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Engpass in der Schlachtindustrie

Landwirte protestieren gegen Schlachthof-Schließung im Emsland

Traktoren auf einer Bauerndemo
am Freitag, 09.10.2020 - 14:05 (Jetzt kommentieren)

Spontane Protestaktion: Landwirte im Emsland haben gegen die Corona-bedingte Schließung des Schlachthofs in Sögel demonstriert. Sie wollen wissen: Wohin sollen wir mit den Schweinen?

Bereits lange vor Sonnenaufgang haben sich die Landwirte mit Schleppern auf den Weg gemacht. Ihr Ziel: Das Kreishaus des Landkreises in Meppen. Dort haben sie gegen die aus ihrer Sicht unberechtigte Stilllegung der Schlachtung an dem Tönnies-Standort protestiert. Vom Kreishaus aus fuhren die Teilnehmer der Demonstration weiter zu dem Weidemark-Werk in Sögel.

Landrat Marc-André Burgdorf (CDU) teilte mit, im Gespräch mit dem Schlachthofbetreiber würden Möglichkeiten für eine teilweise Wiederaufnahme der Produktion ausgelotet.

In Bonn findet heute ein "Branchengespräch Fleisch" mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner statt. Darin werden die Teilnehmer auch über den Engpass bei den Schlachtkapazitäten beraten. Die Ergebnisse sollen später am Nachmittag in einer Pressekonferenz vorgestellt werden, die agrarheute live übertragen wird.

ISN: Schließung ist ein Akt politischer Willkür

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) bezeichnete die Schließung als Akt der politischen Willkür. In Anbetracht der überschaubaren und zudem rückläufigen Fallzahlen sei die Schließung unverhältnismäßig.

In dem Fleischwerk waren bei 4.179 Corona-Tests in den vergangenen sieben Tagen insgesamt 72 Neuinfektionen unter den Angestellten festgestellt worden.

Die ISN warf den Behörden vor, einen für die Schweinehaltung systemrelevanten Betrieb zu schließen und damit die ganze Berufsgruppe der Schweinehalter in eine Notsituation zu bringen. Die Schließungsverfügung für den Weidemark-Schlachthof in Sögel müsse sofort wieder aufgehoben werden.

An der Fleischindustrie wird ein Exempel statuiert, sagt Staack

ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack stellte fest: „Die Corona-Situation im Schlachtbetrieb scheint jedenfalls nicht so, dass man sie mit der konsequenten Weiterverfolgung der Vorsichtsmaßnahmen bei laufendem Betrieb nicht in den Griff bekommen würde.“

Ein Unternehmen dürfe nicht dafür bestraft werden, dass es auf eigene Initiative viel untersuche und so auch logischerweise mehr finde, schimpfte Staack. Bei jedem anderen Großunternehmen wäre bei gleicher Lage nicht mit einer Schließung reagiert worden. Hier dürfe man „schon die Vermutung anstellen“, dass einige Verantwortliche – allen voran die niedersächsische Sozialministerin Carola Reimann (SPD) – in der Schlachtindustrie ein Exempel statuieren wollten.

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