Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Struturwandel in der Zuckerindustrie

Österreich: Agrana will Zuckerfabrik in Leopoldsdorf stilllegen

Ein großes Werksgebäude mit aufsteigendem Rauch liegt an einem Gewässer
am Mittwoch, 26.08.2020 - 10:07 (Jetzt kommentieren)

Der Zuckerhersteller Agrana will die Rübenverarbeitung in Österreich künftig auf den Standort Tulln konzentrieren. Doch die Rübenbauern wollen um das Werk Leopoldsdorf kämpfen.

Wie das Unternehmen in einer Presseinformation bekannt gab, soll die Zuckerfabrik in Leopoldsdorf nach Abschluss der diesjährigen Rübenkampagne im Dezember 2020 stillgelegt werden. Der Aufsichtsrat der Agrana Beteiligungs-AG habe der Rationalisierungsmaßnahme zugestimmt.

Rübenanbau müsste um 50 Prozent ausgedehnt werden

Zur Begründung verwies das Unternehmen auf die kleine Rübenfläche von nur 26.000 Hektar in Österreich. In diesem Jahr sei der Betrieb der beiden Werke in Niederösterreich aufgrund der voraussichtlich außerordentlich guten Erträgen wirtschaftlich noch sinnvoll.

Für die Zukunft wäre aber eine größere Rübenanbaufläche notwendig, um zwei Werke auszulasten. Wenn bis Mitte November 2020 keine Rübenanbaufläche von mindestens 38.000 Hektar für das nächste Jahr absehbar ist, soll Leopoldsdorf endgültig geschlossen werden.

Rübenbauern wollen letzten Anlauf zur Rettung von Leopoldsdorf

Rübenbauern-Präsident Ernst Karpfinger appellierte dazu an die Landwirte und die Politik. Es müsse dringend ein letzter Anlauf zur Rettung der Zuckerfabrik Leopoldsdorf gestartet werden. Die Tür sei noch nicht ganz geschlossen, sagte Karpfinger.

Damit die österreichischen Rübenbauern für 2021 ausreichend Rübenflächen kontrahieren, benötigten sie unbedingt begleitende Maßnahmen von der Politik. Notwendig sei eine verbindliche Zusage für verlässliche Rahmenbedingungen beim Pflanzenschutz sowie finanzielle Unterstützung im Kampf gegen den Rüsselkäfer. Ähnliches sei für Frankreichs Rübenbauern vor wenigen Wochen angekündigt worden, stellte Karpfinger fest. Er verwies damit auf die von der Regierung in Paris geplante Notfallzulassung von Neonicotinoiden.

Schließung würde 35 Millionen Euro Restrukturierungskosten verursachen

Die Kosten der Restrukturierung in Leopoldsdorf beziffert die Agrana auf 35 Mio. Euro. Von der Summe sollen 15 Mio. Euro zulasten der Liquidität des Unternehmens gehen.

Die Agrana ist ein Tochterunternehmen des Südzucker-Konzerns. Der Dachkonzern, Europas größter Zuckerhersteller, hat im Zuge der Anpassung an die zeitweilig extrem niedrigen Zuckerpreise seit 2018 bereits fünf Werke in Deutschland, Frankreich und Polen geschlossen.

Gekoppelte EU-Zahlungen im Rübenanbau

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...