwicklung des Schiffshandels gewährleisten, und die Erzeuger erhalten durch das Sammeln von Getreide in einem Hafenterminal einen öffentlichen Dienst in Form einer schnellen Beladung des Schiffes.

"Wir sind auf einem globalen Markt tätig, daher wirken sich globale Trends auch auf die polnische Landwirtschaft aus", sagte Ardanowski. Dies führt in erster Linie zur Unsicherheit bei den Handelsgeschäften der Landwirts, der verkaufen muss, sagt der Minister. Die Aktivitäten, die wir heute beginnen, sollen dahin führen, die landwirtschaftliche Produktion von jedem Betrieb zu vermarkten und faire Preise auf dem Markt sicherzustellen – stellte Ardanowski zum Schluss fest

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...