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Umfrage zum Klimawandel

Klimawandel: Ist der Mensch die Ursache oder nicht?

Sturm Feld
am Montag, 23.09.2019 - 13:30 (Jetzt kommentieren)

Eine internationale Umfrage zeigt: Viele halten den Klimawandel nicht für überwiegend menschgemacht.

Am Wochenende hat in New York die UN-Klimakonferenz begonnen. Im Vorfeld hat das internationale Marktforschungsinstitut You-Gov rund 30.000 Menschen in 28 Ländern befragt. Ergebnisse sind: Die Einschätzung der Menschen zum Klimawandel und zu seinen Ursachen und den Folgen weicht zum Teil deutlich voneinander ab.

Überraschend ist: Die Zahl der Skeptiker ist ganz offensichtlich größer als es im ersten Moment erscheint. Dabei gibt es sowohl in den Schwellenländern große Unterschiede als auch in den entwickelten Industrieländern bzw. in West- und Nordeuropa. Auch in Deutschland gibt es nach den Daten der Befragung deutlich mehr Skeptiker als man nach den jüngsten Klimastreiks erwarten konnte.

Nur knapp die Hälfte der Deutschen glaubt nämlich, dass der Klimawandel ganz überwiegend durch menschliche Aktivitäten verursacht wird. Damit liegt man etwa im internationalen Mittelfeld. In Skandinavien und auch in den USA sind es noch deutlich weniger.

Deutschland: Zustimmung geteilt

Überflutung

Zunächst einmal stellt Studie fest: Der Klimawandel war noch nie so fest im öffentlichen Bewusstsein verankert wie heute. Auch die Anerkennung der aktiven Rolle der Menschen im Klimawandel ist weit verbreitet. Das der Klimawandel stattfindet und die Menschheit zumindest teilweise mitverantwortlich ist, ist die Ansicht der Mehrheit auf der ganzen Welt.

Dies gilt jedoch nicht für die Frage ob der Mensch der Haupt- oder alleinige Verursacher des Klimawandels ist. Hier sind die Abweichungen der Meinungen in den Weltregionen und Ländern überraschend groß. Weltweit am höchsten ist die Zustimmung zu der Frage, ob hauptsächlich der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist, mit 71 Prozent in Indien. Von den Europäern weisen die Spanier mit 69 Prozent und die Italiener mit 66 Prozent die höchsten Zustimmungsraten auf.

Im Vereinigten Königreich glauben 51 Prozent der Befragten, dass der Mensch hauptsächlich Schuld am Klimawandel hat. In Deutschland stimmten dieser Frage nur 49 Prozent der Bevölkerung - also knapp die Hälfte - uneingeschränkt zu. Weitere 36 Prozent der Deutschen glauben, dass der Klimawandel neben dem Menschen auch natürliche Ursachen hat. Weitere 7 Prozent sind überzeugt, dass der Mensch keinen Einfluss hat – oder das es den Klimawandel gar nicht gibt.

Skandinavier am skeptischsten

Am skeptischsten sind in Europa offenbar die Skandinavier. In Dänemark stimmen nur 40 Prozent der Frage zu dass der Mensch der Hauptverantwortliche ist, in Schweden sind es 36 Prozent und in Norwegen liegt die Zustimmung zu dieser Frage nur bei 35 Prozent. Immerhin 48 Prozent der Norweger glauben aber, dass der Mensch und auch natürliche Ursachen verantwortlich sind.

Auch in den USA ist die Zustimmung zum menschgemachten Klimawandel mit 36 Prozent sehr gering. In China sind immerhin  noch 45 Prozent der Bevölkerung vom menschgemachten Klimawandel überzeugt.

Je nach Land glauben nur zwischen 0 Prozent und 6 Prozent der Menschen, dass überhaupt kein Klimawandel stattfindet. Zwischen 1 Prozent und 9 Prozent in jeder Nation sagen, dass zwar Klimawandel stattfindet, aber dass er nichts mit der Menschlichen Aktivität zu tun hat. Beide Aussagen sind in den USA am stärksten vertreten.

Auswirkungen auf den Alltag

Dürre Staub

Die meisten Menschen erwarten zudem, dass der Klimawandel große oder zumindest spürbare Auswirkungen auf ihr Leben hat und haben wird. Auch hier gibt jedoch eine bemerkenswerte Kluft zwischen den Ländern. In den Ländern des Ostens und des Nahen Ostens ist die Erwartung, dass der Klimawandel große Auswirkungen hat, sehr viel höher als in den westlichen Ländern.

So rechnen 75 Prozent der Philipinos und 65 Prozent der Katarer damit, dass ihr Leben in großem Umfang gestört wird (die höchste Rate in Asien bzw. im Nahen Osten). In Europa ist Spanien mit 32 Prozent der Befragten die am meisten besorgte Nation. Die geringsten Auswirkungen befürchten die Menschen in den nordischen Ländern. Hier sind nur 10 Prozent bzw. 14 Prozent der Befragten der Ansicht, dass der Klimawandel ihr Leben erheblich stören wird.

In Deutschland erwarten gerade einmal 16 Prozent der Menschen größere Störungen ihres Lebens, in den USA sind es immerhin 24 Prozent und in China 26 Prozent.

Wirtschaftskrisen, Vertreibung, Kriege

Außerdem wurden den Menschen auch einige schlimme Szenarien des Klimawandels vorgestellt. Sie wurden gefragt, ob sie dies für wahrscheinlich halten oder nicht.

Die Mehrheit in allen Ländern glaubt, dass der Klimawandel folgende Auswirkungen hat: schwerwiegende Schäden für die Weltwirtschaft; Städte, die durch steigende Meeresspiegel verloren gehen; Massenvertreibung von Menschen aus einigen Teilen der Welt in anderen; und auch kleinere Kriege.

Die Ergebnisse sind uneinheitlich, wenn es um die Möglichkeit geht, dass der Klimawandel zu einem neuen Weltkrieg oder zum Aussterben der Menschen führt. Es bleibt jedoch vielen Ländern eine Mehrheitsauffassung, dass ein neuer Weltkrieg oder ein Aussterben der Menschen möglich ist. In den meisten westlichen Ländern  wir dass jedoch für weniger wahrscheinlich gehalten als in den Schwellenländern.

Noch ist es nicht zu spät

Obwohl diese Erwartungen sehr bedrohlich sind, sind die meisten Menschen der Ansicht, dass die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels noch abgewendet werden können. Allerdings hält man dafür dramatische Maßnahmen für erforderlich. Am geringsten ist die Zustimmung zu  dramatischen Maßnahmen mit 50 Prozent in den USA und am höchsten mit 82 Prozent in Spanien.  

In Deutschland halten 57 Prozent der Menschen drastische Maßnahmen für erforderlich. Finnen und Schweden sind am ehesten der Meinung, dass die schlimmsten Auswirkungen vermieden werden können, wenn man den aktuellen Kurs beibehält (21%), während Inder (22 %) und Franzosen (20 %) am ehesten der Ansicht sind, dass nichts unternommen werden kann, um das Worst-Case-Szenario zu verhindern.

In Deutschland glaubten 14 Prozent der Befragten, dass die bisherigen Maßnahmen ausreichen und weitere 14 Prozent glauben, dass es zu spät ist etwas zu tun.

Agrarheute hat seine Leser gefragt:

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