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Globaler Bericht Biodiversität

IPBES: Artensterben so dramatisch wie der Klimawandel

Artenvielfalt
am
06.05.2019

Erstmals seit 14 Jahren legt der Weltbiodiversitätsrat IPBES einen umfassenden Bericht zum Zustand der globalen Artenvielfalt vor.

Sir Robert Watson, der Präsident der am Wochenende in Paris stattfindenden Tagung, hatte zum Auftakt des Treffens erklärt: "Die Belege sind unbestreitbar: Die Zerstörung der Artenvielfalt und der Ökosysteme hat ein Niveau erreicht, das unser Wohlergehen mindestens genauso bedroht wie der durch den Menschen verursachte Klimawandel."

Eine 40-seitige Zusammenfassung mit den wichtigsten Kernaussagen wird heute in Paris vorgestellt. Ähnlich den Analysen des Weltklimarats (IPCC) für den Klimawandel soll der sogenannte Artenvielfalt-Bericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) den Sachstand zur globalen Situation darstellen und Problemlösungen vorschlagen.

Der vorläufige Bericht zeichnet ein düsteres Bild: Demnach sind bis zu eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Viele von ihnen könnten in den kommenden Jahrzehnten verschwinden.

Menschheit verbraucht mehr Ressourcen als nachwachsen

Verschmutzung der Meere

Seit 1992, als in Rio de Janeiro die Konvention zum Schutz der Artenvielfalt verabschiedet wurde, habe sich die Situation maßgeblich verschlechtert, sagte Georg Schwede von Campaign for Nature. Nach Einschätzung der Organisation Global Footprint verbraucht die Menschheit derzeit mehr Nahrungsmittel und andere Ressourcen als innerhalb eines Jahres wieder nachwachsen könnten.

„Noch können wir zu einem Wirtschaften in den natürlichen Grenzen der Erde zurückfinden“, sagt Jörg-Andreas Krüger von der Umweltschutzstiftung WWF. „Dafür müssen wir jedoch die Rahmenbedingungen für unser Finanz- und Wirtschaftssystem verändern und Ernst machen mit dem Fokus auf der Wiederherstellung von geschädigten Landschaften.“

Vor Beginn der Konferenz hatte Bundesumweltministerin Svenja Schulze betont, sie hoffe darauf, dass die Weltgemeinschaft sich mit dem Bericht des Weltbiodiversitätsrats auf einen "gemeinsamen, wissenschaftlich fundierten Sachstand" einige, der dabei helfe, gemeinsame Lösungen zu entwickeln.

Politische Anstrengungen auf allen Ebenen nötig

Für den Bericht des Weltbiodiversitätsrates haben rund 150 Experten aus 50 Ländern drei Jahre lang das Wissen aus Tausenden Studien zusammengetragen. Sie prüften unter anderem, wie weit die Welt bei bereits vereinbarten Artenschutz-Zielen gekommen ist.

Anschließend debattierten bei einer Weltkonferenz in Paris Delegierte der 132 IPBES-Mitgliedstaaten über die Kernaussagen des Berichts und die genauen Formulierungen dazu. Nach knapp einer Woche Beratungen verabschiedeten sie am Samstag eine Zusammenfassung. Die umfassende Analyse wird erst später veröffentlicht.

Beteiligte Forscher hoffen, dem Artenschutz mit den Ergebnissen neuen Schub zu verleihen. „Politische Maßnahmen, Anstrengungen und Handlungen werden – auf allen Ebenen – nur erfolgreich sein, wenn sie auf bestem Wissen und Beweisen beruhen“, sagte der IPBES-Vorsitzende Sir Robert Watson. Und genau diese Grundlage stelle der neue Bericht bereit.

Landnutzung als Haupttreiber angesehen

amazonas

Der deutsche Wissenschaftler Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), ist seit 2016 Co-Vorsitzender für das globale Assessment. Er leitete mit anderen Wissenschaftlern die Erarbeitung des Berichtes.

„Wir haben es geschafft, in den letzten drei Jahren die Fakten zum weltweiten Zustand unserer Ökosysteme zusammenzutragen, Szenarien ihrer zukünftigen Entwicklung zu beschreiben und Handlungsoptionen aufzuzeigen", sagt Settele.

"Ich glaube, dass wir damit eine sehr gute Wissens- und Entscheidungsbasis für diejenigen geschaffen haben, die in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Verantwortung tragen“, so der Forscher weiter. Als Agrarwissenschaftler ist er auch Experte für die Zusammenhänge von Biodiversität und Landnutzung sowie Fachmann für Insekten. „Vor allem die Landnutzung zeichnet sich seit langem als entscheidender Treiber des Biodiversitätsverlustes einschließlich des Insektenschwundes ab. Deren Analyse hat deshalb einen besonders wichtigen Teil der Arbeit am globalen Assessment ausgemacht“, so Settele weiter.

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