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Landwirte wollen die Lidl-Millionen nicht

Euroscheine fallen vom Himmel
am Montag, 07.12.2020 - 15:03 (Jetzt kommentieren)

Die deutschen Landwirte wollen lieber höhere Erzeugerpreise statt der Millionen-Spritze, die der Discounter Lidl angekündigt hat.

50 Millionen Euro, das ist eine runde Summe. So viel Geld will die Schwarz-Gruppe, zu der die Einzelhandelsketten Lidl und Kaufland gehören, an die Initiative Tierwohl (ITW) zahlen. Aus dem Topf sollen die Schweinehalter unterstützt werden. Für sie ist die Marktlage aufgrund von Corona und Afrikanischer Schweinepest (ASP) aktuell besonders dramatisch. In den Ställen stauen sich die überschweren Tiere. Der Schweinefleischpreis und der Ferkelerlös sind extrem niedrig.

Nicht nur Schweinehalter sind betroffen

Aber auch die Milchviehhalter haben es bei Molkereiauszahlungspreisen knapp über 30 Cent/kg Milch und ständig steigenden Auflagen nicht leicht. Gemeinsam haben Gruppen von Landwirten aller Produktionsrichtungen darum seit Wochen immer wieder vor den Zentrallagern verschiedener Lebensmitteleinzelhändler (LEH) protestiert.

Lidl hat am 3. Dezember auf die Blockaden reagiert. 50 Mio. Euro soll die ITW aus der Ladenkasse des Discounters erhalten. Doch den Landwirten wären höhere Erzeugerpreise lieber als Einmalzahlungen. Das hat eine Blitzumfrage von agrarheute ergeben.

90 Prozent wollen keine Spende

Umfrage zum Lidl Millionenangebot

Wir haben unsere Nutzer gefragt, ob die Lidl-Millionen ein Erfolg sind, oder ob die Landwirtschaft eigentlich etwas anderes braucht, nämlich dauerhaft höhere Produkterlöse. Innerhalb von vier Tagen haben 1.315 Nutzer auf unserer Homepage abgestimmt.

Das Ergebnis ist eindeutig: 92 Prozent der Teilnehmer sind der Meinung, „Landwirte brauchen höhere Erzeugerpreise, keine Spenden“. Nur jeweils 3 Prozent sind der Auffassung, das Lidl-Angebot sei ein gutes Zeichen beziehungsweise dass sich nun auch die anderen Handelsketten beteiligen müssten.

Aldi will Verhaltenskodex für FairTrade unterstützen

Lidl-Anzeigetext aus Tageszeitungen

Das bessere Gespür für die Atmosphäre bewies somit offensichtlich das Aldi-Management. Markus Dicker, der Verwaltungsratsbevollmächtigte von Aldi Nord, kündigte zwei Tage nach dem Lidl-Nikolausstrumpf einen Verhaltenskodex an: „FairTrade für die heimische Landwirtschaft“ soll das Verhältnis zwischen LEH und Lieferanten künftig prägen.

Um nicht auszusehen, wie der ignorante aber reiche Onkel, der alle Probleme mit Geld lösen will, schaltete Lidl postwendend ganzseitige Anzeigen unter anderem in der BILD-Zeitung. Darin betont Lidl, in weiteren Schritten einen langfristigen Wandel anstoßen zu wollen. „Wir wissen, dass eine zukunftsfähige Landwirtschaft eine zentrale Bedeutung für unser Land und die flächendeckende Versorgung hat“, schreibt Lidl. Übrigens, eine ganzseitige, deutschlandweite Anzeige in der BILD kostet laut offizieller Preisliste 535.000 Euro.

Landwirte finden den wunden Punkt der Handelsriesen

Wer auch immer das Rennen um die Wertschätzung der Verbraucher macht, und darum geht es den Einzelhändlern natürlich in erster Linie, wichtig ist: Die Proteste haben die Handelsriesen in Bewegung gesetzt.

In den Verhandlungen um die EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP-Richtlinie) haben die Interessenvertreter des Handels noch lautstark gegen die „graue Liste“ der zwar nicht verbotenen, aber gerade noch tolerierten Praktiken gewettert. Seit diesem Wochenende ist Aldi bereit, in einer Selbstverpflichtung von den Praktiken der grauen Liste abzuschwören. Offensichtlich lassen sich die mächtigen Vier des LEH nicht nur von Umwelt- und Tierschutzverbänden beeindrucken, wenn es um ihr sauberes Image beim Kunden geht.

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