Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Kommentar

Preisdumping: Auf zu real!

real-Supermarktkette
am Donnerstag, 06.02.2020 - 05:00 (9 Kommentare)

Die Supermarktkette Real hat Markenprodukte der DMK ausgelistet, weil die Molkerei höhere Preise wollte. Ein Skandal. Ein Kommentar.

Josef Koch agrarheute Redakteur

Wer Ethik und Moral beim Einkaufgebaren der großen Lebensmittelketten sucht, wird genauso fündig, als wenn er eine Nadel im Heuhaufen suchen würde. Nämlich gar nicht.

Bestes Beispiel liefert aktuell die Supermarktkette real, die zur Metrogruppe gehört. Der Händler informiert in seinen norddeutschen Läden die Kunden, dass sie milram-Marken wie „Frühlings-Quark“ und „Drei-Zwiebel-Quark“ im Sortiment nicht finden, weil der „Lieferant dmk (Deutsches Milchkontor) massive Preiserhöhungen fordert, die wir so nicht akzeptieren können“. Daher hat real die Produkte kurzerhand einfach ausgelistet.

Handel schnt bei der Butter erneut ab

real-Auslistung dmk

Schließlich könne man dem Kunden die höheren Preise nicht zumuten. Ein glatte Lüge. Wer es ernst damit meint, muss dann wenigstens auch günstigere Einkaufspreise für Butter an seine Kunden weitergeben.

Genau das Gegenteil ist der Fall. Seit Dezember sind zum Beispiel die Einkaufspreise um 32 Cent/kg für abgepackte Butter gefallen. Im Laden kostet das Päckchen Deutsche Markenbutter aber bisher unverändert 1,39 Euro. Nicht nur real steckt sich das Geld in die eigenen Taschen.  Auch Aldi, Lidl und Rewe kassieren kräftig auf Kosten der Bauern ab.

Real-Aktion ist ein Schlag ins Gesicht aller Bauern

Die real-Aktion ist ein Schlag ins Gesicht aller Bauern, nicht nur der Genossenschaftsmitglieder des Deutschen Milchkontors (DMK). Real tritt die berechtigten Interessen der Landwirte nach höheren Preisen mit Füßen.

Im Vorfeld des Gipfeltreffens mit Bundeskanzlerin Angela Merkel haben Handelsverbände eine Einmischung in ihre Preispolitik vehement abgelehnt. „Wir werden nicht über Preise reden“, hieß es. Spätestens jetzt ist aber an der Zeit, darüber zu reden.

Bauern können die höheren gesellschaftlichen Anforderungen wie Arten-, Trinkwasser- und Klimaschutz in keinster Weise erfüllen, wenn der Handel als entscheidender Teil der Wertschöpfungskette immer wieder ausschert und an Niedrigpreisen festhält.

Vielleicht ist der Handel erst bereit, mit Bauern über Preise zu sprechen, wenn noch mehr Traktoren vor seinen Verteillägern und Läden aufkreuzen. Die Verbraucher müssen wissen, dass eine solche Preispolitik, wie sie real gerade vorführt, zum Sterben vieler Bauernhöfe führt.       

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...