Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

+++ Stand: 15. Dezember ++++

Landwirte und Lebensmittelhandel vereinbaren gemeinsame Ziele

Einkaufswagen in einem Supermarkt
am Dienstag, 15.12.2020 - 09:24 (1 Kommentar)

Vertreter der Landwirte und des Lebensmitteleinzelhandels haben sich auf gemeinsame Ziele verständigt. Das sind die Eckpunkte.

Am vergangenen Freitag (11.12.) haben sich Land schafft Verbindung (LSV) Deutschland und weitere Vertreter der Landwirtschaft mit Repräsentanten des Lebensmitteleinzelhandels über die angespannte wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft beraten.

Heute, mit einiger Verzögerung und kurz vor Ablauf eines Ultimatums, haben die Gesprächspartner nun ein Papier mit fünf gemeinsamen Zielen vorgelegt.

Ombudsstelle und Herkunftskennzeichnung

  • Eine neutrale Ombudsstelle zwischen Handel und Landwirtschaft soll einvernehmlich beauftragt werden, um Konflikte im Rahmen eines strukturierten Verfahrens konstruktiv und kompetent beizulegen. Dafür soll an bestehende außerstaatliche Strukturen angeknüpft werden.

  • Der Lebensmitteleinzelhandel und die Landwirtschaft wollen zeitnah eine rechtskonforme, einheitliche und verbraucherverständliche Herkunftskennzeichnung für heimische landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Strukturelle Lösungen für die Sektoren Rind und Schwein

  • Die Handelsunternehmen haben zugesagt, im Rahmen ihrer Werbeaktivitäten die Leistungen der deutschen Landwirtschaft stärker herauszuarbeiten.
  • In zwei Arbeitsgruppen werden kurzfristig konkrete und strukturelle Lösungen für die Sektoren Schwein und Milch erarbeitet, mit dem Ziel, für höhere Anforderungen höhere Erlöse zu erzielen.

  • Die Lebensmittelhandelsunternehmen unterstützen das Ziel der Landwirte, dass ein Sofort-Hilfsfonds eingerichtet wird, der dazu beiträgt, Corona- und ASP-bedingte Einkommenseinbußen abzufedern. Der Fonds soll befristet eingerichtet werden. Neben dem Lebensmittelhandel sollen sich der Staat, die Lebensmittelverarbeitung und die Lebensmittelindustrie beteiligen. Auch sollten öffentliche Gelder in den Fonds einbezogen werden. Wie ein solcher Fonds rechtssicher eingerichtet sowie effektiv und zielgerichtet ausgestaltet werden kann und wie die Gelder bedarfs- und leistungsgerecht verteilt werden, soll  geprüft werden. Dafür sollen kurzfristig Gespräche mit Politik und Verarbeitern aufgenommen werden.

LSV Deutschland: Warenverkehr nicht weiter stören

In der Nacht zum Dienstag hatte LSV-Vorstand Dirk Andresen auf seiner Facebook-Seite dem Lebensmitteleinzelhandel noch ein Ultimatum gesetzt: Bis heute Abend (15.12.2020) um 19 Uhr sollte der Einzelhandel das Protokoll vorlegen, das auch aus Sicht der teilnehmenden Landwirte dem Stand der Gespräche vom vergangenen Freitag entspreche. Nun liegt dieses gemeinsame Papier von LSV Deutschland und vom Handelsverband Lebensmittel (BLVH) vor.

LSV Deutschland sagt darin auch zu, "in diesem Geist" darauf hinzuwirken, dass der Warenverkehr ungehindert fließen kann. Die vereinbarten Punkte seien ein wichtiges Signal zur Förderung des Miteinanders in der Lieferkette.

Rukwied fordert breite Anhebung der Schweinepreise

Unterdessen forderte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, die Handelsketten auf, dem Beispiel von Rewe und Lidl zu folgen und Herkunft und Standards besser zu vergüten.

Der Handelskonzern Rewe hatte verkündet, den Schweinebauern in Deutschland  Mindestpreise zahlen. Auch der Discounter Lidl hatte kurzfristig die Preise für Schweinefleisch erhöht und angekündigt, 50 Millionen Euro in die Initiative Tierwohl fließen zu lassen.

Rukwied forderte die anderen Partner in der Lieferkette auf, sich anzuschließen. "Wir erwarten beispielsweise beim Schlachtschweinepreis in dieser Woche einen deutlichen Sprung nach oben", so der DBV-Präsident. Darüber hinaus seien langfristig belastbare Lösungen notwendig.

Kommentar

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...