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Milchwirtschaft

Molkereien bei Branchenkommunikation Milch noch zu zögerlich

Peter Stahl, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes
am Montag, 26.10.2020 - 11:57 (Jetzt kommentieren)

Noch zu wenige Molkereien wollen sich an der gemeinsamen Branchenkommunikation Milch beteiligen. Wird die verlängerte Antragsfrist nicht genutzt, steht die Branchenkommunikation auf dem Spiel.

80 Prozent der verarbeiteten Milchmenge sollten nach der Zielsetzung des Milchindustrie Verbandes (MIV) von den unterstützenden Molkereien erfasst werden. Bisher liegt der Anteil jedoch nur bei 72 Prozent, teilte MIV-Vorsitzender Peter Stahl am vergangenen Freitag in Berlin mit. Bis zum 4. November wurde die Antragsfrist nun verlängert, um die noch fehlenden acht Prozent einzutreiben.

Molkereien sollen Anträge in Nachspielzeit stellen

Der Anteil von 80 Prozent der Milchmenge solle nicht herabgesetzt werden und sei weiterhin als verbindliche Marke gesetzt, erläuterte Stahl. MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser sagte, dass sich die Branche nun in der Nachspielzeit befinde „und dort schon viele Spiele gewonnen wurden“.

Nach Ablauf der verlängerten Antragsfrist am 4. November werden am 6. November der Deutsche Bauernverband (DBV), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) und der Lenkungsausschuss tagen und prüfen, ob das 80 Prozent-Ziel erreicht wurde. Ist dies weiterhin nicht der Fall, sollen die Mitglieder entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen die gemeinsame Branchenkommunikation fortgeführt wird, teilte Stahl mit.

Darüber hinaus rief Stahl zu „Ausdauer und Beharrlichkeit“ auf. „Wir werden die Flinte nicht ins Korn werfen“ – auch dann nicht, wenn das Ziel am Stichtag nicht erreicht sei, kündigte der MIV-Vorsitzende an. So stellt die Branchenkommunikation Milch zwar einen wichtigen Teil der ab Januar 2021 laufenden Sektorstrategie Milch 2030 dar, doch eine grundlegende Voraussetzung sei sie für die Sektorstrategie nicht.

Corona und Brexit stellen Milchbranche vor Herausforderungen

Zwar seien die Produktpreise seit dem coronabedingten Einbruch im Frühjahr zwar wieder gestiegen, auf dem Niveau von vor der Krise befänden sie sich aber noch nicht, berichtete der MIV. Der Erzeugerpreis für Milch liege momentan bei 32,5 Cent pro Kilogramm und damit um etwa einen Cent niedriger als im letzten Jahr. Hauptgeschäftsführer Heuser erinnerte an die gleichzeitig angezogenen Produktionskosten und die Dürreauswirkungen. Für viele Milchviehhalter seien die Preise derzeit nicht auskömmlich.

Zusätzliche Probleme bereiten würde dem Milchmarkt ein „harter“ Brexit. Das Vereinigte Königreich sei ein Nettoimporteur von Milcherzeugnissen, insbesondere von Käse, erläuterte Stahl. Werde mit dem Vereinigten Königreich kein Handelsvertrag abgeschlossen, hätte dies für die deutschen Exporteure schwere Folgen.

Zustimmung bei Herkunftskennzeichnung, Ablehnung bei Nutri-Score

Die kürzlich getroffene Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Herkunftskennzeichnung bei Milch und Milchprodukten stößt beim MIV auf Zustimmung. Demnach dürfen die EU-Mitgliedstaaten eine Herkunftskennzeichnung nur vorschreiben, wenn zwischen Ursprung und Qualität des Produkts ein nachweislicher Zusammenhang besteht.

Dagegen sei neu eingeführte Nutri-Score nach Ansicht des MIV nicht förderlich für die Branche, da er Milchprodukte als zu ungesund einstufe. So werde das System des Nutri-Score nicht dem aktuellen wissenschaftlichen Stand gerecht.

Im Hinblick auf die EU-Richtlinie gegen den unlauteren Wettbewerb (UTP-Richtlinie) sprach sich der MIV dafür aus, die Schutzgrenze von 350 Mio. Euro Umsatz zugunsten größerer mittelständischer Unternehmen anzuheben. 

Mit Material von Agra Europe (AgE)

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