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Nach Kritik an Tierwohl: Westfleisch geht in die Offensive

Nahaufnahme eines Schweins
am Montag, 21.11.2022 - 11:14 (Jetzt kommentieren)

Der Schlachtkonzern Westfleisch hat ein Sechs-Punkte-Programm zur Verbesserung des Tierwohls vorgelegt. Landwirte müssen mit mehr Kontrollen und härteren Konsequenzen rechnen – bis zum Rauswurf als Zulieferer.

Westfleisch will der Tiergesundheit und dem Tierwohl künftig mehr Aufmerksamkeit schenken. Dazu stellte Vorstand Michael Schulze Kalthoff jetzt die „Offensive Tiergesundheit“ vor.

Das Unternehmen reagiert damit auf Berichte über ernste Tierschutzverstöße in Ställen von Landwirten, die Schweine an Westfleisch liefern. Die Videoaufnahmen des Deutschen Tierschutzbüros wurden den Redaktionen von ZDF frontal und Der Spiegel im September zugespielt. In einer ersten Reaktion hatte sich der Konzern betroffen geäußert zu den Bildern. Jetzt zieht das Schlachtunternehmen organisatorische Konsequenzen.

Befunddaten der Schlachtschweine werden genauer analysiert

Das Sechs-Punkte-Programm der „Offensive Tiergesundheit“ setzt sich aus diesen Handlungsfeldern zusammen:

  1. Für die Zusammenarbeit der Landwirte mit ihren Hoftierärzten werden verbindlichere Vorgaben vertraglich geregelt, einschließlich einer engeren Kontrolldichte.
  2. Der Informationsaustausch mit den amtlichen Veterinären sowohl bei Westfleisch als auch bei den Zulieferern soll verbessert werden.
  3. Die Befunddaten der Schlachttiere werden stärker nach tierwohlrelevanten Kriterien beurteilt. Bisher werden sie alle gleich gewichtet.
  4. In den Westfleisch-Werken werden mehr Kameras und Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz kommen, um mehr Befunddaten automatisiert sammeln und auswerten zu können.
  5. Landwirte, die an Westfleisch liefern, werden stärker kontrolliert, beraten und ermahnt. Wenn nach intensiver Beratung keine zufriedenstellende Besserung eintritt, will Westfleisch sich künftig von solchen Lieferanten trennen.
  6. Als ständiger Ansprechpartner für Landwirte, aber auch alle anderen an der Kette Beteiligten, wird ein Ombudsmann eingerichtet. Der Ombudsmann wird als unabhängiger Dritter in Problemsituationen als Vertrauensperson zur Verfügung stehen.

"Den Blick auf das einzelne Tier schärfen"

Ziel der Initiative ist, dass Westfleisch landwirtschaftliche Betriebe künftig besser präventiv berät, sensibilisiert und noch stärker unterstützt, sagte Schulze Kalthoff.

Für Dr. Martina Oetjen, Tierärztin und Leiterin des Qualitätsmanagements von Westfleisch, geht das Unternehmen einen entscheidenden Schritt, um in allen Ställen ein höheres Tierwohl zu erreichen. „Mit unseren konsequenten Maßnahmen werden wir den Blick und die Sinne aller Beteiligten auf jedes einzelne Tier weiter schärfen“, sagte Dr. Oetjen.

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