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Ökologische Landwirtschaft

Ökolandbau muss sich neu erfinden

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
24.01.2019

Grenzen und Potentiale des ökologischen Landbaus diskutierten Wissenschaftler und Praktiker auf dem DBV-Fachforum auf der Grünen Woche.

Dabei wurde eine ganze Reihe von Fragen besprochen, für die es heute noch keine zufriedenstellenden Antworten gibt. Für die Wissenschaft brachten Prof. Urs Niggli (FiBL, Schweiz) und Prof. Gerold Rahmann (Thünen-Institut, Trenthorst) die derzeitigen Probleme auf den Punkt.

Über Machbares und Umstrittenes aus der Praxis und über ihre Zukunftskonzepte berichteten zudem die beiden Ökolandwirte Carsten Bauck und Nikolas Bernard.

Seine Einschätzung zu den Entwicklungsmöglichkeiten und Anforderungen des ökologischen Landbaus brachte außerdem der Vorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) Felix Prinz zu Löwenstein ein.

Weltweit alle Menschen satt kriegen

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Prof. Rahmann vom Thünen-Institut forderte in seinem Beitrag, die Aufgaben des weiter wachsenden Ökolandbaus neu zu denken. Er will nicht nur mehr Investitionen für die Ökoforschung. Rahmann machte ausdrücklich auf die globalen Herausforderungen aufmerksam. Diese Herausforderungen können seiner Aufassung nach nur durch Fortschritte in der Ökologie, aber auch in der Technologie und der Ökonomie gelöst werden.

Dabei ging es Rahmann darum, dass ein wachsender Ökolandbau auch die Aufgabe hat „weltweit alle Menschen satt zu kriegen“ und dass zu einem guten Preis. Dazu müsse sich die Branche nach Einschätzung Rahmanns jedoch noch bewegen. 

In der anschießenden Diskussion vertrat der Wissenschaftler zudem den Standpunkt, dass man das derzeitige ökologische System Deutschlands nicht auf die Welt übertragen kann. Die globalen Herausforderungen für den Ökolandbau sieht der Professor vom Thünen-Institut in ausreichend hohen Erträgen und gesundem sowie bezahlbarem Essen für eine wachsende Weltbevölkerung.

Ganzheitliche Nachhaltigkeit als Kriterium

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Prof Urs Niggli vom Ökoforschungsinstitut FiBL aus der Schweiz forderte dazu auf, die Öko-Forschung stärker an den Anforderungen der Zukunft auszurichten. Notwendig dazu sei nach seiner Auffassung eine Fokussierung auf eine „ganzheitliche Nachhaltigkeit“ in Pflanzenbau, Tierhaltung, Verarbeitung und Logistik.

Die Züchtung im Pflanzenbau und bei Tieren solle zudem konsequent im (ökologischen) Systemkontext erfolgen. Außerdem forderte Niggli eine klare Strategie der Ökolandwirtschaft im Hinblick auf die Digitalisierung und einen modernen ökologischen Pflanzenschutz.

In der Diskussion bestand Niggli zudem darauf, dass man neue Ansätze und Ideen immer wieder offen und vorurteilsfrei diskutieren muss. Außerdem müsse die Forschung immer wieder das Wissen der besten Ökobauern anzapfen.

Ziel muss 100 Prozent Öko sein

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Der scheidende Öko-Beauftragte des DBV, Graf von Bassewitz, machte in der Diskussion darauf aufmerksam, dass die Nachhaltigkeit beim Ökolandbau einen noch größeren Stellenwert haben sollte. So könne ein Betrieb 100 Prozent biologisch wirtschaften, obwohl Öko-Sojabohnen zur Tierfütterung aus Südamerika importiert würden. Nachhaltig sei dies aber nicht.

Der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein verwies noch einmal nachdrücklich auf das maßgebliche Kriterium der Naturstofflichkeit und die Ablehnung von synthetischen Stoffen. Seiner Meinung nach müsse der Ökolandbau zuerst seine Zielsetzung für die Zukunft entwickeln und erst dann die dafür nötigen Technologien.

Löwenstein vertrat in der Diskussion zudem die Auflassung: „Wir brauchen 100 Prozent Öko. Die Frage ist nur, wie kommen wir dahin.“ Deshalb forderte er, dass sich in der landwirtschaftlichen Produktion (ökologisch und konventionell) die wirklichen Umweltkosten der Produktionsverfahren in den Preisen wiederfinden (Preiswahrheit) müssen.  

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