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Grüne Woche

Lebensmitteleinzelhandel startet mit der Initiative Tierwohl durch

Schweine im Stroh
am Donnerstag, 16.01.2020 - 10:46 (Jetzt kommentieren)

Der Einzelhandel will weite Teile des Schweinefleischangebots vollständig auf Ware aus der Initiative Tierwohl (ITW) umstellen.

Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl (ITW)

Mit Beginn der neuen Projektphase ab 2021 wird die Initiative Tierwohl das Finanzierungs- und Kennzeichnungsmodell für die Schweinemast umstellen. Ziel ist eine deutlich größere Marktdurchdringung als die gegenwärtigen rund 24 Prozent. Der Verbraucher wird das ITW-Fleisch durch Kennzeichnung erkennen können.

ITW-Geschäftsführer Dr. Alexander Hinrichs stellte heute auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin die Details der geplanten Systemumstellung vor.

Mäster erhalten einen festen Tierwohlaufschlag

Wie bereits vorab bekannt geworden war, erhält künftig jeder teilnehmende Schweinemäster zusätzlich zum Marktpreis einen Tierwohlaufschlag. Zurzeit sind 5,28 Euro pro Mastschwein geplant. Dieser Betrag ist für alle teilnehmenden Landwirte gleich und wird von den Gremien der Initiative in noch nicht näher definierten Abständen angepasst. Den Aufschlag zahlen die Schlachtunternehmen direkt an die Mäster.

Hinrichs schloss nicht aus, dass dies zu einer stärkeren Bindung zwischen Mästern und Schlachtunternehmen führen werde. „Die ITW macht dazu aber keine Vorgaben“, sagte der Geschäftsführer.

Raufutter wird Pflicht

Um ein einheitliches Tierwohl-Niveau zu schaffen, werden die Kriterien der ITW für Schweinehalter vereinheitlicht. Die Schweinehalter werden keine Wahlmöglichkeiten jenseits der Pflichtmaßnahmen mehr haben.

Der künftig geltende Kriterienkatalog entspricht weitgehend den aktuell gültigen Grundanforderungen mit Tageslichteinfall, zehn Prozent mehr Platz und umfassenden Maßnahmen zur Tiergesundheit.

Allerdings werden die Kriterien „zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial“ und „Raufutter“ zu einem Kriterium zusammengefasst. Raufutter wird damit zur Pflicht. Bei Geflügel werden sich die Kriterien nicht ändern.

"Wir brauchen die doppelte Menge an Schlachtschweinen"

Die Schlachtunternehmen verhandeln mit dem Lebensmitteleinzelhandel bilateral die erforderlichen Aufschläge für Tierwohlfleisch. In welchem Ausmaß die Verbraucherpreise dadurch womöglich steigen, wollte Hinrichs nicht beziffern.

Entscheidend sei aber, so der ITW-Geschäftsführer, dass sich die teilnehmenden Handelsunternehmen verpflichtet hätten, praktisch das gesamte Sortiment an Schweinefleisch mit Ausnahme des Filets auf ITW-Ware umzustellen.

Damit wird der Verbraucher in den meisten Fällen nicht zwischen verschiedenen Preisstufen wählen können. „Dafür brauchen wir perspektivisch die doppelte Menge an Schlachtschweinen“, sagte der ITW-Geschäftsführer.

Er erklärte: „Ab Mitte 2021 sind die Verbraucher am Zug. Dann wird Fleisch mit mehr Tierwohl verfügbar, bezahlbar und erkennbar sein. Es wird keine Ausreden mehr geben.“ Die Kriterien für ITW-Ware seien nicht nur für die Breite der Landwirte erreichbar, sondern auch für die Verbraucher bezahlbar.

Übergangsfonds für Ferkelerzeuger

Die nächste Programmphase soll auch dazu genutzt werden, die Lieferketten bis zur Ferkelerzeugung zu schließen.

Zu diesem Zweck wird ein Übergangsfonds aufgesetzt, aus dem die Tierwohl-Maßnahmen der Ferkelerzeuger honoriert werden und der vom Lebensmitteleinzelhandel mit 2 Cent pro verkauftem Kilogramm Schweinefleisch finanziert wird. Der Fonds wird sich auf ein voraussichtliches Volumen von jährlich ungefähr 30 Millionen Euro belaufen.

„Unser Ziel ist die Schließung der gesamten Lieferkette von der Sauenhaltung bis zur Schlachtung bis 2024. Dann soll die Finanzierung auch der Ferkelerzeugung über den Markt erfolgen“, so Hinrichs weiter.

Für Geflügel bleibt es bei der Auszahlung über eine Clearing-Stelle

Grafik zu fünf Jahren ITW

Wie bei der Schweinemast wird es auch bei Geflügel keinen pauschal vom LEH gefüllten Fonds mehr geben. Die Unternehmen aus dem Handel oder anderen Branchen bestellen bei Geflügelvermarktern die Ware.

Ähnlich wie in der Schweinemast wird dann ein fest definierter Aufpreis gezahlt. Allerdings wird dieser nicht direkt an den Mäster, sondern an eine von der ITW beauftragte Clearing-Stelle entrichtet. Die Mäster erhalten dann über die ITW den Preisaufschlag. Dieser beträgt unverändert einheitlich bei Hähnchen 2,75 Cent, bei Putenhennen 3,25 Cent und bei Putenhähnen 4 Cent pro Kilogramm Lebendgewicht.

ITW ist anschlussfähig an ein staatliches Label

Hinrichs hob hervor, die Initiative Tierwohl sei inzwischen mit Marktanteilen von rund 70 Prozent bei Geflügel und rund 24 Prozent bei Schwein Deutschlands größtes Tierwohlförderprogramm. Seit dem Start vor fünf Jahren seien über den Einzelhandel mehr als 0,5 Mrd. Euro in den zentralen Fonds geflossen. In dieser Zeit hätten 104 Millionen Schweine und 2 Milliarden Puten und Hähnchen von den Maßnahmen für mehr Tierwohl profitiert.

Zum geplanten staatlichen Tierwohl-Label sagte Hinrichs: „Wir sehen uns absolut anschlussfähig und sind jederzeit kooperationsbereit.“

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