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Zuckerbranche

Politik lässt Zuckerbranche verhungern

am Donnerstag, 11.07.2019 - 14:24

Die Zuckerbranche ist sauer, wie Brüssel die Krise der Branche lösen will. Sie verlangt mehr Einsatz.

Die Zuckerbranche ist mit dem Ergebnisbericht der High Level Group, die der EU-Agrarkommissar Hogan eingesetzt hat, sehr unzufrieden. Am kommenden Montag, den 15. Juli wird sich der Europäische Agrarrat mit dem Bericht zur Lage des EU-Zuckersektors befassen.
 
So nehme der Bericht die ungleiche Praxis bei gekoppelten Zahlungen und Pflanzenschutzmitteln innerhalb der EU sowie den künstliche Preisdruck durch subventionierten Zucker aus Drittstaaten laut Branche nicht ernst genug, kritisiert die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ).

In diesen zentralen Punkten empfehle die EU-Expertengruppe nur das Beobachten und das strikte Prüfen dieser politisch gemachten Wettbewerbsverzerrungen. "Das reicht bei weitem nicht, um diese Krise zu bewältigen," sagt Dr. Hans-Jörg Gebhard, Vorsitzender der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker.

Brüssel schafft noch mehr Bürokratie

Gebhard-Jörg-Dr. WVZ-Vorsitzender

Auch die übrigen Maßnahmen legen die Vermutung nahe, dass der Ernst der Lage nicht erkannt worden sei: Mehr Bürokratie durch Bildung zusätzlicher Organisationen für den Rübensektor oder durch Erhebung weiterer Marktdaten in einem Sektor, der ohnehin schon sehr transparent ist, belaste die Zuckerwirtschaft zusätzlich.

Bessere Ergebnisse werden dadurch nicht erzielt. Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen liefern ihre Ergebnisse erst, wenn bei anhaltender Krise bereits große Teile des Sektors verloren gegangen sind.

Ein Diversifizieren im Rübensektor ergibt wiederum nur dann Sinn, wenn die Wettbewerbsverzerrungen zuvor abgestellt sind. Solange Unternehmen und Rübenanbauer durch die anhaltende Krise keine Einnahmen erzielen, hilft keine dieser Maßnahmen unmittelbar.
 

Hogan fehlt politischer Wille für Krisenlösung

Der EU-Kommission fehlt laut WVZ offensichtlich auch der echte politische Wille, zur Lösung der Zuckerkrise beizutragen. Statt Verantwortung zu übernehmen, verschärft die Kommission die Krise sogar – zuletzt durch das geplante Mercosur Freihandelsabkommen. Mit den Einfuhrzugeständnissen für Zucker und Ethanol von insgesamt 1,5 Mio. t Zuckeräquivalent sind über die bereits angekündigten Fabrikschließungen hinaus potentiell weitere sieben bis zehn Zuckerfabriken von der Schließung bedroht.

Allein das wäre ein Verlust an Bruttowertschöpfung in Höhe von mindestens 1 Milliarde Euro und würde zudem mindestens 22.000 Arbeitsplätze betreffen.

„Wir brauchen keine noch genauere Analyse und noch langwierigere Prüfungen möglicher Maßnahmen. Die Politik muss jetzt endlich Verantwortung übernehmen. Die Wettbewerbsverzerrungen müssen abgeschafft, Einfuhrzugeständnisse für subventionierten Zucker verhindert und die Strukturanpassungen flankiert werden – die Agrarreform ist nur ein Anlass dafür. Hier sehen wir auch die Bundesregierung in der Pflicht, nicht nur Warnungen vor dem Aus des deutschen Zuckerrübenanbaus auszusprechen“, fordert Dr. Hans-Jörg Gebhard, WVZ-Vorsitzender.