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Kartellamt lässt weitere Konzentration des Lebensmittelhandels zu

Real-Filiale in Passau
am Donnerstag, 11.02.2021 - 11:20 (1 Kommentar)

Trotz wettbewerblicher Bedenken will das Bundeskartellamt den Kauf zahlreicher Real-Filialen durch Edeka nicht untersagen. Damit würde der führende Lebensmittelhandelsriese noch größer.

Das Bundeskartellamt in Bonn

Bis zu 72 Real-Standorte will die Edeka-Gruppe der Beteiligungsgesellschaft SCP Retail abkaufen. Das Bundeskartellamt prüft diese Übernahme derzeit. Das vorläufige Ergebnis: bei 44 Filialen hat die Behörde keine Einwände.

Bei den übrigen 28 Standorten bestünden „wettbewerbliche Bedenken“, so das Kartellamt. An diesen Standorten drohe eine „erhebliche Behinderung des wirksamen Wettbewerbs“, falls Edeka zum Zug kommt.

Doch das ist nur die Prüfung auf der Absatzseite, zum Verbraucher hin. Richtig spannend wird es aus Sicht der Land- und Ernährungswirtschaft auf der Beschaffungsseite.

Wettbewerbliche Bedenken auch auf der Einkaufsseite

Und nach vorläufiger Einschätzung hat das Bundeskartellamt auch dort wettbewerbliche Bedenken gegen die Fusion. Trotzdem scheinen diese Bedenken auf der Einkaufsseite für die Behörde kein Anlass zu sein, die Übernahme komplett zu stoppen.

Befragt nach den Konsequenzen, verwies ein Sprecher der Bonner Wettbewerbsbehörde gegenüber agrarheute auf eine Entscheidung vom 22. Dezember 2020: Damals gab das Amt die Übernahme von bis zu 92 Real-Standorten durch Kaufland und weiteren 24 Filialen durch die Globus Warenhausgruppe frei.

Obwohl die Schwarz-Gruppe als Betreiber von Kaufland damit nach Einschätzung des Kartellamtes ihre starke Marktposition im Einkauf von Lebensmitteln weiter ausbauen konnte, wurde die Freigabe unter der Bedingung erteilt, dass SCP Real-Standorte mit einem Beschaffungsvolumen von mindestens 200 Mio. Euro an mittelständische Lebensmitteleinzelhändler abgibt.

Beschaffungsmarkt ist extrem konzentriert

Offenbar soll der Deal Edeka/Real nach demselben Muster vollzogen werden können. Nach Darstellung des Kartellamtes bietet SCP zur Lösung der wettbewerblichen Bedenken an, einen Teil der Real-Standorte an mittelständische Lebensmitteleinzelhändler zu veräußern.

Fakt ist: Die vier Handelsketten Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi vereinen schon jetzt mehr als 85 Prozent des deutschen Einzelhandels mit Lebensmitteln auf sich. Der Beschaffungsanteil von Real, die ehemals zur Metro-Gruppe gehörte, lag insgesamt bei unter 5 Prozent.

Morgen (12.2.) verhandelt der Bundesrat über eine Verschärfung der Bedingungen, unter denen der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) mit seinen Lieferanten verhandeln darf. Grundlage ist die EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP-Richtlinie).

Edeka ist schon jetzt der größte Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland

Die Edeka-Gruppe ist der führende Anbieter im deutschen LEH mit einem Umsatz von 55,7 Mrd. Euro im Jahr 2019. Der Edeka-Verbund umfasst neben der Edeka-Zentrale den Discounter Netto Marken-Discount, sieben Regionalgesellschaften mit Regiebetrieben sowie die neun regionalen Edeka-Genossenschaften angehörenden selbstständigen Einzelhändler.

SCP, die von dem russischen Investmentunternehmen Sistema kontrolliert wird, hat die gesamten Real-Standorte von der Metro erworben; dieses Vorhaben war von der Europäischen Kommission freigegeben worden.

Bis zum 22. März 2021 muss das Bundeskartellamt zu einer abschließenden Einschätzung im Fall Edeka/Real kommen.

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