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Milchwirtschaft

Kommt das „QM Milch“-Siegel auf die Milchtüte?

Milchkühe fressen im Stall
am Freitag, 25.10.2019 - 13:09 (1 Kommentar)

Einzelhandel und Milchwirtschaft verhandeln über mehr Transparenz und Kommunikationsmaßnahmen. Bis Weihnachten soll Klarheit herrschen.

Die Milchwirtschaft steht vor einschneidenden Veränderungen. Antreiber ist – einmal mehr – der Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Den Handelsriesen geht es vor allem um mehr Transparenz und Nachhaltigkeit. Dazu will der LEH künftig durch eine Mitgliedschaft im QM Milch mitreden.

Die Milchwirtschaft ihrerseits ringt um eine gemeinsam finanzierte Branchenkommunikation. Zurzeit laufen auf mehreren Ebenen Verhandlungen und Gespräche zwischen den Verbänden der Landwirtschaft, der Milchindustrie und des Handels. Bis Weihnachten hofft der Milchsektor auf einen Durchbruch. Zur Internationalen Grünen Woche in Berlin im Januar 2020 soll die Branchenstrategie Milch dann vorliegen.

Gelder aus den Ländern zentral bündeln

MIV-Vorsitzender Peter Stahl

Der heute wiedergewählte Vorsitzende des Milchindustrie-Verbandes (MIV), Peter Stahl, ließ bei einem Pressegespräch in Frankfurt am Main durchblicken, wohin die Reise geht: Ein wesentlicher Bestandteil der Branchenstrategie soll die Übereinkunft sein, für Milch und Milchprodukte gemeinsam finanzierte Kommunikationsmaßnahmen aufzulegen. Dazu sollen die derzeit zum Beispiel bei den verschiedenen milchwirtschaftlichen Organisationen in Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen dezentral geführten Mittel auf einer breiteren Plattform gebündelt werden.

MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser bezifferte das Volumen der dezentral verwalteten Gelder auf insgesamt 30 Mio. Euro.

Den Verbraucher informieren und aufklären

Ziel der gemeinsamen Branchenkommunikation soll sein, den Verbraucher faktenbasiert über die Milchproduktion in Deutschland und die Bedeutung von Milch in der Ernährung aufzuklären. Damit soll unter anderem ein Gegengewicht zur Diskreditierung von Milch durch die Hersteller von Ersatzprodukten und durch Nichtregierungsorganisationen geschaffen werden. Als Beispiel für eine erfolgreiche Maßnahme nannte der MIV den "Dialog Milch" der Landesvereinigungen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Handel will das QM-Siegel auf der Milchverpackung

Hochwald-Trinkmilch

Der Einzelhandel drängt die Milchwirtschaft zudem, Milchprodukte für den Verbraucher künftig mit einem „QM Milch“-Siegel zu kennzeichnen, ähnlich der Auszeichnung mit dem QS-Prüfzeichen beim Fleisch.

Auch darüber hinaus will der Lebensmittelhandel das QM Milch ähnlich weiterentwickeln wie das QS-Prüfsystem: Auf der Wunschliste der Handelsriesen steht die Teilnahme aller Milcherzeuger an Datenbanken zur Erfassung des Antibiotikaeinsatzes und der Schlachtbefunddaten.

Bisher gehört der Einzelhandel nicht zu den Mitgliedsverbänden der Organisation QM Milch. Doch das dürfte sich ändern. „Wir wollen den Handel mit ins Boot nehmen“, sagte MIV-Hauptgeschäftsführer Heuser.

Auch die Haltungsform kennzeichnen?

Die Forderung des Einzelhandels nach einer Haltungskennzeichnung von Trinkmilch dürfte allerdings kaum zu erfüllen sein. Anders als beim Frischfleisch wäre bei Milchprodukten nur mit einer getrennten Sammlung und Verarbeitung der Rohmilch eine Rückverfolgbarkeit zum Einzelbetrieb aufzubauen. Doch dieser Aufwand wäre unverhältnismäßig hoch, würde der Nachhaltigkeit widersprechen und dürfte kaum über den Verbraucherpreis zu finanzieren sein.

„Rückverfolgbarkeit zum Einzelbetrieb ist nicht leistbar“, sagt denn auch Peter Stahl. Allerdings will die Milchindustrie gemeinsam mit dem Handel einheitliche Minimalstandards definieren, die für alle Betriebe gelten sollen. Der Einzelhandel drängt beispielsweise auf Angaben zur Haltungsform, um diese auf den Produkten kennzeichnen zu können. Stahl sagt: „Wir diskutieren derzeit mit dem Handel, wie hier praxistaugliche Lösungen aussehen können.“

Kommentar

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