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Grüne Woche 2020

Klimaschutz und Tierwohl: Der Verbraucher hat es in der Hand

IGW-2020-Eröffnungspressekonferenz
am Mittwoch, 15.01.2020 - 12:49 (1 Kommentar)

Der Verbraucher hat es in der Hand darüber zu entscheiden, wie Lebensmittel produziert und Tiere gehalten werden. Diese Botschaft ging heute von der Eröffnungspressekonferenz zur Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin aus.

Christoph Minhoff, BVE-Hauptgeschäftsführer

„Jeder kann seinen Lebensstil im Supermarkt verwirklichen“, sagte Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Dabei legte Minhoff Wert auf die Feststellung, dass dies keine Frage von „Schuld“ des Verbrauchers sei, sondern eine Chance, sich für Weidemilch oder dagegen zu entscheiden, für mehr Tierwohl oder dagegen.

„Entscheidend ist die Bereitschaft der Verbraucher, für die Qualität der Lebensmittel zu zahlen; das bleibt eine große Herausforderung“, sagte Minhoff.

Der BVE-Hauptgeschäftsführer zeigte sich beeindruckt von der Entschlossenheit der deutschen Landwirte, ihre Interessen durch die anhaltenden Proteste in die großen Städte zu tragen. „Sie haben unsere volle Solidarität“, versicherte Minhoff.

Rukwied: Landwirtschaft in bewegten Zeiten

Joachim Rukwied, DBV-Präsident

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, unterstrich mit Blick auf die verschiedenen Gruppierungen, die im Laufe der Woche Demonstrationen in Berlin und bundesweit angekündigt haben: „Wir können unsere Ziele nur gemeinsam erreichen.“ Die Politik sei als Mittler und Entwickler von Lösungen gefordert.

„Landwirtschaft durchlebt aktuell wirklich bewegte Zeiten“, stellte Rukwied fest. Sie sei Thema der gesellschaftlichen Diskussion. Die Grüne Woche als das „Davos“ der Landwirtschaft sei die ideale Plattform, um diese gesellschaftliche Diskussion voranzubringen.

Grüne Woche ist auf Rekordkurs

Die Grüne Woche, die in diesem Jahr zum 85sten Mal stattfindet, steuert nach den Worten von Dr. Christian Göke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin GmbH, auf Rekordkurs. Mit der bislang höchsten Beteiligung präsentieren sich vom 17. bis 26. Januar über 1.800 Aussteller aus 72 Ländern.

Wie nie zuvor steht die Messe mit zahlreichen Ausstellungsbeiträgen und Konferenzen im Zeichen der Klimadebatte. Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und umweltfreundliche Produktionsverfahren sind die Trendthemen. Partnerland ist Kroatien, das seit Anfang des Jahres die EU-Präsidentschaft innehat. Auch die Bewegung „Fridays for Future“ ist mit einem Infostand vertreten. Die Messe Berlin erwartet insgesamt rund 400.000 Fach- und Privatbesucher.

Über 70 Landwirtschaftsminister aus aller Welt kommen nach Berlin

Höhepunkt bei den mehr als 300 messebegleitenden Fachveranstaltungen ist das 12. Global Forum for Food and Agriculture (GFFA, 16.-18.1.), das vom Bundeslandwirtschafts-ministerium ausgerichtet wird. Das Leitthema lautet „Nahrung für alle! Handel für eine sichere, vielfältige und nachhaltige Ernährung“.

Über 70 Landwirtschaftsminister sowie mehr als 2.000 Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft werden zu der weltweit bedeutendsten agrarpolitischen Konferenz erwartet.

Stimmung auf dem Tiefststand

Konjunkturbarometer Agrar Dezember 2012

In der Eröffnungspressekonferenz wies DBV-Präsident Rukwied auf die eingetrübte Stimmung in der Landwirtschaft hin. Im vergangenen Wirtschaftsjahr seien die Einkommen der Landwirte um 18 Prozent gesunken, erinnerte er.

Nach den aktuellen Ergebnissen des Konjunkturbarometers Agrar für den Monat Dezember hat sich die Stimmungslage der Landwirte noch weiter verschlechtert. Mit einem Indexwert von nur 8,2 Punkten wird die Lage sehr ungünstig beurteilt.

Deutlich verschlechtert haben sich die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung. Sie haben mit einem Wert von 3,34 auf der Notenskala von 1 bis 5 einen bislang noch nicht gekannten Tiefstwert erreicht.

Für Investitionen fehlt es vor allem an Planungssicherheit

„Neben einer schwierigen wirtschaftlichen Lage belegen diese Ergebnisse vor allem eine hochgradige Verunsicherung in der Landwirtschaft“, sagte Rukwied. Jeder, der etwas unternehmen wolle, brauche verlässliche Rahmenbedingungen, um Zukunftsinvestitionen tätigen zu können. Darauf müsse die Politik ausgerichtet werden“, so der Bauernpräsident. Gerade in neue Ställe müsse investiert werden, doch hier sei die Bereitschaft der Landwirte zu Investitionen sehr verhalten mangels Planungssicherheit.

Laut dem Konjunkturbarometer will nur ein Drittel der Landwirte im ersten Halbjahr 2020 investieren. Das für die nächsten sechs Monate geplante Investitionsvolumen liegt mit 3,8 Milliarden Euro um 0,5 Milliarden Euro unter dem entsprechenden Vorjahresstand.

Ernährungsindustrie mit stabiler Konjunktur

Deutlich bessere Zahlen konnte BVE-Hauptgeschäftsführer Minhoff für die Ernährungsindustrie vorlegen. Nach einer Prognose der vorläufigen Jahresergebnisse 2019 stieg der Umsatz der Branche im Vorjahresvergleich um 2,2 Prozent auf 183,6 Milliarden Euro. Damit stabilisierte sich die Branchenkonjunktur weiter auf hohem Niveau trotz eindeutiger Anzeichen eines gesamtwirtschaftlichen Abschwungs.

Besonders erfreulich entwickelte sich das Auslandsgeschäft. Nach einem Rückgang in 2018 konnten die Umsätze 2019 mit 61,4 Milliarden Euro um 3,2 Prozent gesteigert werden. Auch das Inlandsgeschäft ist weiterhin im Plus. Mit 122,2 Milliarden Euro konnte der Umsatz in Deutschland leicht erhöht werden.

Minhoff erläuterte, insbesondere die Exporte nach Asien sorgten für die positive Entwicklung des Auslandsgeschäfts. Schwierig sei und bleibe die Geschäftslage besonders in den USA und Großbritannien. Minhoff unterstrich die dringende Notwendigkeit, im Lauf des Jahres ein Handelsabkommen mit Großbritannien für die Zeit nach dem Brexit auszuhandeln.

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