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Getreidevermarktung

Letzte große Getreidemühle in MV macht dicht – Bauern sind betroffen

Getreidespeicher aus Backstein an einem Gewässer
am Dienstag, 29.09.2020 - 11:30 (1 Kommentar)

Mit der Nordland Mühle in Jarmen schließt Ende September die letzte große Getreidemühle Mecklenburg-Vorpommerns.

Eigentümer der Nordland Mühle Jarmen ist der europaweit tätigen Konzern GoodMills mit Sitz in Hamburg.

Grund für die Schließung der Jarmener Mühle war laut Goodmills das schwierige Marktumfeld und das Bäckereisterben. Seit Jahren sei die Zahl der Bäckereibetriebe im Land rückläufig, heißt es in einer Erklärung. Das wirke sich auch auf industrielle Backbetriebe aus.

Der Bürgermeister von Jarmen, Arno Karp (CDU), sagte dem NDR, er bedaure die Entscheidung sehr. Ganze Generationen hätten in der Jarmener Mühle gearbeitet.

Die Produktion soll nun nach Berlin und Hamburg verlagert werden. Für die Ackerbauern der Region war die Mühle ein wichtiger Partner am Markt. Ihre Schließung bedeutet höheren logistischen Aufwand und mehr Kosten bei der Vermarktung.

Landwirte müssen Getreide jetzt über Landhandel vermarkten

Nahaufnahme von einem Getreidespeicher mit hohen Fenstern und Backsteinen

Die Mitteilung über die Schließung der Jarmener Mühle kam vor einem Jahr. Eine Bürgerinitiative gründete sich und sammelte Unterschriften für den Erhalt des Mühlenstandorts. Landtag und Landesregierung beschäftigten sich mit dem Thema. Zuletzt forderte der CDU-Abgeordnete Franz-Robert Liskow die Bestrebungen zweier Mitarbeiter zu unterstützen, in Jarmen eine neue Mühle zu errichten.

Jörg Dahms, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, hält das Vorhaben einer Mühlenneugründung jedoch für gewagt. Für eine neue Mühle in Jarmen müssten die Landwirte erst aus den Altverträgen raus, die sie an GoodMills binden. „Da legt sich David mit Goliath an“, begründet er seine Skepsis.

Laut GoodMills wird das Getreide der bisherigen Lieferanten weiter verarbeitet, vor allem an den Standorten Berlin und Hamburg. Entfallen würde aber die bisherige Direktanlieferung der Landwirte direkt nach Jarmen. Jetzt sei der Landhandel dazwischengeschaltet. Das bedeutet für die Landwirte in der Region Mehrkosten, sagte Dahms.

„Der Anteil der Direkterfassung lag bei knapp 20 Prozent“, sagte ein GoodMills-Sprecher. Die übrige Rohware wurde über den Landhandel bezogen. „Wir bedauern die Schließung der Mühle in Jarmen sehr. Obwohl die Mühle vergleichsweise klein ist, war sie für die Landwirte aus der Region ein wichtiger Partner am Markt“, sagt der Landwirt und Bauernpräsident Detlef Kurreck gegenüber der Presse.

Maschinen sind ausgebaut – Gebäude steht zum Verkauf

Backsteingebäude mit Hafenzugang

Die Mühle war mit 60.000 Tonnen Produktionskapazität der kleinste Standort des europaweit tätigen Konzerns GoodMills (Hamburg). Im August hatte die Mühle zum letzten Mal Getreide gemahlen, danach lief der Vertrieb der letzten Waren, sagte ein Sprecher von Goodmills. "Im September hat in dem Backsteingebäude von 1907 direkt am Peene-Hafen der Ausbau der Maschinen begonnen. Danach steht das Gebäude zum Verkauf", sagte der Firmensprecher von GoodMills.

Der Stadt wurden Jarmens Bürgermeister Arno Karp (CDU) zufolge noch keine Termine mitgeteilt. Er hofft, dass das historische Wahrzeichen erhalten bleibt und nicht künftig eine Ruine am Ortseingang steht. Der Plan der Stadt sei es, den sanierten Industriehafen touristisch zu nutzen. "Der Hafenumschlag geht gegen null", sagte Karp.

Ob sich ein Käufer für das Mühlengebäude findet, kann er nicht sagen. Die Stadt werde das Gebäude nicht kaufen können. Goodmills hatte offenbar einige Zeit erwogen, das Gebäude als Öko-Mühle oder für Spezialitäten zu nutzen, sagte ein Sprecher. Dagegen habe jedoch die geografische Lage im Nordosten Deutschlands gesprochen. An einen Wettbewerber sollte die Mühle jedoch auf keinen Fall gehen, erklärte er.

Ende September ist Schluss – Neubau einer Biomühle?

Die Produktion in der einzigen Industriemühle in Mecklenburg-Vorpommern läuft zum 30. September aus. Damit wäre die Zeit des Mehlmahlens nach 113 Jahren in Jarmen vorbei. Eine Bürgerinitiative wollte die geplante Schließung der Getreidemühle in Jarmen verhindern.

Die Betroffenen kämpfen jedoch vergeblich für den Erhalt der Mühle. Unterstützt wurden sie auch von den regionalen Handwerksbäckern, die dem Jarmener Mehl eine besondere Qualität nachsagen, berichtet der NDR. Außerdem wollten zwei Mühlen-Mitarbeiter die Mühle weiterbetreiben und hatten ein Konzept für den Weiterbetrieb erarbeitet.

Am Ende nutzten weder die Bemühungen von Kommune, Kreis und Land noch die Bürgerinitiative „Rettet die Jarmener Mühle” etwas, um Goodmills umzustimmen oder einen Verkauf der Mühle zu ermöglichen.

Möglicherweise kommen die beiden Initatoren für die Mühlenweiterbtrieb aber doch noch zum Zug. Die beiden Mitarbeiter arbeiteten an einem Konzept für einen Mühlenneubau mit 25.000 t Jahresvermahlung. Sie setzten dabei auf Regionalität, Nischenprodukte und die Verarbeitung von Biogetreide. Ein großer Bioanabauverband ist offenbar ebenfalls interessiert

Mit Material von NDR

Weniger Mühlen mahlen mehr Getreide

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