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Mittelständische Schlachter fürchten um ihre Zukunft

Zerlegung von Schlachtkörpern
am Dienstag, 06.10.2020 - 14:38 (Jetzt kommentieren)

Mittelständische Firmen der Fleischwirtschaft fürchten angesichts des geplanten Arbeitsschutzkontrollgesetzes um ihre Zukunft.

Das wurde in einer Anhörung des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales deutlich. Mit dem von Arbeitsminister Hubertus Heil vorgelegten Arbeitsschutzkontrollgesetz sollen Werkverträge und Leiharbeit in der Schlachtung und Zerlegung ab 1. Januar beziehungsweise ab 1. April 2021 verboten werden.

Herbert Dohrmann, der Präsident des Deutschen Fleischer-Verbands und selbst Inhaber einer Fleischerei, wies auf die gänzlich unterschiedliche Mitarbeiterstruktur von Handwerks- und Industriebetrieben hin. Handwerksbetriebe, die ihre Produkte selbst verkaufen, hätten allein durch das Verkaufspersonal - darunter viele Teilzeitkräfte - schnell mehr als 49 Mitarbeiter. Deshalb sei es wichtig, die geplante Grenze von 49 Mitarbeitern, ab der das Gesetz greifen soll, zu überarbeiten, betonte Dohrmann.

Unternehmen brauchen zu Saisonspitzen die Flexibilität von Leiharbeitern

Der Verband der Deutschen Fleischwirtschaft (VDF), der unaufgefordert eine Stellungnahme zu dem Gesetzentwurf einreichte, kritisierte unter anderem das gleichzeitige Verbot von Werkverträgen und Arbeitnehmerüberlassung in den Kernbereichen der Produktion. Der VDF erklärte, den Verzicht auf Werkverträge zu unterstützen. Für die Flexibilität der Unternehmen in saisonalen Arbeitsspitzen sei jedoch das Instrument der Arbeitnehmerüberlassung weiter erforderlich. Ansonsten seien die Wirtschaftlichkeit und internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet.

Der VDF machte deutlich, ein Verbot der Leiharbeit verbessere den Arbeitsschutz nicht. Leiharbeiter seien den Festangestellten rechtlich bei Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie bei der Entlohnung gleichgestellt.

Handwerkliche Veredler fürchten um ihre Existenz

Robert Houdek von der Interessengemeinschaft der bayerischen, familiengeführten Ernährungsindustrie erläuterte, wie abhängig sein Betrieb der Fleischveredelung von streng arbeitsteilig organisierten Produktionsabläufen ist. Zwar würden im Kernbereich seines Betriebes Metzger arbeiten, aber allein schon die Logistik und die spezialisierte Reinigung der Verpackungsräume seien über Werkverträge organisiert. "Würde man uns das verbieten, müssten wir morgen zumachen", sagte Houdek.

Gewerkschaften fordern manipulationssichere Arbeitszeiterfassung

Juristische Zweifel gab es am Begriff des "inhabergeführten" Betriebes. Mehrere Sachverständige, darunter Prof. Stefan Greiner von der Universität Bonn, verwiesen darauf, dass das Betriebsverfassungsgesetz den Begriff gar nicht kenne.

Roland Wolf von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände kritisierte das Verbot von Leiharbeit und Werkverträgen als "höchst problematisch".

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) betonte, das Agieren der Fleischbranche lasse keine anderen Konsequenzen zu. Nachbesserungen seien jedoch bei der Arbeitszeiterfassung nötig, noch seien die geplanten Regelungen nicht manipulationssicher, betonte DGB-Vertreterin Micha Klapp.

Vion übernimmt 3.300 Mitarbeiter mit Werksverträgen

Die Vion Food Group will zum 1. Januar 2021 weitere 3.300 Mitarbeiter an den deutschen Standorten direkt einstellen. Die Beschäftigung über Werkverträge soll beendet werden, teilte das Unternehmen heute in einer Presseinformation mit.

Die Mitarbeiter werden in den Kernbereichen Schlachtung, Zerlegung und Verpackung arbeiten, wo sie bislang als Werkvertragsmitarbeiter beschäftigt sind. Dennoch sollen alle aktuellen Stammbeschäftigen ihre Arbeitsplätze behalten.

Mit Material von Bundestag, AgE, Vion
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