Login
Klimawandel und Landwirtschaft

Neue Klimamodelle laufen heiß

klimwandel
Thumbnail
Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
30.04.2019

Möglicherweise erwärmt sich die Erde schneller als befürchtet. Das deuten jedenfalls zahlreiche neue Klimamodelle an. Noch ist nicht klar, warum dass so ist.

Seit 40 Jahren werden Computermodelle zur Simulation des globalen Klimas genutzt. Sie sollen ein Bild davon liefern wie schnell sich das globale Klima verändert.

Nun gibt es eine überraschende Erkenntnis: Eine ganze Reihe von Klimamodellen, die für die nächste Bewertung der Erderwärmung durch die Vereinten Nationen im Jahr 2021 entwickelt wurden, „laufen heißer“ als man bisher erwartet hat.

Noch sind die Wissenschaftler jedoch uneins was die Ursachen hierfür sind. Eine schnellere und stärkere Erwärmung dürfte jedoch enorme Folgen für die Welt und natürlich auch für die Landwirtschaft haben. Die ersten Ergebnisse der Modellrechnungen wurden Mitte April auf der Online-Seite des renommierten Wissenschafts-Magazins Science vorgestellt. 

Deutlich stärkere Erwärmung prognostiziert

Global Warming

In den früheren Modellen hatte die Verdoppelung des atmosphärischen Kohlendioxids (CO2) gegenüber den vorindustriellen Werten dazu geführt, dass eine Erwärmung zwischen 2 Grad Celsius und 4,5 Grad Celsius vorhergesagt wurde, sobald sich die Erde wieder in einem Gleichgewicht befand.

In mindestens acht Modellen der nächsten Generation, die von führenden Klimazentren in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Kanada und Frankreich entwickelt wurden, liegt diese "Gleichgewichts-Klima-Sensitivität" jedoch bei 5 Grad Celsius oder darüber. Die Modellentwickler bemühen sich nun zu herauszufinden, welche ihrer Veränderungen diese erhöhte Erwärmung verursacht haben.

Auf der Grundlage der Ergebnisse wird nämlich die nächste Klimabewertung durch den Zwischenstaatlichen Ausschusses der Vereinten Nationen für Klimaänderungen (IPCC) im Jahr 2021 durchgeführt.

Bleibt weniger Zeit als gedacht?

Die dringende Frage ist jedoch: Falls die Ergebnisse stimmen sollten, hat die Welt noch weniger Zeit, als bisher gedacht, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius oder 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen - eine Schwelle, die viele Wissenschaftler bereits für zu gefährlich halten.

Mit einem atmosphärischen CO2-Gehalt von bereits 408 ppm gegenüber den vorindustriellen Werten von 280 ppm, deuteten bereits frühere Szenarien darauf hin, dass sich die Welt in den nächsten Jahrzehnten um 2 Grad Celsius erwärmen dürfte. Die neuen Ergebnisse werden von den Wissenschaftlern jetzt sehr intensiv diskutiert. Noch sind allerdings nicht alle Berechnungen und Daten ausgewertet.

Daher ist es noch "zu früh, für eine ausreichende Erklärungen", sagt etwa John Fyfe, Klimawissenschaftler am kanadischen Zentrum für Klimamodellierung in Victoria, deren Modell ebenfalls „viel heißer läuft“ als zuvor. "Aber vielleicht müssen wir uns in Zukunft einer Realität stellen, die ungünstiger ist als in der Vergangenheit." sagte der Wissenschaftler weiter.

Sind die neuen Modelle zu sensibel?

Klimawandel

Viele Wissenschaftler sind hinsichtlich der Modellergebnisse jedoch skeptisch. Sie weisen darauf hin, dass die Klimaänderungen der Vergangenheit, die aus Eisbohrkernen ermittelt wurden, die derzeit erwartete hohe Klima-Sensitivität nicht unterstützen und auch nicht das Tempo der modernen Erwärmung.

Die bisherigen Ergebnisse "reichen nicht aus, um mich zu überzeugen", sagt etwa Kate Marvel, Klimaforscherin am Goddard-Institut der NASA für Weltraumforschung in New York. In dem Bemühen, alle atmosphärischen Komponenten zu berücksichtigen, könnten die neuen Modelle auch leichter von der Realität abweichen, sagt Marvel. Die meisten Entwickler der neuen Modelle stimmen dieser Aussage zu.

Wissenschaftler der National Oceanic and Atmospheric Administration (GFDL) in Princeton, New Jersey, dem Geburtsort der Klimamodellierung, bauten ebenfalls zahlreiche Veränderungen in ihr neues Modell ein. Sie verbesserten die Darstellung von wärmeleitenden Strömungen wie dem Golfstrom und bildeten außerdem den El-Niño-Zyklus nach. Aber offenbar wird die Welt mit diesen Veränderungen schneller warm. Die Gleichgewichts-Empfindlichkeit des Modells scheint momentan bei etwa 5 Grad Celsius zu liegen und damit deutlich höher als in der Vergangenheit.

Ergebnisse sind beunruhigend

Bei der Einschätzung, wie schnell sich das Klima ändert, wird der nächste IPCC-Bericht wahrscheinlich nicht so stark auf die Klima-Modelle zurückgreifen wie in früheren Berichten, sagt Thorsten Mauritsen, Klimaforscher an der Universität Stockholm und Autor des IPCC.

Der neue IPPC-Bericht wird sich auch auf andere Erkenntnisse stützen, insbesondere auf eine umfangreiche Studie, die sich in Vorbereitung befindet und alte Klimazonen und Beobachtungen des jüngsten Klimawandels nutzen wird, um die Empfindlichkeit einzuschränken. Das IPCC wird den Prognosen der unterschiedlichen Modelle wahrscheinlich nicht das gleiche Gewicht verleihen. Stattdessen sollen die Ergebnisse nach „der Glaubwürdigkeit“ jedes Modells eingeordnet werden.

Dennoch bleiben die Modellergebnisse beunruhigend, sagt Andrew Gettelman vom National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Colorado. Der Planet erwärmt sich offenbar schneller als der Mensch damit fertig wird. "Der furchterregende Teil ist, dass diese Modelle auch richtig sein könnten", sagt Gettelman.

Welt-Klima-Forschungsprogramm - Status des Modellvergleich-Projekts

Auch interessant