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Molkerei

Klimaschutz: Arla startet Klimacheck für Landwirte

am Mittwoch, 13.11.2019 - 11:03 (Jetzt kommentieren)

Wer bei Arla am Klimacheck-Programm teilnimmt, bekommt 1 Cent/kg Milch mehr. So funktioniert das Programm ab nächstem Jahr.

Arla- Klimacheck-Milchviehstall

Die europäische Molkereigenossenschaft Arla Foods startet Anfang 2020 ein Klimacheck-Programm für seine 9.900 Arla Landwirte in sieben europäischen Ländern, 1.750 davon in Deutschland. Mit dem neuen Programm soll die Reduzierung von CO2-Emissionen auf den Höfen in den nächsten zehn Jahren deutlich beschleunigt werden. Pro Jahr ist eine Verringerung um drei Prozent angestrebt.

Zudem entsteht einer der weltweit größten digitalen Datensätze von extern verifizierten Klimadaten aus der Milchwirtschaft, mit Hilfe dessen die Arla Landwirte ihre Klimabilanz kontinuierlich verbessern können.

Arla Foods hat es sich zum Ziel gesetzt seine CO2-Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis 2030 um 30 Prozent pro Kilogramm Milch zu senken und bis 2050 auf Netto-Null-Emissionen hinzuarbeiten.

Dabei spielen die Höfe eine wichtige Rolle, da ein großer Anteil der Gesamtemissionen in der Wertschöpfungskette von Milchprodukten von den Milchbetrieben stammt, so das Unternehmen.

Seit 1990 bereits 24 Prozent weniger Emissionen

Seit 1990 haben die Arla-Landwirte ihre Emissionen bereits um 24 Prozent pro Kilogramm Milch gesenkt. "Aber wir sehen auch, dass dies nicht ausreicht. Wie in jeder anderen Branche müssen auch wir mehr tun und schneller handeln”, so Jan Toft Nørgaard, Aufsichtsratsvorsitzender von Arla Foods und dänischer Landwirt.

Die neuen, standardisierten Klimachecks bauen auf einem bereits bestehenden Modell auf, das seit 2013 erfolgreich in Dänemark eingesetzt wurde. Das Verfahren hilft den Landwirten, Emissionen im eigenen Betrieb zu identifizieren und sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche individuellen Maßnahmen sie zur CO2-Reduktion ergreifen können. Das Modell beruht auf der international anerkannten Methode zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks, die von der International Dairy Federationentwickelt wurde.

Landwirte, die das frühere Klimacheck-Programm genutzt haben, konnten ihren CO2-Ausstoß um bis zu vier Prozent pro Jahr senken. Im freiwilligen Programm strebt die Molkerei eine Verringerung um drei Prozent pro Jahr an.

Externe Berater unterstützen Landwirte

Im ersten Schritt des Klimachecks erfassen die Landwirte ihre individuellen Betriebsdaten auf einer digitalen Plattform: von der Herdengröße über die Haltung, die produzierte Milchmenge, den Futterverbrauch, die Futtermittelproduktion, den Energie- und Kraftstoffverbrauch bis hin zur Erzeugung erneuerbarer Energien. So bekommt der Landwirt ein klares Bild seiner gesamten CO2-Emissionen pro Liter produzierter Milch.

Im zweiten Schritt prüft ein externer Berater die Daten, bespricht die Verbesserungsmöglichkeiten mit dem Landwirt und erarbeitet konkrete Maßnahmen. Diese können etwa in einer veränderten Futterzusammensetzung bestehen, wodurch sich die ausgeschiedenen Gase bei Kühen verringern lassen. Auch der optimierte Einsatz von Gülle hilft die CO2-Emissionen eines Hofes zu reduzieren, z.B. wenn Gülle in einer Biogasanlage verwendet wird, die dann erneuerbare Energie liefert. Die Kosten für den externen Berater übernimmt die Molkerei.

1 Cent/kg mehr für die Teilnahme

Ordner Milchgeldabrechnung mit Münzen

Um die Landwirte bei der Verwendung des neuen Klimachecks zu unterstützen, hat der Aufsichtsrat von Arla entschieden, dass Landwirte, die 2020 an dem Programm teilnehmen, eine zusätzliche Vergütung von einem Eurocent pro Kilogramm Milch erhalten. Der Zuschlag ist laut Arla zunächst auf ein Jahr begrenzt.

