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Milchpreise

Bei Konsummilch droht im Einzelhandel ein neuer Preiskrieg

Verbraucherin kauft Trinkmilch im Supermarkt
am Freitag, 06.03.2020 - 10:47 (2 Kommentare)

Trotz Gipfel im Kanzleramt: Der Lebensmitteleinzelhandel erhöht massiv den Druck auf die Preise für Konsummilch.

Die Zeichen stehen auf Sturm: Die aktuellen Kontraktverhandlungen und Preisbewegungen bei Konsummilch lassen für die Milchbauern nichts Gutes erwarten.

Wie der Verband der Milcherzeuger Bayerns (VMB) berichtet, hat Edeka Südbayern in den vergangenen Wochen ein ungeschriebenes Gesetz des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) gebrochen und bei Trinkmilch den Aldi-Preis dauerhaft unterboten.

Das scheint nicht ohne Folgen zu bleiben. Nach einem Bericht der Lebensmittel-Zeitung fordert der Chefeinkäufer von Aldi Global Sourcing, Nicholas Bond, von den Molkereien rigoros Preissenkungen für frische Milchprodukte.

Edeka Südbayern ärgert das Aldi-Imperium

Aldi Nord Logo

Laut VMB senkte Edeka Südbayern Anfang Februar den Verbraucherpreis für länger haltbare Frischmilch (ESL) von 73 auf 71 Cent je Liter. Damit unterschritt die Edeka-Regionalgesellschaft den Signalpreis von Aldi, der seit November vergangenen Jahres 73 Cent beträgt.

Üblicherweise unterbieten die Konkurrenten das Aldi-Preisniveau nicht oder allenfalls für kurzfristige Rabattaktionen. Edeka Südbayern verkauft die Vollmilch nun aber bereits mehr als einen Monat um 2 Cent billiger, und das sind im knauserigen LEH Welten.

Wiedereinlistung durch Preiszugeständnisse erkauft?

Der VMB spekuliert, die ungewöhnliche Preissenkung könnte mit einem Wechsel des Lieferanten von Edeka Südbayern zusammenhängen. Bis Mitte 2019 wurde der Händler nach VMB-Informationen von der Kohrener Landmolkerei aus Sachsen beliefert. Die kleine Molkerei wurde im Juli 2019 jedoch insolvent. Daraufhin übernahm das Deutsche Milchkontor (DMK) die Belieferung von Edeka Südbayern.

Im Herbst listete Edeka Südbayern laut VMB aber bereits wieder die Milch der Kohrener Landmolkerei ein, die von einem Investor aus dem Allgäu fortgeführt wird. Zu den neuen Geschäftsführern der Molkerei zählt der in der Milchwirtschaft bekannte Manager Rüdiger Fricke.

„Ob die Wiedereinlistung der Kohrener Landmolkerei mit ESL-Milch bei Edeka Südbayern Anfang Februar mit einem niedrigeren Abgabepreis erreicht wurde, ist natürlich von außen betrachtet reine Spekulation. Der zeitliche Zusammenhang zwischen Wechsel des Zulieferers von ESL-Milch an Edeka Südbayern und der beschriebenen Preisrücknahme ist aber unbestritten“, hält der Verband der Milcherzeuger Bayerns fest.

Merkels Appell an die Verantwortung verpufft ungehört

Der Discounter Aldi lässt Entwicklungen im Markt, die seine Position als Preisführer infrage stellen, normalerweise nicht unbeantwortet. Daher passt es ins Bild, wenn der Verhandlungsstil ruppiger wird.

Ohnehin hat die Verhandlungsmacht des Discountriesen durch die Bündelung des Einkaufs von frischen Milchprodukten für Aldi Nord und Süd in „Aldi Global Sourcing“ nochmals zugenommen. Der LZ zufolge will Aldi die Verhandlungen mit den Molkereien früher als sonst beenden. Offenbar setzt der Handelsriese darauf, die aktuelle Verunsicherung am Weltmilchmarkt durch das Coronavirus zu seinen Gunsten zu nutzen. Marktbeobachter erwarten einen Abschluss möglicherweise schon in der kommenden Woche.

Die Entwicklung zeigt eines jedenfalls glasklar: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die LEH-Manager beim Gipfel Anfang Februar im Kanzleramt vergeblich an ihre Verantwortung für die Wertschöpfung in der Lebensmittelkette erinnert.

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