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Klage gegen Monsanto

Glyphosat-Prozess könnte neu aufgerollt werden

gericht
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Katharina Krenn, agrarheute
am
11.10.2018

Der Glyphosat-Prozess in den USA könnte neu aufgerollt werden. Das zuständige Gericht gab dem Antrag Monsantos vorläufig statt, eine Neuverhandlung anzustoßen.

Im August hatte eine Jury des Gerichts in Kalifornien Monsanto zur Schadenersatzzahlung in dreistelliger Millionenhöhe an den an Lymphdrüsenkrebs erkrankten Kläger Dewayne «Lee» Johnson verurteilt. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass glyphosathaltige Monsanto-Produkte krebserregend sind und der Hersteller davor nicht nur nicht ausreichend gewarnt, sondern sogar in böswilliger Absicht die Risiken verschleiert hat. Monsanto legte Berufung ein und fordert, dass der Fall wegen unzureichender Beweise neu verhandelt wird. Dem stimmte das Gericht auf vorläufiger Basis weitgehend zu.

Begründung der Richterin

Die Klägeranwälte hätten keine "klaren und überzeugenden Beweise" für vorsätzliches Fehlverhalten von Monsanto vorgelegt, hieß es in der Begründung von Richterin Bolanos. Dadurch könnte sich der Schadenersatz deutlich verringern. Die anschließende, mehr als zwei Stunden lange Gerichtsanhörung verlief teils hitzig - Monsantos Verteidiger erhoben heftige Vorwürfe gegen die Klägerseite. Sie beschuldigten insbesondere den Anwalt Brent Wisner, der das Urteil vom August erstritten hatte, die Jury mit Unwahrheiten aufgehetzt zu haben. "Dies war kein fairer Prozess", sagte Monsantos Anwalt George Lombardi mehrmals und forderte vehement eine Neuauflage.

Aufwind für den Aktienkurs von Bayer

Richterin Bolanos beendete den Gerichtstermin letztlich ohne eine formale Anordnung, den Prozess in die nächste Runde zu schicken. Sie forderte die Streitparteien auf, bis Freitag noch einmal schriftlich ihre Argumente einzureichen und kündigte an, sich danach endgültig festzulegen.

Bei Anlegern kam die vorläufige Entscheidung aber bereits sehr gut an. Der Aktienkurs von Bayer legte im nachbörslichen Handel in einer ersten Reaktion um fast fünf Prozent zu. Nach dem Urteil im August war es zu einem heftigen Kurseinbruch gekommen, der Bayers Börsenwert zeitweise um über 15 Milliarden Euro drückte.

Mit Material von dpa
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