Diese Maßnahme zeigt, welchen Stellenwert das Programm für das Unternehmen hat. Aufsichtsratschef Jan Toft Nørgaard erwartet, dass die überwiegende Mehrheit der Arla-Landwirte am freiwilligen Klimacheck teilnimmt und so die Reduzierung der CO2-Emissionen beschleunigt wird.

Den Zuschlag von einem Cent erhalten Landwirte unabhängig davon, ob Landwirte in 2020 das Ziel von einer Minderung der CO2-Emissionen um drei Prozent erreichen, teilt die Molkerei auf agrarheute-Nachfrage mit.

Daten gehen auch an Forscher

Mit den Daten von potenziell 9.900 europäischen Arla Milchbetrieben erfasst Arla einen der weltweit größten Sätze von extern verifizierten Klimadaten aus der Milchwirtschaft.

Dies wird nicht nur die Grundlage für die Verbesserung in den eigenen Betrieben auch mittels Benchmarking sein, sondern ist darüber hinaus ein erster Schritt zu etwas noch viel Größerem: „Die Daten werden genutzt, um in Zusammenarbeit mit dem Agrarsektor und Forschungseinrichtungen mehr Wissen zu erlangen und zu wissenschaftlich-basierten Lösungen zu kommen. Dies ist essenziell wichtig bei der Entscheidung, welche Maßnahmen uns im Kampf gegen den Klimawandel weiterbringen", sagt Jan Toft Nørgaard.
 

Weniger als 1 kg CO2 pro kg Milch ist überdurchschnittlich

Dass die Arla Landwirte bereits heute zu den klimafreundlichsten Milchbauern der Welt zählen, zeigen viele Best Practice Beispiele wie das von Arla Landwirt Manfred Graff, der seinen Betrieb mit rund 250 Milchkühen in der Nordeifel, Nähe Aachen hat. Dank einer Biogasanlage wird der Kuhmist besonders umweltverträglich genutzt und in wertvolle Energie umgewandelt.

Dadurch arbeitet der Betrieb bei Strom und Wärme völlig autark und speist jährlich noch 3,4 Mio. kWh ins öffentliche Stromnetz ein. Und auch in vielen anderen Bereichen ist der Betrieb auf nachhaltiges und umweltfreundliches Wirtschaften ausgerichtet.

Das zeigt sich auch im Ergebnis des Klimachecks von Manfred Graff, den er in einer Pilotphase kürzlich durchgeführt hat. Mit 0,92 kg CO2 pro kg Milch liegt er unter dem Arla Durchschnitt von 1,15 kg CO2e pro kg Milch. Zum Vergleich: Der globale Durchschnitt in der Milchproduktion liegt bei 2,5 kg CO2e pro kg Milch.

„Der Klimacheck hat mir detailliert gezeigt, in welchen Bereichen wir bereits sehr gut aufgestellt sind und wo wir noch besser werden können. Besonders beim Futtermanagement haben wir noch Verbesserungspotenzial, das wir jetzt angehen. Dank der Klimachecks können wir Arla Landwirte individuelle Lösungen für unsere Betriebe erarbeiten und unseren positiven Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten“, so Manfred Graff, der als deutscher Vertreter auch im Aufsichtsrat von Arla Foods sitzt.

Verpackungsumstellung spart CO2

Neben den Maßnahmen zur CO2-Reduktion auf den Arla Höfen, verfolgt Arla zahlreiche Initiativen in seiner gesamten Wertschöpfungskette von der Produktion, über die Logistik bis zum Vertrieb, um noch klimafreundlicher zu produzieren.

So stellt das Unternehmen etwa bis Ende dieses Jahres europaweit 600 Millionen Frischmilchverpackungen auf biobasierte Materialien um und macht 560 Millionen Becher recyclebar, die für Produkte wie Joghurt und Sahne eingesetzt werden.

Dabei entfallen 205 Millionen Becher auf den deutschen Markt. Mit beiden Maßnahmen werden insgesamt 7.330 Tonnen CO2-Emissionen eingespart. Bis 2030 sollen die Emissionen, die allein auf Verpackungen zurückzuführen sind, jährlich um rund 8.000 Tonnen CO2 gesenkt werden.

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