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Betriebsmittel

Landwirte kaufen deutlich weniger Pflanzenschutz- und Düngemittel

Behandlung von Weizen
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
08.05.2019

Bedingt durch den Dürresommer haben die deutschen Landwirte 2018 deutlich weniger Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger gekauft.

Wie der Industrieverband Agrar (IVA) heute in Frankfurt mitteilte, ging der Nettoumsatz mit Pflanzenschutzmitteln in Deutschland 2018 um 7,4 Prozent auf 1,28 Mrd. Euro zurück.

Wesentlicher Grund waren die Dürre und die damit verbundenen schlechten Ertragserwartungen der Landwirte. Zudem war der Krankheitsdruck im Getreide im langjährigen Vergleich eher gering.

Der Pflanzenschutzmarkt erlitt damit den vierten Rückgang in Folge. Gemessen am bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2014 ist das Volumen um 20 Prozent geschrumpft und fiel unter das Niveau des Jahres 2011.

Nach Angaben von IVA-Präsident Dr. Helmut Schramm ist eine Trendwende weiterhin nicht in Sicht. Das erste Quartal 2019 liegt erneut unter der Vorjahreslinie. Schramm äußerte allerdings die Hoffnung, dass sich das Geschäft im weiteren Verlauf der Vegetationsperiode normalisiert.

Weniger Pilzdruck reduziert den Fungizidbedarf

Pflanzenschutzmarkt_2018__IVA

Trockenheitsbedingt war der Pilzdruck 2018 gering. Daher ging der Umsatz mit Fungiziden mit einem Minus von 12,3 Prozent am stärksten zurück auf 499 Mio. Euro. Allein der Marktwert der Getreidefungizide sank um etwa 16 Prozent. Der Witterung entsprechend, war das Minus im Norden stärker als im Süden. Schramm wertet das als Beleg dafür, dass die Landwirte nach dem Schadschwellenprinzip entscheiden und Pflanzenschutz gezielt einsetzen.

Bei den Herbiziden betrug der Rückgang 4,4 Prozent auf 568 Mio. Euro. Die Herbstbehandlungen blieben wegen der anhaltenden Trockenheit hinter denen der Vorjahre zurück. Allerdings wuchs der Markt für Rübenherbizide aufgrund der größeren Anbaufläche. Auch der Markt für Maisherbizide wuchs mit der Fläche, während bei den Rapsherbiziden ein Rückgang zu beobachten war.

Der Insektizidumsatz lag mit 132 Mio. Euro um 3,1 Prozent über dem Vorjahr. Der Markt für Rapsinsektizide sank im Frühjahr 2018. Getreide musste stärker vor Läusen geschützt werden.

 

Schramm: UBA beschreitet rechtswidrigen Sonderweg

Schramm kritisierte nachdrücklich die vom Umweltbundesamt (UBA) ab 2020 geforderte Auflage, 10 Prozent der Flächen nur eingeschränkt zu bewirtschaften, wenn der Landwirt bestimmte Pflanzenschutzmittel einsetzt, als "Schuss aus der Hüfte". Das sei ein deutscher Sonderweg und aus Sicht der Juristen des Innen-, Justiz- und Agrarministeriums rechtswidrig.

"Wir werden gegen diese Auflage vorgehen", kündigte Schramm an. Was das UBA der Öffentlichkeit anfangs als Glyphosat-Ausstiegsplan verkauft habe, stelle sich immer mehr als Versuch der Behörde heraus, über die Pflanzenschutzzulassung Agrarpolitik zu machen.

Der IVA hat ein juristisches Gutachten in Auftrag gegeben, um die Rechtsgrundlage der UBA-Forderung zu überprüfen. Wann das Gutachten vorliegen wird, ließ der Verband offen. Gegen Zulassungsbescheide mit der 10-Prozent-Auflage können allerdings nur die betroffenen Unternehmen rechtlich vorgehen, nicht der Dachverband.

Deutliches Minus bei allen drei Hauptnährstoffen

Düngemittelabsatz_Deutschland_201718_IVA

Der Absatz von Mineraldüngern ging im Düngejahr 2017/18 erheblich zurück. Beim Stickstoff betrug das Minus 9,8 Prozent auf 1,497 Mio. t Stickstoffdünger. Ebenfalls knapp 10 Prozent ging der Absatz von Phosphat- und Kalidünger zurück. Nur bei Kalkdüngern war ein Plus von 9,5 Prozent zu verzeichnen.

Ulrich Foth, Vorsitzender des IVA-Fachbereichs Pflanzenernährung, stellte fest, die Trockenheit und die Düngeverordnung hätten zu einem Einbruch beim Absatz von Mineraldüngern geführt. Der Absatz von Stickstoffdüngern erreichte den niedrigsten Stand seit der Wende.

Foth prognostizierte, "für das laufende Düngejahr ist keine Besserung in Sicht". Volle Lager beim Handel, die Diskussion über die erneute Verschärfung der Düngeverordnung und die drohende Fortsetzung der Trockenheit ließen aus Sicht der Industrie wenig Hoffnung aufkommen.

Für das Düngejahr 2018/19 rechnet Foth mit einem weiteren Rückgang der Nachfrage nach mineralischem Stickstoffdünger um 10 bis 13 Prozent auf nur noch rund 940.000 t. "Die effizienten Mineraldünger machen Platz für organische Dünger", konstatierte Foth. Der Verzicht auf Mineraldünger löse das durch die Düngeverordnung geschaffene Problem.

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