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Kommentar

Preisdumping: Edekas Märchenstunde

Edeka-Werbeplakat mit dem Komiker Otto Waalkes
am Freitag, 31.01.2020 - 09:56 (1 Kommentar)

Die Niedrigpreise zum Edeka-Jubiläum gehen nicht zu Lasten der Lieferanten. Ein Märchen. Wir haben andere Informationen. Ein Kommentar.

Josef Koch agrarheute Redakteur

Märchenerzähler sind anerkannt. Sie genießen einen guten Ruf. Kinder und Erwachsene lassen sich gerne in Märchenwelten entführen. Sie verleiten zum Träumen.

Mit Märchen wollen die Verantwortlichen bei Edeka Minden-Hannover offenbar auch die aufgebrachten Bauern beruhigen, die sich über die Plakataktion zum 100jährigen Edeka-Jubiläum bitter beschwerten.

Edeka entschuldigte sich, hängte die Plakate ab und ändert sie. Die angekündigten Preisreduzierungen sollen nicht zu Lasten der Landwirte gehen. „Sie werden ausschließlich von der Großhandlung getragen“, teilt die Edeka Minden mit.

Obst- und Gemüselieferanten sollen für Geburtstagsfeier zahlen

Was für ein Märchen! Aber ein schlechtes! Wie der Bauernverband Hamburg herausfand, stimmt das nicht. Edeka führt die Bauern hinters Licht. Mehrere Landwirte berichteten, dass Edeka Minden-Hannover doch Rückvergütungen von 2 Prozent des Umsatzes 2019 von Obst- und Gemüselieferanten verlange. Damit will Edeka sein 100jähriges Jubiläum finanzieren. Die Lieferanten müssen sich bis heute entscheiden, ob sie die Rückforderung akzeptieren, heißt es.

Rückvergütungen zwischen dem Lebensmittelhandel und Erzeugern sind grundsätzlich üblich in dem Geschäft. Sie werden aber im Vorfeld der Liefersaison vereinbart und bei der Preisfindung berücksichtigt.

Jetzt kurzfristig und im Nachhinein noch mal Geld zu verlangen, um seine Geburtstagsfeier zu finanzieren, ist dreist und unverschämt. Faire Partnerschaft mit regionalen Erzeugern ist das nicht.

Edeka ist kein Einzelfall

Lidl-Dumpingpreis-Werbung

Edeka Hannover-Minden ist aber kein Einzelfall, wenn es um Werbung mit Niedrigpreisen geht. Man muss sich nur ansehen, wie jüngst Lidl in Großstädten wie München für Obst und Gemüse geworben hat: „Alles frisch, nix teuer“.

Da klingt es doch wie ein Hohn, wenn die Handelsverbände an Bundesagrarministerin Klöckner schreiben, sie seien nicht schuld an Dumpingpreisen und wirtschaftlichen Problemen der Landwirte. Vielmehr seien strukturelle Probleme der Landwirtschaft der Grund dafür. Hoffentlich fällt Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag beim Treffen mit dem Lebensmittelhandel nicht auf diese Märchenerzähler rein. Sie könnte sich ja als Rotkäppchen verkleiden, und diesmal nicht auf den bösen Wolf reinfallen, sondern ihm die mal richtig die Leviten lesen.

Aber gleichzeitig stecken sich die großen Händler Millionenbeträge in die Taschen, weil sie beispielsweise Milchprodukte günstiger einkaufen, aber die Verbraucherpreise nicht senken. Ich bin mal gespannt, ob Edeka, Lidl, Aldi und Rewe ab nächster Woche das 250g-Päckchen Butter im Laden günstiger machen, nachdem sie das Päckchen schon wieder um 5 Cent günstiger einkaufen.

Märchen haben meist ein gutes Ende. Aber beim Lebensmittelhandel glaube ich nicht daran.

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