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Schlachtbranche

ISN-Schlachthofranking: Tönnies baut Marktmacht weiter aus

Arbeiter steht in einem Schlachthof vor Schweinehälften
am Mittwoch, 01.04.2020 - 10:16 (Jetzt kommentieren)

Tönnies eilt seiner Konkurrenz davon und schlachtet inzwischen über 30 Prozent der Schweine in Deutschland. Insgesamt stand das vergangene Jahr ganz im Zeichen der brummenden Exportgeschäfte, wie das ISN-Schlachthofranking 2019 zeigt.

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) hat ihr jährliches Schlachthofranking veröffentlicht. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Das Jahr 2019 stand ganz im Zeichen der stark gestiegenen Rohstoffpreise. Preistreiber waren ein abnehmendes Angebot an Schlachtschweinen  in Deutschland und die rasante Nachfrage nach Schweinefleisch aus Asien - speziell aus China aufgrund der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Glücklich schätzen konnten sich deshalb jene Schlachtbetriebe, die eine Exportlizenz für China haben. 
  • Bei der Zahl der Schweineschlachtungen in Deutschland eilt das Schlachtunternehmen Tönnies der Konkurrenz immer weiter davon. Inzwischen schlachtet das Unternehmen 16,7 Mio. Schweine jährlich und erreicht einen Marktanteil von 30,3 Prozent.

Tönnies eilt Konkurrenz davon

ISN-Schlachthofranking-2019

Entgegen den Entwicklungen des Gesamtmarkts konnte Tönnies im vergangenen Jahr wachsen. Das Unternehmen schlachtete rund 100.000 Schweine oder 0,6 Prozent mehr im Vergleich zu 2018 und baute so den Abstand zur Konkurrenz aus. Das sind ein Drittel aller in Deutschland geschlachteten Schweine und somit mehr, als die Verfolger auf Platz zwei und drei (Westfleisch und Vion) zusammen erreichen.

Während man insbesondere die erste Jahreshälfte als wirtschaftlich herausfordernd ansah, profitierte Tönnies in der zweiten Jahreshälfte vom Nachfrageboom aus China. Dabei wird man jedoch nicht müde zu betonen, dass bei aller Euphorie über die asiatische Nachfrage der deutsche Markt nachhaltig bedient werde.

Tierwohl und Nachhaltigkeit sieht Tönnies als die Kernthemen der kommenden Jahre. Das Schlachtunternehmen ist sich sicher, dass in spätestens fünf Jahren 70 Prozent der angelieferten Schweine aus anerkannten Programmen für Tierwohl und Umweltschutz stammen.

Westfleisch rückt auf Platz 2 vor

Das genossenschaftliche Schlachtunternehmen Westfleisch hat es geschafft, Vion in diesem Jahr von Platz zwei im Schlachthofranking zu verdrängen. Und das, obwohl die Schlachtzahlen leicht um 1,2 Prozent auf 7,7 Mio. Schweine zurückgingen.

Auch bei der Westfleisch konnte die zweite Jahreshälfte die insgesamt nur durchwachsene Bilanz etwas aufpolieren. Kehrseite der guten Exporterlöse in der zweiten Jahreshälfte waren jedoch hohe Rohstoffkosten für die eigene Verarbeitungsindustrie. In der Wurstproduktion würden diese Kosten zu einer unbefriedigenden Ertragssituation führen, so das Schlachtunternehmen.

Vion verliert in Deutschland

Die Schlachtungen des niederländischen Unternehmens Vion an den deutschen Standorten gingen deutlich um 5 Prozent beziehungsweise 400.000 Schweine zurück. Im Ranking liegt Vion nun mit 7,6 Mio. Schweineschlachtungen in 2019 auf Platz 3.

Vor allem an den Schlachtstandorten in den südlichen Bundesländern macht den Einkäufern das durch den rasanten Strukturwandel sinkende Schlachttieraufkommen zu schaffen. In Bayern und Baden-Württemberg ging die Anzahl der Schlachtungen im Jahr 2019 insgesamt um 5,2 Prozent deutlich stärker zurück als im Bundesdurchschnitt.

Weitere Verlierer und Gewinner im Schlachthofranking

Tabelle-Schlachthofranking-ISN-2019

Mit 5,6 Prozent den stärksten Rückgang unter den Top-10-Schlachtunternehmen verzeichnete Danish Crown. Hauptursache war die Einstellung der Schlachtungen im Teterow im August 2019.

Insgesamt behaupten konnten sich die mittelständischen Schlachtunternehmen. So konnten entgegen des Trends die Willms-Gruppe, Manten und Simon-Fleisch wachsen.

ISN-Fazit: Rohstoffsicherung steht auf der Agenda

„Die enorme chinesische Nachfrage nach Schweinefleisch hat bei den führenden Schlachtbetrieben zu positiven wirtschaftlichen Ergebnissen des abgelaufenen Jahres geführt. Die Preise auf dem EU-Binnenmarkt hinkten lange Zeit hinterher, wodurch Betriebe ohne gültige Chinalizenz weniger zufrieden auf das Jahr schauen können“, sagt ISN-Marktexperte Matthias Quaing. Er befürchtet, dass die Schere zwischen den Unternehmen weiter auseinandergeht. Zumal aktuell zusätzliche Lizenzen für neue Betriebe in der Warteschleife hängen würden.

Außerdem findet bei den Schlachtunternehmen laut Matthias Quaing ein Umdenken statt. Das Thema Rohstoffsicherung stände plötzlich ganz oben auf der Agenda. Schließlich seien in 2019 rund 1,7 Mio. Schweine weniger geschlachtet worden. Alle Unternehmen würden deshalb auf Verträge setzen, um sich den Rohstoff Schwein auch am Standort Deutschland zu sichern. "Um zukunftsfähige Lieferanten ist ein Wettbewerb entbrannt", sagt der Marktexperte.

Hier lesen Sie alles zum ISN-Schlachthofranking 2019.

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