Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Schweinemarkt

Nach Krisenjahr auf dem Schweinemarkt: Tönnies zieht Bilanz

Logo der Tönnies-Zentrale in Rheda-Wiedenbrück
am Donnerstag, 01.04.2021 - 11:03 (Jetzt kommentieren)

Von der Corona-Pandemie und der Afrikanischen Schweinepest (ASP) gezeichnet war Tönnies‘ Geschäftsjahr 2020. Die größte Herausforderung der Unternehmensgeschichte habe der Konzern aber gut bewältigen können.

In seiner Pressemitteilung zur Jahresbilanz 2020 verkündet Tönnies, dass der Jahresumsatz im Vergleich zu 2019 um drei Prozent gesunken ist und bei etwas mehr als 7 Mrd. Euro lag. Verantwortlich für die rückläufige Entwicklung war vor allem der gegenüber 2019 um durchschnittlich 9,3 Prozent niedrigere Schweinepreis. Pro Kilogramm Schachtgewicht bewegte sich der Preis im letzten Jahr zwischen 1,19 und 2,02 Euro.

Doch auch die vierwöchige Werkstilllegung am Hauptstandort in Rheda-Wiedenbrück führte zu Einbußen. Darüber hinaus bereitete der coronabedingte Lockdown in der Gastronomie Probleme.

Die Ankunft der ASP in Deutschland machte sich für Tönnies durch einen stark eingeschränkten Export in Drittländer bemerkbar.

Konzentriert habe sich die schwächere Bilanz auf die zweite Jahreshälfte.

Produktionssteigerungen an den internationalen Standorten

Der geschäftsführende Gesellschafter Clemens Tönnies berichtete, dass 28 der insgesamt 29 Produktionsstandorte „ein ordentliches Jahr hatten“. So wurden in Dänemark, Spanien, Großbritannien und Polen 17 Prozent mehr Schweine verarbeitet als im Vorjahr. Das entsprach einer Anzahl von 4,5 Mio. Tieren.

In Deutschland dagegen wurden wegen der Schließung des Hauptwerks zwei Prozent weniger Schweine verarbeitet als 2019. Die Zahl der in Deutschland verarbeiteten Tiere lag bei 16,3 Mio.

Tönnies teilte mit, seine internationale Wachstumsstrategie weiter fortsetzen zu wollen. So sollen in die Standorte in Großbritannien 25 Mio. Euro investiert werden. Dort sei Tönnies mit einem Umsatz von über 500 Mio. Euro bereits in vielen Segmenten Marktführer.

Im Hinblick auf die Entwicklung des deutschen Markts betonte Dr. Wilhelm Jaeger, Leiter der Abteilung Landwirtschaft, dass das Unternehmensziel, die Haltungsstufe 2 als Standard in den Supermärkten einzuführen, nahezu erreicht sei. Bis Juni 2021 soll der Standard vollständig eingeführt sein. Tönnies setze sich für die Ziele der Borchert-Kommission ein.

Weniger Rinder verarbeitet

An seinen deutschen Standorten habe Tönnies im vergangenen Jahr 420.000 Rinder verarbeitet. Gegenüber 2019 entspricht dies einem Minus von vier Prozent. Im Rinderbreich sei für Tönnies vor allem der Foodservice mit Lieferungen in europäische Länder, die ebenfalls vom Lockdown betroffen waren, von Bedeutung.

Im niedersächsischen Badbergen habe ein neues Rindfleischkompetenzzentrum die Arbeit begonnen. 85 Mio. Euro habe das Unternehmen in den Standort investiert und dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die Digitalisierung gelegt. „Die Automatisierungsquote ist enorm hoch, so dass weniger als 500 Mitarbeiter am Standort das Unternehmen tragen“ sagt Ulrich Steinemann, Geschäftsführer der Sparte Beef.

Wachstumspotenzial auch bei Bio- und Fleischersatzprodukten

Gute Wachstumschancen sehe der Konzern aber auch auf dem Biomarkt, den er bereits anführe. In den Biomarkt wolle Tönnies weiter investieren. „Wenn der Verbraucher durch ein Umdenken stärker Bio-Produkte nachfragt, liefern wir“, heißt es von der Unternehmensleitung.

Darüber hinaus bietet Tönnies mit seinen Marken „es schmeckt“, „Vevia“ oder „Gutfried veggie“ ein Angebot für vegetarische und vegane Fleischersatzprodukte. Diese werden in einem eigenen Produktionswerk in Böklund hergestellt. Demnächst soll die Fläche dieses Werks verdoppelt werden.

Mit Material von dpa

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...