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Schlachtereien

Hessische Landwirte sollen Schlachthof Fulda retten

Schweinehälften
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
01.11.2018

Hessische Biobauern haben eine Erzeugergemeinschaft gegründet, um den Schlachthof Fulda zu retten. Jetzt sammeln sie Startkapital für eine kleine Betreiber-AG.

Treibende Kraft hinter dem Rettungsversuch ist der Landwirt Rudolf Bühler. Der Schweinehalter aus Hohenlohe hat vor 30 Jahren die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) mit ihrem Erzeugerschlachthof gegründet. Nun will Bühler das Kunststück in Nordhessen wiederholen.

Ende Oktober trafen sich Landwirte, Bürger sowie Vertreter der Verwaltung und der Wirtschaft zu einer Informationsveranstaltung im Landratsamt Fulda. Dort stellten Bühler und weitere Mitstreiter ihr Konzept vor. Seither läuft die Zeichnungsfrist für Aktien der Auffanggesellschaft "Erzeugerschlachthof Kurhessen". Sie soll mit 250.000 Euro Stammkapital ausgestattet werden. Dazu können weitere Landwirte, aber auch Bürger, Kommunen, Verbände und Metzger vinkulierte Namensaktien zum Stückpreis von 500 Euro zeichnen.

Schlachthof sichert bäuerliche Struktur ab

Über die Ausgabe der Namensaktien kontrolliert der Aufsichtsrat, wer Anteile an dem Erzeugerschlachthof in der Rechtsform einer nicht börsennotierten kleinen AG erhält. "Tönnies oder Nestlé werden keine Aktien bekommen", sagt Bühler, der mit der Erzeugergemeinschaft BESH auch zum Trägerkreis der Bewegung "Wir haben es satt!" zählt.

Bühler verweist darauf, dass der Schlachthof Fulda einer der letzten hessischen Schlachthöfe sei, wo regionale Erzeuger ihr Vieh schlachten könnten. Gerade die Rhön und die angrenzenden Landschaften seien noch mit einer bäuerlichen Struktur versehen, welche mit dem Wegfall des Schlachthofs Fulda in ernsthafte Existenznöte kommen würde. Bühler zufolge hat sich sogar Ministerpräsident Volker Bouffier bereits für das Projekt interessiert.

Wechselvolle Geschichte

Der Schlachtbetrieb in Fulda geriet durch die Übernahme des Einzelhandelsunternehmens Tegut durch die Schweizer Migros-Gruppe in Turbulenzen.

Anders als die Handelskette Tegut, die sich bei Fleisch und Wurst auf die in eigener Regie geführte Tochter "Kurhessische Fleischwaren Fulda" verließ, setzt Migros Zürich bei der Fleischversorgung auf die Müller-Gruppe aus Birkenfeld. Seit Ende 2016 wurde in Fulda daher nur noch Tiernahrung für die Deuerer GmbH produziert.

Zeichnung der Namensaktien läuft

Rudolf Bühler ist der Chef des Aufsichtsrats der neuen AG Erzeugerschlachthof Kurhessen. Laut Angaben des Internetportals Osthessen News kaufte er den Schlachthof für 800.000 Euro von der WEG-Stiftung von Wolfgang Gutberlet. Neuer Vorstand ist Sven Euen.

Bühler zufolge muss in Fulda unter anderem in die Brühanlage investiert werden. Den Investitionsbedarf schätzt er auf 600.000 bis 800.000 Euro. Er hofft auf Zuschüsse durch das Land Hessen und die EU in Höhe von 30 bis 40 Prozent der Kosten.

Bühler sagt, das Interesse am Erhalt des Schlachthofs sei groß. Er geht davon aus, die Zeichnung der Namensaktien innerhalb der nächsten vier Wochen abschließen zu können.

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