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Pflanzenschutz - der Markt 2023

Pflanzenschutz 2023: Rekordpreise und die Sorgen der Bauern

Pflanzenschutz.
am Freitag, 16.12.2022 - 13:36 (1 Kommentar)

Die Preise für Pflanzenschutz gehen durch die Decke. Um 24 % haben sich Herbizide im Jahr 2022 verteuert und Fungizide kosten knapp 10 % mehr. Am Weltmarkt gehen die Preise seit einiger Zeit in die andere Richtung. Die Frage ist: Wie sieht es mit den Preisen und der Versorgung 2023 aus?

herbizidpreise.

Damit befinden sich die Preise für Pflanzenschutzmittel auf einem neuen Rekordstand. Und für 2023 sieht es erst einmal nicht viel besser aus. Vor allem die große Unsicherheit, die von der Energieversorgung und den Lieferkettenproblemen im neuen Jahr ausgeht, macht eine Prognose zur Marktentwicklung schwer.

Ein weiterer Grund ist, dass ein großer Teil der Pflanzenschutzmittel und der chemischen Grundstoffe zu ihrer Herstellung aus China kommt. Und der chinesischen Pflanzenschutz- und Düngerindustrie machen die sehr hohen Energiepreise ebenso zu schaffen, wie der agrochemischen Industrie in Europa – dazu kommen aber noch endlose Lockdowns mit massiven Folgen für die Produktion und den Export der wichtigsten Agrochemikalien.

Und der Markt für Pflanzschutzmittel ist ein globaler Markt – zumal Unternehmen wie Bayer und BASF selbst seit langem große Produktionsanlagen in China betreiben.

Teure Lagerbestände fließen nicht ab – Weltmarkt viel billiger

fungizidpreise.

Hinzu kommt noch ein anders Phänomen: Die großen Unsicherheiten in der globalen Lieferkette – Abriegelungen in chinesischen Städten, Lieferengpässe, knappe Container, Überlastung der Häfen, Mangel an Lkw-Fahrern – haben nach Einschätzung von Analysten häufig zu einer sehr starken Auffüllung der nationalen Lagerbestände und zu einer Regulierung des Außenhandels geführt – auch in China.

Bei Mineraldünger konnte man dieses Phänomen zeitgleich beobachten. Und dann brach wegen der hohen Preise – ähnlich wie bei Dünger – oft die Nachfrage aus der Landwirtschaft zusammen. Am Weltmarkt sind die Herbizidpreise deshalb im vierten Quartal 2022 deutlich zurückgegangen – in Deutschland und Europa (noch) nicht.

Doch der Preisausblick auf 2023 bleibt wegen der vielen unterschiedlichen Krisen ungewiss. Gleichwohl konnten die großen Agrarhändler und Agrochemiekonzerne das weltweit wichtigste Herbizid Glyphosat in China Anfang November für 7,3 USD je kg (ab Werk) einkaufen – im Vergleich zu knapp 10 USD je kg im April 2022 und für 13,3 USD Ende 2021.

Das ist ein scharfer Rückgang der Weltmarkpreise von fast 50 Prozent, während die Herbizidpreise in Deutschland bis ins vierte Quartal 2022 kräftig gestiegen sind.

Krisenhafte Situation setzt sich fort

Preise für Insektizide.

Doch viele Händler und Ökonomen sind sich unsicher, wie es 2023 weitergeht. Die Auswirkungen dürften durchaus ähnlich sein wie am Düngermarkt. Anfang 2022 sahen wir aufgrund der explodierenden Inflation und einer geringeren Bereitschaft, diese höheren Preise zu zahlen, eine Verlangsamung der weltweiten Nachfrage. Die Herstellungskosten der verkauften Waren stiegen mit den hohen Energiepreisen aber weiter an.

Die Situation auf den globalen Pflanzenschutzmärkten im Jahr 2022 ähnelt mit hohen Lagerbeständen, Lieferkettenproblemen und einem stockenden Verkauf, der Situation, die wir zur letzten Hochpreisphase von Agrarprodukten und Agrarchemie von 2012 bis 2014 erlebt haben, sagt der chinesische Analyst und Pflanzenschutzexperte David Li auf seiner Website.

Nach Einschätzung des Analysten hat der globale Pflanzenschutzmarkt zuletzt zwei Wellen von Lieferengpässen erlebt. Die erste Welle war die COVID-19-Pandemie ab 2020. Als der Ausbruch zum ersten Mal auftrat, brach die globale Versorgung kurzzeitig komplett zusammen.

Während sich die Versorgung in China wieder verbesserte, führte die entstandene Produktionslücke zu einer massiven globalen Verknappung. Panikkäufe auf den großen Märkten in den USA und Europa sorgten für einen deutlichen Anstieg der Verkäufe und zu steil ansteigenden Preisen bei Herbiziden, die Ende 2021 einen gewissen Höhepunkt erreichten.

Im Jahr 2022 verursachte die anhaltende Störung und Unterbrechung der Lieferkette eine zweite Runde von Lieferengpässen, die offensichtlich noch immer nicht ausgestanden sind. Nun kommt es zwar zu einem allmählichen Rückgang und Abverkauf der Lagerbestände in den USA und Europa - aber oftmals zu einem deutlich höheren Preisniveau wie die Einkaufpreise am Weltmarkt anzeigen.

Und Analysten sehen die Welt im Winter 2022 mit einer dritten Welle von Versorgungsengpässen konfrontiert. Angesichts des Risikos einer Energiekrise in Europa kann die globale Energieversorgung in diesem Winter nur begrenzt verbessert werden. Die Energienachfrage könnte aufgrund eines kalten Winters einen historischen Höchststand erreichen.

Das würde die chemische Produktion von Mineraldünger und Pflanzschutzmitteln als energieintensive Branche extrem belasten. Als einer der führenden Chemieriesen Deutschlands müsste BASF die Produktion einstellen, wenn die Erdgasversorgung auf weniger als die Hälfte des Bedarfs sinken würde, hatte der weltgrößte Chemiekonzern mitgeteilt.

Probleme gehen 2023 weiter

Die Welt steht am Rande einer Krise, oder besser gesagt, wir stecken mitten in der Krise. Die Straffung der Geldpolitik und eine mögliche Rezession im Jahr 2023 haben auch Folgen für die Agrarmärkte und auf die Preise und die Versorgung mit Betriebsmitteln haben. Das heißt die Probleme sind auch 2023 nicht vorbei.

Die Saison 2023 auf der Nordhalbkugel begann im Oktober 2022. In einem Markt mit hohen Lagerbeständen ist „wie Unternehmen Entscheidungen über zukünftige Verkäufe treffen“ eine Schlüsselfrage, sagen Pflanzenschutzanalysten wie Li. Angesichts der gefallenen Weltmarktpreise dürften die Preise für Pflanzenschutzmittel auch in Europa und den USA unter Druck geraten und die Unternehmen werden den Landwirten Preisnachlässe anbieten müssen – auch um die Nachfrage wieder anzukurbeln.

Gespräche von Landwirten über landwirtschaftliche Betriebsmittel für 2023 konzentrieren sich auf höhere Kosten und Produktverfügbarkeit. Da Düngemittel diese Diskussionen weiterhin dominieren, können landwirtschaftliche Betriebsmittel wie Saatgut und Agrarchemie zu fast vergessenen Themen werden. Die Minimierung der Kosten in diesen Produktionsbereichen ist jedoch ebenso wichtig, um die Gewinne auf Ihrem Betrieb zu erhalten.

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