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Festmahl in Gefahr

Holländische Bauern wollen den Einzelhandel blockieren

Einkaufswagen in einem niederländischen Supermarkt
am Donnerstag, 12.12.2019 - 14:13 (1 Kommentar)

Die „Farmers Defence Force“ ruft für den 18. Dezember zu Bauernprotesten auf. Der Lebensmittelhandel droht mit Schadenersatzklagen.

Mit welchen Aktionen die Teilnehmer am kommenden Mittwoch auf ihre Anliegen aufmerksam machen wollen, lassen die Organisatoren im Einzelnen noch im Dunkeln.

Verschiedene Ankündigungen lassen jedoch vermuten, dass sich die Proteste vor allem gegen den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) richten werden. Ziel ist offenbar eine Unterbrechung der Lieferketten, die die Bürger noch am Weihnachtsfest spüren sollen.

Die Forderungen der niederländischen Landwirte sind vor allem ein höherer Anteil an der Wertschöpfung sowie eine weniger rigide Nährstoffpolitik.

Der Weihnachtsschmaus könnte leiden

Bauenrprotest in Den Haag, Niederlande

Der LEH ist auch in den Niederlanden hoch konzentriert. Sollte es den Landwirten gelingen, die Distributionszentren, den Großhandel oder möglichst viele Filialen ausgerechnet kurz vor Weihnachten vorübergehen zu blockieren, dürfte das den LEH schmerzlich treffen.

Der Dachverband des Lebensmittelhandels CBL will den Aktionstag von Farmers Defence Force mit einer einstweiligen Verfügung verhindern.

Zuvor hatte der CBL den berufsständischen Interessenvertretern Gespräche angeboten. Diese habe die FDF jedoch abgelehnt.

Der Einzelhandelsverband lässt die Anwälte los

In einem Schreiben, das agrarheute vorliegt, setzt die Rechtsanwaltskanzlei Allen & Overy dem FDF-Vorstand im Auftrag des Einzelhandelsverbandes ein Ultimatum: Bis heute Abend 22 Uhr soll FDF unwiderruflich und schriftlich auf alle angekündigten Protestaktionen verzichten, die sich gegen den Einzelhandel richten.

Sonst würden die Organisation, ihre Vertreter und die Teilnehmer der Aktionen auch persönlich für die entstehenden Schäden haftbar gemacht.

Die Kanzlei beziffert die Schäden auf mehrere Millionen Euro, die allein durch die Blockade eines Distributionszentrums für einen Tag entstehen würden.

FDF will Legalität wahren

Die FDF betont jedoch, alle Aktivitäten würden sich im Rahmen der Legalität bewegen. Die Organisatoren wollen Aktionsgruppen mit jeweils rund 50 Traktoren bilden, die regional auftreten. Die Gruppen sollen erst am Vorabend erfahren, was konkret ihr Auftrag sein wird. Die Rede ist von „knallharten“ Aktionen, die die Macht der Landwirte zeigen sollen.

Am 1. und 16. Oktober hatten die niederländischen Landwirte mit tausenden Demonstranten und Traktoren in Den Haag gegen die Agrarpolitik der Regierung protestiert. Dabei war es vereinzelt auch zu Sachbeschädigungen und körperlichen Auseinandersetzungen gekommen. Die Provinzverwaltung in Groningen war vorübergehend mit Gewaltanwendung besetzt worden.

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